Haydar Acun musste mit ansehen, wie einige seiner Lieblingsaktien nach dem überraschenden Wahlergebnis in der Türkei um bis zu 19 Prozent in den Keller rasten. Seine Reaktion: Weiter kaufen! Anstatt die Aktien von zwei der nur vier Unternehmen aus dem Borsa 100 Istanbul Index, die am Montag Verluste verzeichneten, zu veräussern, begab sich der 45-jährige Vermögensverwalter auf Einkaufstour. Sein Fonds Marmara Capital Equity Intensive hatte in diesem Jahr bis einschliesslich Freitag einen Ertrag von rund 17 Prozent eingespielt.

Jetzt besitzt er Aktien aller vier Firmen, die sich der grössten Börsen-Rally des Landes seit Dezember 2013 widersetzten. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die sich mit Präsident Recep Tayyip Erdogan und der von ihm gegründeten Partei angelegt hatten. Dieser war es gelungen, sich im Sonntag die Mehrheit im Parlament zurückzuerobern. «Ich bin mir der Risiken bewusst. Aber ich sehe auch die substanziellen Erträge, die diese Unternehmen bringen können», sagt Acun in einem Interview mit Bloomberg.

Medienfirmen unter Beschuss

Drei davon sind Sparten der Koza-Ipek Holding, einer Gruppe mit Beteiligungen von Medien bis Bergbau. Ihre Büros waren in der vergangenen Woche durchsucht worden, zudem übernahmen die Behörden das Management dieser Firmen. Erdogan wirft Koza vor, Fethullah Gulen zu finanzieren, einen vom türkischen Nationalen Sicherheitsrat als Terroristen eingestuften Prediger. Manager des Unternehmens bestreiten das. Die vierte Aktie ist die des Verlags und Fernsehveranstalters Dogan Sirketler Grubu Holding. Das Unternehmen hatte sich in der Vergangenheit mehrmals mit Erdogans Regierung angelegt.

Acun begründet sein Investment in Koza damit, dass die Firma «tonnenweise Geld» besitzt und die Übernahme durch die Behörden von Gerichten aufgehoben werden könne. Möglich sei auch, dass Koza sich unter staatlicher Führung prächtig entwickelt. Wo auch immer die Reise hingeht: Koza betreibt Goldabbau - und »«Gold ist nun einmal Gold». Bei Dogan geht er davon aus, dass das Joint-Venture der Firma mit CNN von der amerikanischen Time Warner es am Ende vor dem Schicksal bewahren dürfte, das andere kritische Medien im Land erfahren mussten. «Ich glaube nicht, dass die Firma beschlagnahmt wird angesichts der ausländischen Partnerschaften», sagt Acun.

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Talfahrt am Montag

Der Geldmanager versucht nach eigenen Worten, «ruhig zu bleiben» und sich «auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren». Das muss am Montag nicht einfach gewesen sein. Schliesslich hatte die Dogan Holding bis zu 19 Prozent ihres Börsenwertes verloren. Am Ende ging sie mit einem Minus von 15 Prozent aus dem Handel. Das Goldunternehmen Koza Altin verbilligte sich um 2,4 Prozent. Koza Anadolu Maden verloren zehn Prozent, Ipek Dogal Enerji rutsche um zwölf Prozent in den Keller. Am Ende des Montags standen die vier Unternehmen hinter 34 Prozent des Portfolios von Acuns - verglichen mit lediglich 25 Prozent kurz zuvor.

(Bloomberg/mbü)