Die Schweizer Börse Swiss Exchange (SIX) spürt den Frühling: Nach einigen harzigen Monaten hat sich nicht nur das Fenster für Börsengänge wieder geöffnet, der Handelsplatz weckt das Interesse von ausländischen Unternehmen. Neben dem US-Biotech-Unternehmen Oxygen Biotherapeutics hat sich auch der Tiefsee-Bohrspezialist Transocean für eine Kotierung an der SIX entschieden. Die Aktie wurde dort mit Applaus empfangen und kletterte am ersten Handelstag von 95.20 Fr. um knapp 2% auf 97 Fr.

Erreicht die Aktie genügend hohe Handelsumsätze, wird sie spätestens im September in den Swiss Market Index (SMI) aufgenommen. Sowieso zählt sie mit einer Marktkapitalisierung von 30 Mrd Fr. zu den «schwersten» börsenkotierten Schweizer Unternehmen. «Der SMI ist ein grossartiger Index, und durch die Aufnahme kann die Anlegerschaft ausgeweitet und diversifiziert werden», so ein Transocean-Sprecher. Mit der Aufnahme könne man zudem den Ruf als Schweizer Unternehmen stärken.

Foster Wheeler mit Interesse

Transocean ist der grösste Zugang an der SIX seit der Fusion von Bankverein und Bankgesellschaft zur UBS. Und: Transocean könnten noch andere ausländische Konzerne folgen. So führt die SIX derzeit Gespräche mit mehreren Interessenten, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt. In die Karten schauen lässt sich die Börse nicht. Denn auch wenn ein Börsengang schon weit fortgeschritten ist, können sich kurzfristige Absagen ereignen.

Anzeige

Auf Anfrage zeigt sich etwa das in Genf niedergelassene US-Ingenieurunternehmen Foster Wheeler offen: Man plane zwar derzeit keinen Gang an die SIX, ein solcher bleibe aber eine Option für die Zukunft. Andere Unternehmen sind zurückhaltend. Die Erdölförderer Weatherford und Noble Corporation nahmen auf eine entsprechende Anfrage nicht Stellung. Das gilt auch für das Industriekonglomerat Tyco International und dessen frühere Sparte Tyco Electronics. Beide sind im letzten Jahr nach Schaffhausen gezogen. Noch hat Garmin, Hersteller von Satellitennavigationsgeräten, seinen Sitz auf den Cayman Islands. Stimmen die Aktionäre an der Generalversammlung am 20. Mai für den Umzug, wird der Hauptsitz im Juni nach Schaffhausen verlegt. Es sei jedoch vorgesehen, die Aktie weiterhin an der US-Technologiebörse Nasdaq kotiert zu lassen. Garmin könnten weitere kotierte Unternehmen in die Nordostschweiz folgen, denn die dortige Wirtschaftsförderung ist mit einigen Kandidaten im Gespräch.

Im Lifesciences- oder im Pharmabereich geniesst die SIX bereits einen guten Ruf, auch daher entscheiden sich Firmen wie Oxygen für eine Kotierung an der SIX. Firmen möchten aber nicht nur aus Image-Gründen in einem bedeutenden Index vertreten sein.

Index-Zugang ein Muss

Die Aufnahme in einen Schweizer Index steigert das Interesse der institutionellen Anleger und von Fonds, die Aktien entsprechend der Indexgewichtung kaufen müssen. Denn die Mehrzahl der Unternehmen, die aus steuerlichen und betrieblichen Gründen ihren Sitz in die Schweiz verlegt haben, hatten so ihre Stellung im wichtigen Börsenindex S&P 500 aufgegeben. In diesem Index sind ausschliesslich die 500 grössten, börsennotierten und in den USA niedergelassenen Unternehmen vertreten.