A uch wenn sich die US-Wirtschaft zu erholen scheint, das letzte Wort zur Zukunft des Dollar ist noch nicht gesprochen. Viele Analysten erwarten, dass er in nächster Zeit wieder stärker wird, wenn sich die Krise abschwächt. Aber viele haben auch Bedenken, was die langfristigen Aussichten betrifft. Angesichts der wachsenden Staatsschulden könnten die enormen Verbindlichkeiten, die die Regierung auf dem Weg aus der Krise eingeht, letztlich das Vertrauen in den Dollar erschüttern.

«Nicht alle waren glücklich damit, wie der Staat mit der Krise umgegangen ist», sagt Claire Dissaux von der Londoner Investmentfirma Millennium Global Investments, die sich auf Währungen spezialisiert hat. «Der Bedeutungsverlust des Dollar ist ein stetiger und langfristiger Trend.» Ein Vertrauensverlust würde dem internationalen Ansehen der USA schaden und die Kreditaufnahme an den Finanzmärkten verteuern. Sollte der Dollar als wichtigste Leitwährung abgelöst werden, würde das den globalen Handel und das Finanzwesen bremsen, bis eine andere Währung dessen Rolle übernommen hat.

Anleger und Ökonomen sind schon länger beunruhigt wegen des Wertverlusts des Dollar - vor allem zu Beginn des Jahrzehnts, als die US-Regierung und die Konsumenten weit mehr ausgaben, als sie sich leisten konnten. Als im vergangenen Jahr aber die Märkte infolge der Lehman-Pleite abstürzten, flüchteten Anleger in Staatsanleihen als die vermeintlich sichersten Anlagen. Das trieb den Wert des Dollar nach oben.

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Befürchtungen Warren Buffetts

Doch jetzt fürchten Grossinvestoren, wie etwa Warren Buffett oder der Anleihemanager Pimco, die Hilfsprogramme der Regierung könnten in den nächsten Jahren die Inflation verstärken und den Dollar hart treffen. Eine höhere Inflation schluckt die Gewinne der Bondinvestments, die festverzinsliche Erträge bringen, sodass sie für Investoren weniger attraktiv sind. Und eine rückläufige Nachfrage nach US-Anleihen könnte den Dollar schwächen.

Buffett fürchtet, US-Politiker würden nicht entschieden genug gegen die explodierenden Schulden vorgehen, sondern einen Anstieg der Inflation tolerieren, was die Kreditgeber der USA, darunter China und Japan, treffen würde. Die Unsicherheit rund um den Dollar wächst, während sich Investoren immer mehr mit der Vorstellung anfreunden, dass Schwellenländer wie China, Russland und Brasilien auf den internationalen Finanzmärkten eine grössere Rolle spielen könnten. Analysten wie etwa Curtis Mewbourne von Pimco sagen, diese Länder könnten die Krise nutzen, um ihre Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren.

Vor einigen Monaten hatte der Gouverneur der chinesischen Zentralbank nach einer «supersouveränen» Leitwährung gerufen - einer Währung, die unabhängig von einem bestimmten Land ist. Dies gilt unter Analysten jedoch als unrealistisch, denn die Grossmacht USA werde ihren Status nicht verlieren wollen, und jede neue Leitwährung würde einen breiten und entwickelten Markt erfordern, in dem sie gehandelt werden könnte.