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Handelsabkommen
Donald Trump riskiert einen Handelskrieg mit China

Donald Trump

Nachdem Trump im Januar Strafzölle auf Waschmaschinen und Solaranlagen verhängte, scheint er nun den Technologie- und Telekommunikationssektor angehen zu wollen.

Quelle: Getty Images

Donald Trump waren die bestehenden Handelsabkommen der USA bereits im Vorwahlkampf ein Dorn im Auge. Nun lässt er seinen Worten Taten folgen – auch wenn er damit einen Handelskrieg mit China riskiert.

Von Christos Mallousis*
am 23.03.2018
Der Wahlkampfslogan von Donald Trump war so schlicht wie einprägsam «America first». Dass er daran festhält, hat er schon mehrfach gezeigt. Auch bei den Neuverhandlungen der Handelsabkommen macht er keine Ausnahme. Berücksichtigt man, dass die USA seit mehr als 40 Jahren kontinuierlich ein Handelsbilanzdefizit ausweist, 566 Milliarden US Dollar im letzten Jahr, ist dies kaum verwunderlich. Trump sieht in den schlecht verhandelten Handelsabkommen den Hauptgrund für dieses Ungleichgewicht. 

Die NAFTA Verhandlungen gehen im April in die achte Runde

Direkt nach seinem Wahlsieg begann für Trump das grosse Aufräumen. Er stieg aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen (TPP) aus und stellte das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) mit Mexiko und Kanada zur Disposition. Die NAFTA Verhandlungen gehen im April in die achte Runde und könnten nun, kurz vor den Wahlen in Mexiko, den Durchbruch bringen. Auch weil Trump vor zwei Wochen mit seiner Ankündigung, Strafzölle auf den Import von Aluminium und Stahl zu erheben, weiteren Druck aufbauen konnte. Kanada macht insgesamt 17 Prozent und Mexiko 9 Prozent der US Stahlimporte aus und sind somit neben Südkorea, Brasilien und China die grössten Exporteure. 

Trump will dass die Europäer ihren Verpflichtungen in der NATO nachkommen

Obwohl der Handel mit Stahl und Aluminium nur etwa 1.3 Prozent der gesamten Importe der USA ausmachen, reagierte die europäische Kommission scharf auf diese Entscheidung und kündigte Gegenmassnahmen an. Diese sollen in erster Linie Industriezweige treffen, die in Trump-freundlichen US-Bundesstaaten produzieren. Damit will die EU eine Drohkulisse für Trump aufbauen, der am 6. November in den Mid-term Wahlen um den Verlust der Mehrheit, sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat, fürchten muss. Trump liess sich davon jedoch nicht beeindrucken und zog einen Trumpf aus dem Ärmel. Er drohte mit Strafzöllen auf Automobilimporte - die Achillesferse der EU. Europäische Automobilhersteller exportierten 2016 Autos im Wert von 46 Milliarden Euro in die USA, importierten jedoch lediglich Automobilprodukte im Wert von 10 Milliarden Euro aus den USA. Sollte Trump seiner Drohung Taten folgen lassen, dürfte dies Umsatzeinbussen der europäischen Automobilindustrie in Höhe von 17 Milliarden Euro jährlich bedeuten. 
 
Neben besseren Handelsabkommen will Trump mit seinen Maximalforderungen jedoch auch erreichen, dass die Europäer ihren Verpflichtungen in der NATO nachkommen und ihre Rüstungsausgaben auf die vereinbarten 2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt erhöhen. Derzeit liegen diese Ausgaben bei knapp unter 1.5 Prozent vom BIP.

Die Gefahr eines Handels- und Wirtschaftskriegs ist gross

Während die Probleme mit Kanada, Mexiko und der EU lösbar scheinen, könnte der Streit mit China jedoch weiter eskalieren. Das Handelsdefizit mit China betrug 2017 375 Milliarden US Dollar und stellte somit Zweidrittel des gesamten Handelsdefizits der USA dar. Nachdem Trump im Januar Strafzölle auf Waschmaschinen und Solaranlagen verhängte, scheint er nun den Technologie- und Telekommunikationssektor angehen zu wollen. Zusammen machen die beiden Sektoren etwa 100 Milliarden US-Dollar am Handelsdefizit mit China aus. Vergangene Woche liess Trump verlauten, dass Strafzölle in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar auf diese aus China importierten Produkte erhoben werden sollen. Ein gefährliches Szenario, denn der chinesische Aussenminister Lu konterte prompt und sagte, dass «China die notwendigen Massnahmen ergreifen werde, sollten die USA Schritte einleiten, welche chinesischen Interessen schaden». Die Gefahr eines Handels- und Wirtschaftskriegs ist somit gross. China dürfte dabei zugutekommen, dass sie der grösste Gläubiger der USA sind.  Verkäufe von US-Staatsanleihen würden die USA an ihrer schwächsten Stelle treffen – der Wall Street

Trump liegt mit seiner Forderung nach gerechterer Handelsabkommen richtig

Die diplomatischen Fähigkeiten Trumps werfen berechtigterweise Zweifel auf. Jedoch liegt er mit seiner Forderung nach gerechterer Handelsabkommen richtig. Während die USA bisher im Durchschnitt 3.5 Prozent Zölle auf Importe erhoben haben, lagen die durchschnittlichen Einfuhrabgaben für die EU bei 5.2 Prozent und die für China gar bei 9.9 Prozent (Quelle: Pictet). Ein klarer Nachteil für die USA und ein Umstand, der korrigiert werden muss. Ob Trumps radikale Verhandlungsart jedoch bei China Erfolg haben wird, bleibt anzuzweifeln und dürfte für weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen.
 
Christos Maloussis, Market Analyst der IG Bank 
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