Der Dow Jones Industrial ist am Dienstag in New York auf ein Rekordhoch gestiegen. Bereits einige Minuten nach Handelsbeginn knackte der Dow die bisherige Bestmarke in Höhe von 14'198,10 Punkten, die er am 11. Oktober 2007 erreicht hatte. Als Grund für die aktuell freundliche Stimmung an der Wall Street nannten Börsianer die Hoffnung auf eine Weiterführung der sehr lockeren Geldpolitik in den USA.

Die stellvertretende Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hatte am Montag eine unveränderte Fortsetzung des Anleihekaufprogramms zur Stützung der Wirtschaft signalisiert. Zusätzlichen Schub gaben im Handelsverlauf überraschend gute Konjunkturdaten: Die Stimmung der Dienstleister in den USA hatte sich unerwartet aufgehellt.

Zum Handelsende schloss der Dow 0,89 Prozent höher auf einem neuen Rekordhoch bei 14'253,77 Punkten. Auch die anderen Indizes zogen deutlich an: Der S&P-500-Index kletterte um 0,96 Prozent auf 1539,79 Punkte. Für den Auswahlindex NASDAQ 100 ging es um 1,44 Prozent auf 2799,25 Punkte nach oben, der breiter gefasste Composite-Index rückte um 1,32 Prozent vor auf 3224,13 Punkte.

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Ausnahmen Coca-Cola, Merck und Alcoa

«Das Rekordhoch im Dow hatte sich schon in den letzten Tagen angedeutet», sagte Analyst Daniel Saurenz von Feingold Research. Denn nach einigen Testballons hätten führende Notenbanker keinen Zweifel daran gelassen, dass weiter Geld gedruckt wird und die Anleihenkäufe unverändert fortgesetzt werden.

Im Dow notierten mit Ausnahme von Coca-Cola, Merck und Alcoa alle Indexwerte im Plus. Die konjunktursensiblen Technologiewerte Hewlett-Packard (HP), United Technologies und Cisco Systems zogen um rund 2 Prozent an. Für die Titel des Flugzeugbauers Boeing ging es um 2,04 Prozent auf 78,66 US-Dollar nach oben.

«Die Liquidität, die in den Markt gepumpt wird, sucht sich am Aktienmarkt ein Ventil», meinte Marktstratege Wolfgang Duwe von der Landesbank Bremen. So investierten professionelle Anleger verstärkt in US-Dividendenwerte, da festverzinsliche Wertpapiere wie US-Staatsanleihen wegen ihrer geringen Renditen auf lange Sicht keine Alternative seien.

Keine Angst vor Rezession

Das endgültige Scheitern der Etatverhandlungen zwischen US-Präsident Barack Obama und den Republikanern indes scheint die Anleger nicht zu schrecken. So dürfte sich zwar das Wachstum der US-Wirtschaft angesichts der nun anstehenden Einschnitte nach dem Rasenmäherprinzip in Höhe von 85 Milliarden Dollar (65 Milliarden Euro) verlangsamen, sagte Analyst Joe Rundle vom Broker ETX Capital.

Ein Abgleiten in die Rezession aber sei nicht zu befürchten, da die jährliche Wirtschaftsleistung der USA bei rund 15 Billionen US-Dollar liege. Im Vergleich zu dieser Summe erschienen die Budgetkürzungen verkraftbar.

(tno/awp)