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Prognose
Dr. Doom zerpflückt Donald Trumps Einreisestopp

Börsenguru Marc Faber: Düstere Prognose für Trumps Präsidentschaft. Keystone

Finanzguru Marc Faber erwartet einen grossen Schaden für die Börsen durch Donald Trumps Einreisesperre. Der Schweizer Investor rät, Dollar und US-Aktien zu shorten und andere Regionen zu favorisieren.

Von Gabriel Knupfer
am 31.01.2017

Der für seine pessimistischen Prognosen bekannte Schweizer Finanzguru Marc Faber lässt kein gutes Haar am Einreisestopp der neuen US-Regierung. «Jeder mit einem Funken Verstand» werde seine Position in den USA überdenken, nachdem nun klar sei, dass der Zugang für Ausländer zum US-Markt durch Donald Trumps Protektionismus jederzeit blockiert werden könne.

Trumps Massnahme – ein 90-tägiger Einreisestopp für Menschen aus sieben hauptsächlich muslimischen Ländern – werde sich langfristig negativ auswirken, so Faber gegenüber CNBC. «Ich denke, dass der Einreisestopp sowohl den Dollar als auch amerikanische Aktien schwächen wird.» Grund sei der grosse psychologische Einfluss des Erlasses auf potenzielle und bisherige Investoren.

«Jahr der Enttäuschungen»

Mit Blick auf das gewaltige Handelsdefizit der USA glaubt Faber nicht, dass das Investorenvertrauen noch lange anhalten wird. Tatsächlich setzten die Börsen nach Trumps Sieg im November zum Höhenflug an, der den Dow Jones vergangene Woche erstmals in der Geschichte über die Marke von 20'000 Punkten schickte. Am Montag, dem ersten Handelstag nach Trumps Dekret, gab der Leitindex zunächst um 0,6 Prozent nach und fiel wieder unter diese Marke.

2017 werde das «Jahr der Enttäuschungen», ist Faber überzeugt. Im Gegensatz zu anderen Experten rät der Verfasser des «Gloom, Boom & Doom»-Reports US-Aktien und den Dollar zu shorten, also auf Kursverluste zu setzen. Investoren sollten dagegen Schwellenländer-Aktien kaufen, empfiehlt Faber.

Angst vor Protektionismus

«Ich garantiere Ihnen, dass Protektionismus nicht gut für die USA sein wird», so Faber. Mit der Meinung, dass eine Abschottung des US-Marktes die ansonsten wirtschaftsfreundliche Politik des neuen Präsidenten torpedieren könnte, steht der Investor nicht alleine da. In einem Marktkommentar warnten beispielsweise auch die Experten der Genfer Privatbank SYZ vor dem «glückseligen Optimismus» und der «rührenden Naivität» der Börsen nach Trumps Sieg.

Einen Absturz der Börsen erwarten indes die wenigsten Ökonomen: Denn das makroökonomische Umfeld ist ohnehin stark. Die Weltkonjunktur kommt mit billigem Geld und einem immer noch tiefen Ölpreis immer besser in Fahrt. Anders als die meisten Experten gewichtet Faber die Unsicherheit über Trumps Kurs jedoch höher – und rechnet mit Verlusten.

«Ich würde für jeden ausser Hillary stimmen»

Vor den Wahlen hatte sich Faber noch klar für Trump ausgesprochen. «Ich würde für jeden ausser Hillary stimmen», hatte der Börsenguru gegenüber handelszeitung.ch kommentiert. Der Schweizer ist bekannt dafür, das zu sagen, was die Leute am wenigsten hören wollen.

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