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Geldpolitik
Draghi kündigt Feinjustierung bei Anleihenkäufe an

Mario Draghi
EZB-Chef Mario Draghi: Keine grosse Abkehr von der Langzeit-Geldpolitik.Quelle: Keystone .

Das Kaufprogramm für Anleihen der EZB läuft aus. Sie wolle nun den Kapitalschlüssel beim Umfang der Anleihen anpassen, sagt Chef Draghi.

Veröffentlicht am 13.12.2018

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt eines ihrer wichtigsten Kriseninstrumente ein. Die Währungshüter kündigten am Donnerstag an, die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe zum Jahreswechsel zu beenden. Dann werden die Wertpapier-Transaktionen ein Niveau von rund 2,6 Billionen Euro erreicht haben.

Seit März 2015 sind sie die wichtigste Waffe der EZB im Kampf gegen eine schwache Konjunktur und eine aus ihrer Sicht zu geringe Inflation. Doch inzwischen läuft die Wirtschaft wieder besser - auch wenn das Wachstum sich zuletzt abschwächte.

Viele Papiere aus Italien und Frankreich

Die EZB will bei ihrem Wertpapier-Programm nun schrittweise dafür sorgen, dass der Umfang der Staatsanleihen der Länder in etwa dem sogenannten Kapitalschlüssel entspricht. Dieser orientiert sich an der Wirtschaftsleistung und Bevölkerungszahl der Staaten. Die EZB hat bei ihren billionenschweren Käufen jedoch überdurchschnittlich viele Papiere aus Frankreich, Italien und Spanien angehäuft.

EZB-Chef Mario Draghi sagte am Donnerstag, Einnahmen aus Anleihen würden zwar generell in den Ländern wieder angelegt, in denen die Papiere ausliefen. Die EZB-Bestände an Staatsanleihen würden jedoch mit der Massgabe weiter angepasst, dass sie enger an den Kapitalschlüssel ausgerichtet werden sollten. Einen entsprechenden Beschluss des EZB-Rats zu den «technischen Parametern» der Ersatzkäufe veröffentlichte die EZB am Nachmittag auf ihrer Internetseite.

Dieser war jüngst überarbeitet worden. Auf die Bundesbank - die Notenbank der grössten EU-Volkswirtschaft - entfällt auch der stärkste Anteil. Er steigt ab Januar von 17,997 auf 18,367 Prozent. Für Italien sinkt er hingegen von 12,311 auf 11,802 Prozent, was auch mit der schwächeren Konjunktur des Landes zusammenhängt. Für Spanien und Portugal gehen die Anteile ebenfalls zurück.

Der Schlüssel ist eines der Grundgerüste der Wertpapierkäufe, die bis zum Jahresende ein Volumen von 2,6 Billionen Euro erreicht haben dürften. Danach will die EZB nur noch auslaufende Anleihen ersetzen. Der Kapitalschlüssel wird zur Berechnung herangezogen, wie gross der Umfang der Käufe für die einzelnen nationalen Euro-Notenbanken ist. 

Zinserhöhung frühestens im Herbst 2019

Die EZB bestätigte nach der Zinssitzung in Frankfurt zudem, dass sie ihre Schlüsselsätze noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus nicht antasten will. Der Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

(reuters/gku/tdr)

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