Investoren sind dieser Tage eigentlich panisch genug - die Angst vor einem Absturz der Schwellenländer geht um. Nun drohen die USA, Grossbritannien und Frankreich mit einem Militärschlag. Bereits am Donnerstag könnten Raketenangriffe auf Ziele in dem Land beginnen, meldete der Sender NBC. «Das Thema Syrien erhöht die Nervosität an den Märkten», sagte ein Händler in Tokio.

Neue Kurskapriolen sind vorprogrammiert - und in dieser Woche bereits zu beobachten. Auf diversen Märkten werden neue Hochstände ebenso erreicht wie neue Rekordtiefs. Handelszeitung.ch zeigt die grössten Ausschläge.

Rohöl

Wegen der Verschärfung der Krise im Nahen Osten stieg der Preis für ein Fass Rohöl heute um über 2,6 Prozent auf gut 117 Dollar und lag damit so hoch wie zuletzt im Februar. Bei einer deutlichen Verschärfung der Krise im Nahen Osten halten die Analysten der französischen Bank Societe Generale einen Anstieg bis auf den Rekordwert von 150 Dollar für möglich.

«Wir glauben, dass in den nächsten Tagen der Preis für Nordseeöl um weitere fünf bis zehn Dollar auf 120 bis 125 Dollar je Barrel steigen kann - entweder in der Annahme eines bevorstehenden Angriffs oder in Reaktion auf Schlagzeilen, wonach der Angriff begonnen hat», sagte Analyst Michael Wittner. Sollte der Krieg sich auf Ölproduzenten wie den Irak ausweiten oder es zu Nachschub-Engpässen kommen, könnte der Preis demnach auf bis zu 150 Dollar schnellen. Über 120 Dollar hat Brent zuletzt im April 2012 notiert. Das Allzeithoch liegt bei 147,50 Dollar und stammt vom Juli 2008.

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Edelmetalle

Der offenbar bevorstehende Schlag gegen Syrien hat die Anleger zudem verstärkt in Gold und Silber fliehen lassen. Gold verteuerte sich um bis zu 1,2 Prozent auf über 1433 Dollar je Feinunze und notierte damit so hoch wie seit Mitte Mai nicht mehr. Silber folgte dem Goldpreis und kletterte um bis zu 2,5 Prozent auf ein Vier-Monats-Hoch von gut 25 Dollar.

Dabei hatte das gelbe Metall zuletzt wegen der Aussicht auf bald steigende Renditen in den USA ziemlich matt geglänzt. «Vielleicht werden wir demnächst ein umgedrehtes Handelsszenario sehen», sagte ein Händler. «Eines, bei dem Gold gefragt und zum Beispiel Aktien verschmäht werden.» Derzeit liegt der Preis für Gold etwa 15 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn, aber mehr als 20 Prozent über dem im Juni erreichten Drei-Jahres-Tief von 1181 Dollar.

Aktien

An den Aktienmärkten geht es spiegelbildlich bergab - Investoren flüchten aus den vermeintlich riskanteren Wertpapieren. Der SMI notierte kurz vor Handelsschluss um 1,4 Prozent tiefer bei 7774 Punkten. Schon am Vortag drückte der Syrien-Konflikt den Index um 1,7 Prozent. «Syrien ist schon das Hauptthema am Markt», sagte ein Händler. «Keiner weiss, wie sich ein Militärschlag auf die Region auswirkt.» Der deutsche Leitindex Dax lag am frühen Abend ebenfalls tief im roten Bereich. Immerhin startete die Wall-Street nach Verlusten von über einem Prozent am Vortag stabil in den Handel.

Vor allem in Fernost ging es nach den Einbussen der Vortage jedoch weiter bergab. So fiel der Tokioter Nikkei-Index auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten. Besonders die Börse Indonesiens war in Asien belastet, wo der Leitindex fast 3 Prozent an Wert verlor. Die Aussicht auf eine Verschärfung der Syrien-Krise drückte auch die nahöstlichen Börsen ins Minus: Zum Handelsauftakt fiel der Aktienindex in Dubai am MIttwoch um mehr als 5 Prozent.

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Währungen

Die Währungen asiatischer Schwellenländer müssen angesichts der Krise in Syrien erneut starke Verluste hinnehmen. Neben der Rupie gaben der philippinische Pesos, der thailändische Bath und der malaysische Ringgit spürbar nach. All diese Währungen liegen gegenwärtig auf mehrjährigen Tiefständen zum US-Dollar. Im Nachbarland Syriens, der Türkei, fiel die Landeswährung Lira auf ein Rekordtief zu Dollar und Euro.

Der Euro verlor am Mittwoch im Vergleich zum Dollar. Der Greenback profitiere von seinem Status als sicherer Hafen, sagten Händler mit Blick auf die Eskalation der Syrien-Krise. Am Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,33 US-Dollar. Am Morgen hatte sie noch knapp unter der Marke von 1,34 Dollar notiert.

(mit Material von Reuters und awp)