Die Anleger atmen durch. Auch wenn die Eigenmittelvorschriften und vor allem die Anforderungen an die Kernkapitalquoten im Bericht der Expertenkomission zur «Too big to fail»-Problematik optisch hoch ausgefallen sind - viele Investoren hatten mit viel mehr gerechnet. Jetzt genügen 10% «hartes» Aktienkapital, der Rest entfällt auf Pufferkapital. Auch wegen der Furcht vor höheren Eigenmittelanforderungen hatten sich die Aktien von Credit Suisse und UBS seit Mitte September schwächer entwickelt als die Papiere der europäischen Konkurrenz.

Trotzdem: Der neue «Swiss Finish» bleibt für die Aktionäre der Grossbanken nicht ohne Folgen. Mittelfristig wird sich die Finanzierung der Grossbanken verteuern, wenn sie auf die Pflichtwandelanleihen (Cocos) zurückgreifen müssen. Laut den Analysten von Morgan Stanley weiten sich die risikogewichteten Aktiven bei den beiden Schweizer Grossbanken viel stärker aus als bei den anderen europäischen Konkurrenten. Bei der UBS sind es 62%, bei der Credit Suisse 30%. Der Durchschnitt des Sektors liegt bei 22%. Weil auch das Eigenkapital neu berechnet wird, schmilzt der Vorsprung der Schweizer Grossbanken bei der Kapitalisierung auf branchenübliche 11,3% (UBS) bzw.8,6% (Credit Suisse). Die Analysten der Deutschen Bank erwarten für Institute wie die Credit Suisse, die Cocos emittieren dürfte, Coupons zwischen 8 und 9%. «Solche Cocos sind deshalb teuer», folgern die Analysten, «ausser man platziert sie direkt bei Kunden und Angestellten, dann könnten sie etwas günstiger sein.» Die «wahren» Kosten dürften dann zwischen dem bisherigen Hybridkapital und nachrangigen Obligationen liegen, wo bereits jetzt die Coupons deutlich höher als bei den «normalen» Anleihen sind.

Investment Banking unter Druck

Und dann ist da noch das Tagesgeschäft. Credit-Suisse-CEO Brady Dougan hat bereits Anfang Oktober niedrigere Handelsumsätze angekündigt. Das widerspiegelt sich auch in der niedrigen Bewertung. Für die Credit Suisse wird an der Börse das Siebenfache des für 2011 erwarteten Gewinns bezahlt, für die UBS das Achtfache. Und bereits jetzt ist absehbar, in welchen Bereichen das Investment Banking gut gelaufen ist: Die Umsätze im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie die Ausgabe von Aktien und Obligationen stiegen laut den Analysten von Goldman Sachs im 3. Quartal zwischen 18 und 24%. Stabil dürfte das Asset Management geblieben sein, während der Handel mit Aktien, Derivaten und Währungen zwischen 14 und 30% zurückgegangen sei, schätzen die Goldman-Analysten. Allerdings trifft dieser Rückgang die Banken unterschiedlich: Für Goldman Sachs, Credit Suisse und UBS erwarten die Analysten der Bank of America einen deutlichen Rückgang aufgrund der Auszählung der bekannt gewordenen M&A-Abschlüsse.

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UBS jetzt mit stärkerer Bilanz

In Zeiten schwächeren Umsatzwachstums bringen laut den Analysten von Nomura die Turnaround-Stories den Aktionären mehr Kursgewinnpotenzial. «Wir gehen davon aus, dass die UBS, die viel Geld durch das Einbehalten von Dividenden sammelt, die Schwäche eines operativ schwachen 3. Quartals kompensieren wird.» Für die Aktionäre wird damit der Gewinn pro Aktie zum mindestens so wichtigen Kriterium wie eine allenfalls symbolisch ausfallende Dividende. Der UBS-Businessplan weist für das Jahr 2012 einen Gewinn von 3 Fr. pro Aktie aus - der Analystenkonsens liegt aber bei lediglich 2.32 Fr. Gewinn pro Aktie. Immerhin dürfte das UBS-Private-Banking bis spätestens Ende Jahr eine Trendwende bei den Kundengeldern melden, erwarten die Nomura-Analysten. «Die UBS hat die stärkere Bilanz als die weiter Dividenden zahlende Credit Suisse», heisst es bei Nomura.

Zudem hoffen die Nomura-Analysten, dass die UBS eher toxische Papiere von der SNB kauft, als dass sie ihre Aktionäre mit Dividenden beglückt.

Gemischte Gefühle zu CS

Gemischt sind die Einschätzungen zur Credit Suisse. Die Analysten von RBS und Morgan Stanley bevorzugen jetzt die UBS. Grund sind die schwächere Kapitalisierung und das geringere positive Überraschungspotenzial der CS. Die Analysten von Natixis gehen aber davon aus, dass auch die Credit Suisse ihre Dividenden kürzt, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Aufgrund des zu erwartenden Drucks auf den Gewinn haben die Analysten das Kursziel der CS-Aktie um 4 Fr. auf 50 Fr. gesenkt. Sie bleiben aber bei ihrer Kaufempfehlung. Auch Vontobel-Analystin Teresa Nielsen bestätigte ihre Kaufempfehlung. Für das ganze Jahr reduziert sie allerdings ihre Gewinnerwartung von 4.94 auf 4.21 Fr. pro Aktie.