Meist wird in der kultigen Ratgeberkolumne «Dear Lucy» in der «Financial Times» über so brennende Themen wie geklaute Bürostühle, frisierte Spesen und die Chancen bei der neuen Assistentin debattiert. Da musste jener Fondsmanager auffallen, den der Schuh an einer ganz anderen Stelle drückte: Man starte guten Mutes, den Index zu schlagen. Schon nach wenigen Jahren müsse man aber einsehen, dass dies nicht möglich sei, so der Anlageprofi. Und plötzlich werde einem bewusst, wie sinnlos die eigene Existenz eigentlich sei.

Ob dem Vergleichsindex, der «Benchmark», kriegen aber nicht nur Fondsmanager den Blues. Sondern viel eher noch die Anleger: Wie Daten der Fondsanalysespezialisten von Feri EuroRating Services zeigen, schaffte es in den letzten fünf Jahren keine Fondsklasse, den Markt zu schlagen (siehe Tabelle). Was Wunder, wenden sich deshalb immer mehr Anleger den boomenden Exchange Traded Funds (ETF) zu, die den Markt zwar nie outperformen, dafür jedoch auch nicht schlechter laufen als der ihnen zugrunde liegende Index.

Innovation oder Schlaumeierei?

Aber nicht nur ETF liegen derzeit im Trend. Immer öfter findet sich bei der Lektüre neuer Fondsprospekte nämlich das neudeutsche Adjektiv «benchmarkfrei». Was nichts anderes bedeutet, als dass sich die Performance des Fonds eben nicht mehr an einem Referenzwert misst, sondern sich selber Referenz genug ist. Solche Produkte spielen meist auf Marktnischen oder bringen zusätzlich zu den normalen Wertschriftentransaktionen auch Derivate und Hedge-Strategien zum Einsatz. Vielfach ohne Benchmark bleiben auch die Vehikel, die einen «Absolute Return» anstreben. Das Ziel ist hier klar: Für den Anleger soll eine positive Rendite erreicht werden, ganz gleich, wie der Markt gerade steht. Ein löbliches Versprechen - oder doch eher eine Schlaumeierei der Fondsindustrie, die damit ihr unerbittlichstes Hindernis, die Benchmark, aus dem Weg räumt?

Anzeige

Markus Signer, Country Manager Schweiz bei Pictet Funds, sieht das so: «Bei den Absolute-Return-Fonds setzen wir uns zwar eine Benchmark, aber legen deren Höhe selber fest.» Also zum Beispiel: Geldmarktzins plus 4% Risikoprämie jährlich über eine Frist von mehreren Jahren. Dieses Vorgehen sei weit geeigneter als eine Benchmark, von denen der Fonds dann wegen Hebel- und Bargeldpositionen ständig abweiche. Trotzdem stelle Pictet bei all seinen Fonds einen Referenzindex weil Anleger das so wünschten. «Für innovative Produkte ist es oft schwierig, eine passende Benchmark zu finden», erklärt Signer.

Was die Fondsbranche nicht daran hindert, die Produkte zu pushen. Denn die neuen Anlagerichtlinien von Ucits III erlauben es nun, im grossen Stil Derivate einzusetzen und alternative mit herkömmlichen Anlageklassen zu mischen. «Benchmarkfreie Fonds kommen zusammen mit dem Absolute-Return-Gedanken immer mehr in Mode», schätzt Michael Partin, CEO der Fondsanalysefirma ifund services. Daran kann er nichts Verwerfliches finden, gibt aber zu, dass ihm die Emittenten damit das Leben schwer machen. «Für die Bewertung eines Fonds müssen wir jetzt einen ganzen Zyklus abwarten.» Denn der Lackmus-Test komme jeweils erst mit einer Baisse, sagt Partin.

Eigene Spielregeln beachten

Wenn sich schon die Spezialisten schwer tun, dann stehen Privatanleger erst recht am Haag. «Das Fehlen einer Benchmark macht es für Kunden ungleich schwieriger, die Management-Leistungen zu beurteilen», sagt Rolf Maurer, Partner beim unabhängigen Fondsanalysten Bevag Better Value.

Bei solchen Produkten gelte deshalb noch mehr als anderswo: Die Anleger sollten nur kaufen, was sie auch verstünden oder ihnen ihr Berater erklären könnten. Längerfristig sei darauf zu achten, dass der Fonds eine selbstgesetzte Benchmark auch konsequent beibehalte, so Maurer. Das ist nur konsequent: Wer selber aufgestellte Spielregeln bricht, wird kaum das Vertrauen der Kunden gewinnen können.