Seit Wochen befindet sich der Schweizer Aktienmarkt auf einem regelrechten Höhenflug. Allein in den traditionell eher trägen Börsenmonaten Juli und August hat der SMI mehr als 13% an Boden gutgemacht seit dem Jahrestiefstpunkt im März wurde gar ein beeindruckendes Plus von nahezu 50% verzeichnet.

Angesichts dieser starken Performance in wenigen Monaten erstaunt es kaum, dass sich zahlreiche Anleger über die Nachhaltigkeit der Erholung sorgen. Zumal aus China, einer wichtigen Triebfeder hinter der jüngsten Erholung, gegensätzliche Signale kommen.

Rally bis Ende Jahr erwartet

Denn während die Indizes in Europa und Amerika von einem Höchst zum nächsten kletterten, hat sich der SSE Shanghai Composite-Index bereits wieder um gut 33% von seinem Höchststand verabschiedet und ein Drei-Monats-Tief getestet. Begründet wird der Einbruch mit den Resultaten der chinesischen Unternehmen, welche die jüngsten Kursgewinne nicht rechtfertigen würden.

Rolf Bertschi, Leiter Technisches Research bei der Credit Suisse, kann der Korrektur in China aber auch Gutes abgewinnen. «Man darf nicht vergessen, dass sich die chinesischen Börsen dieses Jahr bereits verdreifacht haben. Nach der Korrektur, die durchaus im normalen Rahmen liegt, können die Aktienmärkte wieder neue Höchststände anvisieren», ist er überzeugt.

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Statt die jüngsten Kursrückgänge als Signal für eine weltweite Korrektur an den Aktienmärkten zu interpretieren, erhofft er sich aus Asien eher positive Impulse für eine bis Ende des Jahres anhaltende Rally. «Das Momentum an den Börsen ist gut. Sobald China wieder zulegen kann, dürften die übrigen Aktienmärkte dem asiatischen Vorbild folgen», erwartet Bertschi.

Trauma der Krise sitzt tief

Keinen Grund zur Sorge für die Anleger sieht auch Philipp Bärtschi, Chief Strategist der Bank Sarasin, wenngleich auch er das Risiko, welches von China ausgeht, nicht negiert. «Die Fundamentaldaten haben überrascht und werden weiterhin positiv überraschen. Dies haben der IFO-Index oder der Kof-Index gezeigt», begründet er. Von diesen Angaben erwartet er eine positive Rückkopplung: Wenn nämlich die Daten besser ausfallen als erwartet, würden die Ökonomen ihre Prognosen verbessern, was wiederum zu erhöhten Gewinnschätzungen bei den Unternehmen führen dürfte.

Hinzu kommt, dass nach wie vor viele Anleger abwartend an der Seitenlinie stehen, die bei einem günstigen Zeitpunkt an die Börse zurückkehren werden, was die Kurse zusätzlich antreiben wird. «Obwohl die Märkte seit März bereits gut gelaufen sind, braucht es heute weniger Mut, um wieder an den Aktienmärkten zu investieren», sagt Bärtschi.

Dass trotz dieser optimistischen Prognosen die Anleger zurückhaltend reagieren und schon bei geringen Korrekturen kalte Füsse bekommen, hängt mit dem durch die Finanzkrise im vergangenen Jahr verursachten Trauma zusammen. «Die Zurückhaltung ist vor allem auf psychologische Aspekte zurückzuführen. Die Anleger sind nach wie vor sehr pessimistisch eingestellt», erklärt Rolf Bertschi von der Credit Suisse.

Mehrere Absicherungsmethoden

Für Investoren, die in den vergangenen Monaten an der Rally partizipieren konnten, aber der nachhaltigen Erholung der Aktienmärkte nicht trauen, lohnt es sich daher, sich gegen allfällige Kursrückgänge abzusichern.

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Die einfachste Absicherungsmethode ist, bei einem Teil der Aktien die Gewinne ins Trockene zu bringen, um bei einem Kursrückgang auf einem tieferen Niveau wieder einzusteigen. «Dabei sind die extrem volatilen Titel zu bevorzugen und Papiere, deren Fundamentaldaten teuer erscheinen», rät Philipp Bärtschi von Sarasin. Da kann das sogenannte Top-Slicing hilfreich sein. Bei dieser Methode wird jener Teil einer Position verkauft, der das anfangs investierte Kapital um einen bestimmten Wert übersteigt. Wer also mit einem Vermögen von 1 Mio Fr. startet, schöpft dann die Gewinne über dem Startkapital ab, wenn es dank Kursgewinnen beispielsweise auf 1,1 Mio Fr. angestiegen ist. «Andererseits würde ich im SMI einen Stop bei 6090 Punkten setzen. Wenn dieser Wert durchbrochen ist, würde ich verkaufen», sagt Bertschi.

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Komplizierter sind Absicherungsstrategien mittels derivativen Instrumenten. Abhängig von der jeweiligen Prognose stehen den Investoren unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. «Erwartet der Anleger eine Seitwärtsbewegung, kann er mit dem Verkauf von Optionen auf die Aktienpositionen seinen Ertrag maximieren oder den allfälligen Verlust bei einem Rückschlag mindern», erklärt Bärtschi. Geht der Investor dagegen von einem grösseren Einbruch aus, so kann er sich über Futures absichern. «Dies wird aber schnell teuer, wenn man falsch liegt», warnt der Sarasin-Chefstratege.