Die Aussichten auf die bevorstehende Berichtssaison des 1. Quartals sind schwarz. Darüber, dass die Gewinne der meisten Schweizer Firmen rückläufig sein werden, besteht wenig Zweifel. «2008 haben vor allem Abschreiber im Finanzbereich die Gewinnaussichten düster aussehen lassen. Jetzt dagegen sollte sich der Konjunkturabschwung auf breiter Front in den Gewinnen der meisten Unternehmen bemerkbar machen», sagt Christian Gattiker, Head of Research bei der Bank Julius Bär. «Die Aussichten könnten jedoch schlimmer sein, denn die Basis vom Vorjahresquartal ist durch die Finanzabschreiber insgesamt nicht übermässig hoch», so Gattiker weiter.

Weil gemeinhin von einer schweren Rezession ausgegangen wird und die Erwartungen an die Unternehmensergebnisse tief sind, könnten sich jedoch negative Reaktionen auf Aktienkurse in Grenzen halten. So der Tenor der befragten Aktienstrategen.

«Viele Aktien reagieren nicht mehr auf negative News», erklärt Maximilian Münch, Leiter Aktien Schweiz bei der UBS. Es werde derzeit mehr Wert gelegt auf makroökonomische Daten, wie die vorlaufenden Indikatoren aus China und den USA. «Diese fallen jetzt nicht mehr und haben bereits leicht nach oben gedreht, wenn auch auf tiefem Niveau», so Münch weiter.

Druck auf Aktien beschränkt

Thomas Buri, Leiter Aktien Schweiz bei der Bank Vontobel, geht davon aus, dass viele der «bad news» bereits in den Preisen drin sind: «Somit denken wir, dass der Druck auf die Aktien beschränkt sein wird.» Dennoch müsse davon ausgegangen werden, dass unternehmensspezifisch nochmals mit Enttäuschungen zu rechnen ist. Aber auch Kursbewegungen nach oben seien möglich, wenn die tiefen Erwartungen der Anleger übertroffen werden: «Wie die vergangenen Tage gezeigt haben, können eine nur wenig abbauende Risikoaversion der Anleger und leicht bessere Konjunkturdaten schnell ein Kursrally auslösen», sagt Patrick Hasenböhler, Analyst bei der Bank Sarasin.

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Ganze Sektoren, welche noch positiv überraschen können, sind jedoch kaum auszumachen. Die Bank Sarasin kann gar keine Branchen nennen, die über den Erwartungen ausfallen werden. «2009 dürfte kaum ein Sektor die Gewinnerwartungen übertreffen, selbst wenn sich im optimistischen Fall gegen Ende Jahr eine Konjunkturerholung abzeichnen sollte», ist Hasenböhler überzeugt.

Reto Hess, Aktienanalyst der Credit Suisse, erwartet, dass in eher defensiven Sektoren wie Nahrungsmitteln oder Gesundheitswesen die Gewinnerwartungen teilweise zu stark zurückgenommen wurden. Demnach könnten Nestlé und Synthes positiv überraschen.

Zaghafte Hoffnung besteht offenbar auch bei den arg gebeutelten Banken: «Investmentbanken könnten einen höheren Gewinn vermelden als erwartet wird», so Hess. Auch Gattiker von Julius Bär kann sich positive Überraschungen bei einzelnen Finanzwerten vorstellen: «Insbesondere was das operative Geschäft angeht.»

Zurückhaltung bei Zyklikern

Vorsicht geboten ist laut der Mehrheit der Experten bei den zyklischen Werten. Hier seien die Gewinnerwartungen noch zu hoch, etwa im Bereich Baustoffe oder spätzyklische Industrieunternehmen, sagt der CS-Analyst. «Die meisten dieser Unternehmen haben in den letzten Jahren Rekordmargen erzielt, und wir glauben, dass der volle Effekt der viel tieferen Volumen noch nicht in den aktuellen Schätzungen enthalten ist», so die Erklärung.

 

 


Lichtblicke mehren sich im Verlauf von 2009

Das 2. Quartal sollte weniger Überraschungen bereithalten», prognostiziert Reto Hess von der CS. Im Verlaufe des Jahres erwartet er eine graduelle Verbesserung und eine Zunahme der Visibilität sowohl seitens der Unternehmungen als auch der Investoren. Das dürfte sich positiv auf die Aktienkurse auswirken. Sarasin-Analyst Patrick Hasenböhler erwartet weiterhin grosse Gewinnunsicherheiten bei den Firmenbewertungen. Es gäbe aber auch Grund zur Hoffnung: «Die Börse hat auf die Konjunkturentwicklung bekanntlich einen Vorlauf von mindestens einem halben Jahr.» So könne jetzt auch die bisherige Untergewichtung des Aktienanteils in den Portfolios reduziert werden. «Wir empfehlen, das Engagement in Aktien langsam und gestaffelt zu erhöhen», so Hasenböhler. Für Spekulationen oder grosse Risikofreude scheint die Zeit jedoch noch nicht reif.

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Das Gros der Analysten empfiehlt Firmen mit gesunden Bilanzen, nachhaltigen Cashflows und intakten Wachstumsaussichten. Laut dem CS-Analysten sind dies etwa Nestlé, Geberit, Syngenta und Synthes.