Trotz der Immobilienkrise in den USA wird sich das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union in diesem Jahr fortsetzen. Jedoch mit weniger Dynamik als zuletzt. Das prognostiziert die European Economic Advisory Group (EEAG) in ihrem jüngsten jährlichen Bericht von dieser Woche. Konkret sagen die Ökonomen ein Wachstum von 1,8% für den Euro-Raum voraus, für die EU-27 liegt die Prognose mit 2,1% etwas höher. Die leichte Abschwächung des Wirtschaftswachstums bedeutet jedoch keine Rezession, wie die EEAG betont, sondern lediglich eine Rückkehr zum langfristigen Wachstumspfad.

Harter Euro bremst Wirtschaft

Ein Hauptgrund hinter der konjunkturellen Abschwächung ist die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar und die Reduktion der US-Importe. Die Investitionsnachfrage in Europa wird sich abschwächen, jedoch setzt sich der positive Beschäftigungstrend fort. Der private Konsum bleibt angesichts der schleichenden Inflation und des moderaten Lohnwachstums auf demselben Niveau wie 2007. Die EEAG erwartet für das laufende Jahr Inflationsraten oberhalb der von der Europäischen Zentralbank anvisierten 2%-Marke, die erst im nächsten Jahr wieder erreicht wird.Im Hinblick auf die USA sagen die EEAG-Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 1,7% voraus. Neben einem höheren Wachstum beim Export verhindern das umfangreiche Konjunkturstimulierungsprogramm sowie die Zinssenkungen der US-Notenbank eine Rezession. Jedoch ist die Konjunkturprognose für die USA mit vielen Unsicherheiten behaftet. Insbesondere sind die Auswirkungen der sinkenden Immobilienpreise nur sehr schwer abschätzbar. Die asiatischen Volkswirtschaften haben sich gegenüber der Finanzkrise unempfindlich gezeigt und im letzten Jahr ihr hohes Wachstum fortgesetzt. Dies gilt insbesondere für den Bankensektor, der ein solides Kreditangebot sowie eine gesunde Diversifizierung zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor aufweist.

Binnennachfrage ist der Motor

Die sinkende Nachfrage aus den USA hat zwar zu einem Rückgang der Exporte geführt, die steigende Binnennachfrage erwies sich jedoch als wichtigster Wachstumsmotor. Nach Ansicht der EEAG wird die robuste Lage in Asien die weltweit drohende Abkühlung zumindest teilweise auffangen können.In Europa hat sich die Immobilienkrise bislang nicht in einem Rückgang des Kreditangebots sowie steigenden Zinsen für Nicht-Banken und private Haushalte niedergeschlagen. Aufgrund der soliden Wachstumsaussichten in anderen Teilen der Welt werden die negativen Auswirkungen der US-Immobilienkrise auf die Realwirtschaft geringer ausfallen als vielfach befürchtet.

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