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Durch Niedrigzins wird Steuern zahlen attraktiv

Angesichts der extremen Niedrigzinsen kann es sich lohnen, Steuern im Voraus zu zahlen. Die Steuerämter belohnen mit Vergütungszinsen über Marktniveau – und werden gewissermassen zur Bank.

Von Urs Zurlinden
am 25.03.2015

Die Botschaften sind unmissverständlich: «Profitieren Sie vom Vergütungszins!» ist auf der Website des Aargauer Steueramts zu lesen. Verbunden mit dem Aufruf: «Flexibel einzahlen!» Und der Nachbarkanton Luzern klärt Steuerpflichtige in einem Schreiben auf, man wolle «einen Anreiz schaffen, dass die Steuern möglichst früh bezahlt werden». In einem Beiblatt zur Steuererklärung versichert das Luzerner Finanzdepartement: «Alle Vorauszahlungen werden Ihnen zu einem attraktiven Zinssatz verzinst.»

Die Minizinsen, die derzeit üblich sind, veranlassen die Kantone, ihre Steuerpflichtigen zum vorzeitigen Bezahlen der Steuern zu motivieren. Doch das amtliche Buhlen um vorauseilende Steuerzahler entlarvt sich als Schalmeienklang mit äusserst bescheidener Orchestrierung.

Kleine Summen – und doch lohnt es sich

Nur 31 Franken und 80 Rappen werden jenem Aargauer gutgeschrieben, der seine voraussichtlich geschuldeten Steuern in Höhe von 11'000 Franken ab Februar bis spätestens Ende Oktober in drei Raten vorauszahlt. Der vom Kanton vergütete Zins beträgt bloss 0,5 Prozent – steuerfrei. Im Nachbarkanton Luzern liegt der «attraktive» Zinssatz noch tiefer – bei 0,3 Prozent.

Zum Vergleich: Der Kanton Uri – einer der finanzschwächsten Kantone der Schweiz – vergütet seinen Steuerzahlern einen dreimal höheren Zins, in Nidwalden ist der Vergütungszins fünf Mal höher als in Luzern, in Obwalden liegt der Zinssatz sogar bei 2 Prozent. «Wenigstens gibt es etwas», sagt Paul Furrer, stellvertretender Leiter der Luzerner Dienststelle Steuern: «Die Leute zahlen ihre Steuern gerne voraus. Das ist ein Trend, der seit einigen Jahren anhält.»

«Als Bank benutzt»

Im Kanton Luzern sind rund 240'000 natürliche und 21'500 juristische Personen steuerpflichtig. Im vergangenen Jahr hat der Kanton 6,39 Millionen Franken Vergütungszinsen ausbezahlt, weil Bürger ihre Steuern im Voraus bezahlt haben. Vergleichende Angaben früherer Jahre liegen wegen eines Systemwechsels bei der Erfassung nicht vor. Sobald die Vergütungszinsen über dem Marktniveau liegen, so Furrer, würden umgehend auch zu hohe Vorauszahlungen geleistet. Ob jemand missbräuchlich allzu viel bezahle, lasse sich «nicht vom Pult aus entscheiden». Und: «Wir werden wirklich etwas als Bank benutzt.»

Tatsächlich verleiten die tiefen Zinsen auf normalen Lohn- und Sparkonti die Steuerzahler, ihre voraussichtlich geschuldeten Steuern im Voraus zu begleichen. Bietet etwa die Luzerner Kantonalbank auf einem Privatkonto 0,005 Prozent und auf einem Sparkonto 0,125 Prozent, tönen die 0,3 Prozent des Luzerner Steueramtes verlockend. Nur: Noch im vergangenen Jahr zahlte der Kanton 0,5 Prozent, zehn Jahre zuvor waren es 2 Prozent, und bis 2002 -sogar 3,5 Prozent. Während die Luzerner Regierung die Zinsen für Vorauszahlungen laufend senkte und dem Markttrend anpasste, stiegen dafür die Verzugszinsen ab 2004 von 2 Prozent bis 2008 auf die heute noch geltenden 5 Prozent.

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