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E-Mobilität
E-Autos: Die Anleger-Alternativen zu Tesla

Neues SUV von Byton: Angriff auf Tesla.Quelle: Keystone

Produktionsverzögerungen und hohe Verluste: Trotzdem ist die Tesla-Aktie im Höhenflug. Wer auf E-Mobility setzen will, findet weniger riskante Alternativen.

Von Georg Pröbstl*
12.01.2018

Die Tesla-Aktie ist ein Phänomen – ein Phänomen mit unglaublich viel eingepreister Phantasie und Zukunft. Obwohl der Hersteller von E-Autos Tesla seit vielen Jahren nicht aus den roten Zahlen kommen will und jetzt schon wieder enttäuscht, hat sich der Kurs in den letzten fünf Jahren verzehnfacht und hält sich nicht weit unter seinem Allzeithoch.

Dabei hatte Tesla Anfang November einen rekordhohen Quartalsverlust für den Zeitraum Juli bis September in Höhe von 619 Millionen Dollar gemeldet und musste vor wenigen Tagen sein Ziel für den Einstieg in den Massenmarkt nach hinten schieben.

Einstieg in den Massenmarkt – die nächste Story der Verzögerung…

Wegen des hohen Preises annähernd im sechsstelligen Bereich für das Tesla-Flaggschiff, das E-Auto Tesla Model S, war dieses Fahrzeug bisher für hohe Verkaufszahlen weniger geeignet. Massentauglich soll dagegen das mit ab 35'000 Dollar erhältliche deutlich günstigere E-Fahrzeug Model 3 sein. Doch die ursprünglichen Produktionsziele werden bei dieser preisgünstigeren E-Version wie schon beim hochpreisigen Model S verfehlt.

Im gesamten vierten Quartal wurden erst 1550 Tesla Model 3 gefertigt und das Ziel von 5000 produzierten Stück des Typen pro Woche wurde nun schon zum zweiten Mal nach hinten verschoben. Mitte 2018 soll es dann aber endlich mit dieser Produktionszahl klappen.

… aber es gibt schon die nächsten grossen Pläne

Oder auch nicht. Denn Firmenchef und Gründer Elon Musk ist ein Hansdampf in allen Gassen und ganz sicher ein Showtalent: Der Manager arbeitet nicht nur an einer gigantischen Batteriefabrik für die E-Fahrzeuge, sondern stellte erst Mitte November einen Elektro-LKW vor sowie einen neuen Roadster. Obwohl noch nicht einmal die Produktion des Hoffnungsträgers Model 3 so richtig läuft, sollen die beiden neuen E-Typen in 2019 und 2020 auf den Markt kommen. Der Roadster soll übrigens schneller von 0-100 km/h beschleunigen als alles bisher serienmässig Dagewesene und rund 400 km/h schnell sein.

Wie lange die Batterie so etwas aushält, wird sich weisen, aber Musk will dann auch noch ganz gross in die Raumfahrt einsteigen und jetzt einen Roadster mit einer Rakete ins All und auf den Weg zum Mars schiessen. Damit aber immer noch nicht genug. Der Tesla-Chef hat auch Pläne für ein gigantisches Tunnelsystem unter Los Angeles. Damit sollen Autos über Aufzüge in den Untergrund gelangen um dort ohne Staus mit 200 Stundenkilometern durch Tunnelröhren transportiert zu werden.

Die Konkurrenz tritt aufs Gaspedal…

Nachdem Tesla bisher ein Verlustjahr an das nächste reiht und auch mit dem Massenmarkt nicht so recht vorankommt, ist auf der Ergebnisseite kein Land in Sicht. Für dieses Jahr geht der Konsens der US-Analysten von einem Verlust von 8.83 Dollar je Tesla-Aktie aus und auch in 2019 soll das Unternehmen noch mit 4.05 Dollar je Anteil tief in den roten Zahlen stecken. Denn rund 4 Dollar je Anteil entsprechen bei über 160 Millionen Tesla-Aktien einem Verlust von annähernd einer Milliarden Dollar. Ob Tesla da angesichts der zahllosen Projekte und Ideen seines Firmenchefs das E-Auto-Rennen machen wird?

Immerhin tritt die Konkurrenz jetzt zunehmend in Erscheinung. So will der deutsche Autobauer Daimler nun auch E-Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen und BMW möchte bis Ende 2019 noch etwa 300'000 E- und Hybridfahrzeuge verkaufen. Überhaupt hat beispielsweise der Autobauer aus München grosse E-Pläne.

…viele E-Modelle sind geplant

Bis 2025 wollen die Bayern zwölf reine Elektromodelle auf dem Markt haben und dazu noch 13 Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge. Und der grösste US-Autohersteller General Motors hat ähnlich umfangreiche Ambitionen. Bis 2023 will das Unternehmen aus Detroit 20 neue E-Modelle in der Pipeline haben.

Und anders als Tesla, die in 2017 wohl erstmals die 10-Milliarden-Dollar-Marke beim Umsatz knacken dürften und mit einem Kurs/Umsatz-Verhältnis von mehr als 5,0 bewertet sind, zahlen BMW, Daimler oder GM ihre E-Entwicklungen aus dem Gewinn.

Tesla-Aktie: Die Konkurrenten sind viel günstiger bewertet

Das Bewertungsniveau von Tesla wird beim Blick auf die Konkurrenz deutlich. Obwohl GM und Umsätze im Bereich von 150 Milliarden Dollar im Jahr schreibt – also weit mehr als das Zehnfache von Tesla – und dabei dicke Gewinne von etwa 9,0 Millionen Dollar einfährt, kostet GM mit etwas über 50 Milliarden Dollar auch nur so viel wie Tesla an der Börse. Und auf Euro-Basis sind die Umsatz- und Gewinnrelationen bei Daimler ähnlich wie bei GM und der Börsenwert ist im Vergleich dazu mit etwas mehr als 75 Milliarden Euro auch kaum höher.

Anleger, die nicht unbedingt allzu hohe Risiken eingehen aber dennoch beim kommenden E- oder auch Batterieboom mit von der Partie sein wollen, können sich zum Beispiel ein ETF auf die Sektoren Lithium und E-Mobility ins Depot legen. Das ETF (ISIN: US37954Y8553) enthält 28 Titel aus den Sektoren Lithium-Bergbau, Elektronik, und E-Autos und da ist für Fans der Marke beispielsweise auch eine Tesla drin. Der Mittelzufluss in das ETF ist enorm. In den letzten vier Monaten hat sich das Nettovermögen des Zertifikats schon mehr als verdreifacht. Nur die Kursentwicklung hinkt der von Tesla etwas hinterher. Während die Aktie des E-Auto-Pioniers in den letzten zwölf Monaten um rund 60 Prozent gestiegen ist, bringt das ETF «nur» ein Plus von etwa 40 Prozent.

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. 

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