Der Schweizer Franken gewinnt gegenüber dem Euro zunehmend an Wert. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Kampf gegen die Aufwertung vorerst aufgegeben. Das 750 Mrd Euro schwere Rettungspaket der EU für die Gemeinschaftswährung hat nur kurzfristig für etwas Entspannung gesorgt. Doch für John Taylor, Gründer von FX Concept, dem grössten auf Währungen spezialisierten Hedge-Fonds, könnte sich die Lage bald weit stärker dramatisieren. Nicht nur in Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien sei die Situation kritisch, auch in vielen anderen Staaten des Euro-Raums, etwa Lettland, sind die Zustände katastrophal. Der Euro sei langfristig kaum zu retten, bald müssten die sechzehn Euro-Staaten daher wieder eigene Währungen einführen. Er rät Investoren deshalb, sich vom Euro zu trennen und in Asien zu investieren.

Zuletzt stand die Frage im Raum, ob Griechenland mit einer eigenen Währung die schwierige Lage nicht besser meistern könnte. Griechenland müsste dafür die 2002 abgeschaffte Drachme wieder einführen, abwerten lassen und könnte so die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft steigern. «Wir bezweifeln, dass dies die gegenwärtige Problematik lösen könnte», so Ursina Kubli, Währungsexpertin der Bank Sarasin.

Eigene Währung kein Heilmittel

Denn die neue Währung wäre nur mit einer Umschuldung zu realisieren, da die Auslandschulden - welche in Euro ausgestellt sind - ansonsten explodieren würden. «Dies würde zu einem Vertrauensverlust führen und Griechenland müsste über Jahre hohe Zinsen bezahlen», so Kubli. Eine eigene Währung ist nicht immer von Vorteil. Das zeigt sich nicht nur in Island, sondern auch beim EU-Mitglied Ungarn. Das Land verfügt mit dem Forint über eine eigenständige Währung. Der Abwärtstrend des Forint während der Finanzkrise war so dramatisch, dass die ungarische Zentralbank die Zinsen anheben musste, während alle anderen Staaten eine Tiefzinspolitik verfolgten. Die Wirtschaft schrumpfte um über 6% und die Arbeitslosigkeit stieg stark an, bis sie sich auf dem derzeitigen Niveau von 11% einpendelte. Doch wo stünden nun die Zahlungsmittel der Wackelkandidaten, wären sie nicht ein Teil der Währungsunion? Der reale Wert der italienischen Lira, der griechischen Drachme, der spanischen Peseta oder des portugiesischen Escudo wäre seit der Einführung des Euro im Vergleich zur Deutschen Mark stark angestiegen. «Dies ist auf die höheren Inflationsraten in diesen Ländern zurückzuführen», so Kubli. Die Drachme wäre im Vergleich zur Mark nur 8% schwächer.

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«Ohne europäische Gemeinschaftswährung hätte vermutlich die Deutsche Mark - wie der Schweizer Franken - als sicherer Hafen fungiert», sagt Kubli. Hingegen hätten die Währungen der europäischen Peripherie in der Finanzkrise nachgelassen. Die Glaubwürdigkeit der griechischen Regierung hat durch die Schuldenwirtschaft und den ungewissen Sparkurs massiv gelitten. Es ist daher davon auszugehen, dass die Drachme stark an Wert eingebüsst hätte, da Investoren ihr nicht vertrauen.

Franken kann sich abschwächen

Der Franken ist also nicht so stark, weil er eigenständig ist, sondern weil die Schweiz so solide ist. Sollte es jedoch mit dem Rettungspaket gelingen, die Spekulationen einzudämmen, könnte sich der Euro mittelfristig stabilisieren. Die Experten der Bank Sarasin halten es für möglich, dass der Franken-Euro-Kurs bis zum Sommer wieder auf 1,45 ansteigt. Die UBS rechnet aber bereits im Herbst wieder mit einem Kurs von 1,40 Fr.