Bei den Schweizer Vermögensverwaltern laufen zurzeit die Drähte heiss. Hedge-Manager aus aller Welt, denen sie ihr Kapital anvertraut haben, vermelden die Performance im Januar. Und mit jedem Telefonanruf wird deutlicher: Gut war die Performance nur in den seltensten Fällen.

«Der Monat war extrem schwierig», sagt Erwin Brunner, der über seine Vermögensverwaltungsfirma Brunner Invest in Equity-Long-Short-Strategien investiert – also Hegde-Fonds, die auf steigende oder fallende Kurse an den Aktienmärkten wetten. «Die Bandbreite bei diesem Anlagestil liegt branchenweit zwischen 6% Gewinn und 12% Verlust», so Brunner.

Derweilen notiert der Global Hedge Fund Index HFRX für den Januar 2,2% tiefer: Der grösste Monatsverlust seit mehr als zehn Jahren. Bei 3A Alternative Investments, der Hedge-Investment-Division der Privatbank Syz, sagt Senior-Hedge-Analyst Alexandre Rampa: «Nur einer von zehn Hedge-Managern hat im Januar Geld verdient.»

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Zu spät zum Ausweichen

Was den Anlegern wenig Freude bereiten dürfte. Denn das Versprechen der Hedge-Fonds lautet ja gerade: Positive Renditen auch in fallenden Märkten. Warum konnten sich also die meisten Vehikel dem Kurssturz an den Aktienbörsen nicht entziehen?

Zu guten Teilen deshalb, weil die meisten – die Schätzungen gehen bis zu 60% – in Aktien investiert sind. Zusätzlich brachten die letzten Wochen noch einige besondere Schwierigkeiten. Der Long-Short-Strategie zufolge werden profitable Aktien übergewichtet, während Underperformer leer verkauft werden. Im Januar aber korrigierten die bisherigen Börsenüberflieger noch stärker als die «Kellerkinder» – eine Anomalie, die den Anlageplan auf den Kopf stellte.

Erschwerend kam hinzu, dass die Korrektur praktisch alle Märkte erfasste. Das verunmöglichte es den Hedge-Managern, wie gewohnt Lücken und Ineffizienzen auszunutzen. Und führte dazu, dass die für den Handel wichtige Marktliquidität zusammenbrach. Für Ausweichmanöver war es damit zu spät. In der Folge mussten insbesondere Longs-Short-Fonds Verluste verschmerzen. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden die bis dato erfolgreichen Event-Driven-Vehikel. Diese wetten auf Kursveränderungen bei Firmen, die etwa als Übernahmeziele gelten. Besser abgeschnitten haben einzig die sogenannten Multi-Strategy-Fonds, die verschiedene Anlagestile gleichzeitig anwenden, sowie jene Hedge-Manager, die auf Agrarrohstoffe spekulierten.

Ein Entscheidungsjahr?

Die Industrie hat deshalb alle Hände voll zu tun, um die Scharte vom Januar wieder auszuwetzen – insbesondere, nachdem 2008 von mancher Stelle schon vollmundig zum «Entscheidungsjahr» für Hedge-Investments erkoren wurde. Einfach wird dies nicht. «Wenn die Märkte abrupt drehen, brauchen die Hedge-Fonds drei Monate, bevor sie deutlich im Plus liegen», sagt Brunner von Brunner Invest. Nach den Anlaufschwierigkeiten erwartet er aber eine gute Entwicklung. «Wir dürften nun das Tief mit 90%iger Sicherheit erreicht haben.»

Ob diese Prophezeiung in Erfüllung geht, muss sich weisen. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass Hedge-Vehikel auch in schwierigen Zeiten Geld verdienen. So haben gerade Multi-Strategy-Produkte dem Börsenwinter nach der Jahrtausendwende getrotzt. Und 2007 haben die Profi-Spekulanten den kriselnden Markt hinter sich gelassen (siehe Grafik).

Profiteure der Finanzkrise

Für die kommenden Monate ist nun – ähnlich wie letztes Jahr – reichlich Volatilität zu erwarten. Das dürfte vorab jenen Manager zugute kommen, die in Aktienpapiere investieren. Sie können auf der einen Seite von schon fast spottbilligen Bewertungen profitieren. Anderseits gibt es auch genügend Abwärtswetten für Leerverkäufe. Ebenfalls auf der Gewinnerseite dürften Event-Driven-Strategien sowie Macro-Funds stehen, welche breit in Wirtschaftstrends anlegen. Multistrategie-Fonds dürften 2008 ihrerseits eine Rendite von 8 bis 10% einfahren, schätzt Rampa von 3A Alternative Investments.

Schwieriger präsentiert sich die Lage auf der Kreditseite. Denn die Kreditkrise ist noch nicht ausgestanden und könnte sogar noch weitere Kreise ziehen. «Wir rechnen mit weiteren Ausfällen und Abschreibern», sagt Rampa von 3A Alternative Investments. Die Folge: Banken halten sich mit Krediten zurück, niemand traut niemandem mehr. Im Verbund mit einer sich abschwächenden Wirtschaftslage dürfte dies eine Reihe von bereits verschuldeten Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. Deshalb bringen sich die ersten Hedge-Manager bereits in Position, um Notsituationen auszunützen. Auszahlen wird sich das aber erst im nächsten Jahr.