EFG International ist erst spät in der Krise auf die Bremse getreten. Wie wirkt sich dies jetzt auf Ihr Geschäft aus?

Lonnie Howell: Wir haben ein Kostensparprogramm eingeleitet und keine neuen Akquisitionen gemacht. Und wir sind dabei, Kapital aufzustocken, weil der Markt und die Aufsichtsbehörden dies verlangen.

Wie viel Kapital fehlt?

Howell: Uns fehlt kein Kapital. Wir haben eine Kapitalquote von über 12%, das sollte reichen.

Sie haben keine Vorgabe von der Finma?

Howell: Nein, aber die Finma legt Wert auf ein vorausschauendes Kapitalmanagement. Das ist ganz in unserem Sinn, deshalb behalten wir überschüssige Mittel für zukünftiges Wachstum zurück.

EFG hatte vor einigen Monaten eine Kapitalerhöhung in Aussicht gestellt, falls sich eine grosse Übernahme anbietet

Howell: An diesem Tag ist unser Aktienkurs um 30% eingebrochen.

Sie würden eher bei Ihrem Hauptaktionär, der Familie Latsis, anklopfen?

Howell: Die Gruppe hat sicher die Kapazität. Wir könnten es mit ihnen besprechen, wenn wir eine Kaufmöglichkeit sähen.

Sehen Sie eine Möglichkeit?

Howell: Sag niemals nie. Wir haben aber nichts Konkretes im Visier, und wir haben auch nicht mit der Latsis-Familie über eine Kapitalinfusion gesprochen. Bei diesem tiefen Aktienkurs ist es auch schwer vorstellbar, die existierenden Kapitaleigner zu verwässern.

Verpassen Sie jetzt gute Gelegenheiten für Übernahmen?

Howell: Nein, die kürzlich in der Branche erfolgten Transaktionen wie Dresdner Bank (Schweiz) oder Commerzbank (Schweiz) sind relativ klein. Zudem stellt sich die Frage, wie viel man fürs Crossborder-Geschäft ausgeben will. Wir haben relativ wenig Crossborder-Geschäft im OECD-Bereich. Das macht für uns das Leben etwas einfacher. Wir wollen unser Geschäft organisch ausbauen, um es wieder auf das Niveau zu bringen, das es vor eineinhalb Jahren hatte.

Die Finanzmärkte sind freundlicher geworden. Treiben Sie das Wachstum jetzt stärker voran als Mitte Jahr geplant?

Howell: Mitte Jahr gaben wir Reduktionen bekannt und kündigten an, neue Kundenberater weiter nur selektiv zu rekrutieren. Jetzt scheint die Talsohle erreicht und es zieht langsam wieder an. Wir stellen netto schon wieder neue Kundenberater ein. Per Ende des 1. Semesters waren 675 Kundenberater bei uns beschäftigt. Ende 2009 werden es wohl eher etwas weniger sein.

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Sind schon alle Kundenberater profitabel?

Howell: Im Moment sind alle mindestens breakeven, die schon mehr als ein Jahr dabei sind. Wir erwarten, dass Ende Jahr rund 95% der Kundenberater profitabel sein werden.

Im Rahmen des Kostensparprogramms wurden die Anforderungen an die Kundenberater erhöht. Wo setzen Sie sonst an?

Howell: Wir sind etwas schneller bei der Reduktion der Saläre und sparen bei der Infrastruktur. Wir schliessen etwa vier Niederlassungen und verkleinern zwei oder drei Büros. Welche betroffen sind, werden wir in ein paar Monaten bekannt geben.

Das Programm sollte im 2. Halbjahr Wirkung zeigen. Wie viel wurde eingespart?

Howell: Rund 25 Mio Fr. Damit liegen wir in unseren Vorgaben. Wir wollen jährlich rund 40 Mio Fr. sparen.

Ist EFG International auf Kurs, auch die anderen Ziele für 2009 zu erreichen?

Howell: Ja, eine Bruttomarge von 110 Basispunkten sollte machbar sein. Sie kann aber auch vorübergehend sinken, wenn die Zahl der Neugelder schneller wächst.

Ist dies momentan der Fall?

Howell: Die Pipeline sieht sehr vielversprechend aus. Wenn sich das erfüllt, kann die Marge kurzfristig sinken.

Sieht es vielversprechender aus als im 1. Halbjahr?

Howell: Auf jeden Fall. Das 1. Halbjahr war zum Vergessen, vor allem die ersten vier Monate. Im Mai und Juni hat es aber wieder angezogen. Wir hatten je 1 bis 2 Mrd Fr. Neugelder in diesen zwei Monaten. Die Indikationen im 2. Halbjahr sind weiterhin positiv. Und in der Regel sind November und Dezember die aktivsten Monate. Es sieht also im Grossen und Ganzen besser aus, punkto Neugelder und von der Geschäftsentwicklung her überhaupt.

Das heisst?

Howell: Wir sind auf dem Weg, wieder an das organische Wachstum von 20 bis 30% anzuknüpfen, das wir vor 2008 erzielt haben. Damals hat ein Kundenberater pro Jahr ein Wachstum von 30 bis 40 Mio Fr. generiert. Zwischen September 2008 und Mai 2009 gab es kein Wachstum mehr, das Geschäft ist geschrumpft. Jetzt sehe ich keinen Grund, warum wir nicht wieder 30 bis 40 Mio Fr. erreichen sollten. Bis Jahresende wird dies nicht mehr der Fall sein, es könnte aber im nächsten Jahr so weit sein.

In der Vergangenheit hat EFG den Anlegern zu viel versprochen. Wie wollen Sie jetzt das Vertrauen zurück gewinnen?

Howell: Vertrauen wächst nicht proportional zur Anzahl Worte, sondern ist primär abhängig von der Performance. Unsere Performance war über viele Jahre recht hoch, deshalb war die Enttäuschung umso grösser. Es war ein schwerer Sturm. Jetzt müssen wir uns tagtäglich an die Arbeit setzen und unsere Ziele verwirklichen.

Sind Sie immer noch froh, dass Sie EFG International an die Börse gebracht haben?

Howell: Nicht jeden Tag (lacht). Wenn die Aktie Tag für Tag 10% einbüsst, dann fragt man sich, um Gottes Willen, was hat man sich angetan. Aber mit dem IPO konnten wir die Bekanntheit und die Glaubwürdigkeit steigern. Der Börsengang hat uns auch ermöglicht, Akquisitionen zu tätigen.

Jetzt könnten Sie sich zurückziehen...

Howell: Ein Going Private wäre vorstell-bar. Wenn keiner die Aktien mag, ist eine Privatisierung sinnvoll. Ein solcher Schritt bringt den Anlegern aber Nachteile, die mit uns durch schlechte Zeiten gegangen sind und bei einem tiefen Preis verkau- fen müssten. Unsere Mitarbeiter etwa halten 25% an der Bank. Sie dürften dann nicht mitmachen, wenn es wieder besser läuft.

Diskutieren Sie diese Frage im Moment?

Howell: Natürlich haben wir uns ein Going Private überlegt. Das war im letzten Winter, als der Aktienkurs bei 6 Fr. lag. Man kann so etwas aber nicht von heute auf morgen bewerkstelligen. Bis wir so weit gewesen wären, war alles schon wieder auf besserem Weg, und wir haben den Gedanken fallen lassen. Jetzt schauen wir vorwärts. Wir bleiben am Markt.

Und wenn der Kurs wieder einbricht

Howell: Dann müsste man die Sache neu anschauen. Wir sind aber an die Börse gegangen, weil wir meinen, dass das langfristig richtig ist.

Anstelle eines Rückzugs von der Börse haben Sie bei Tiefstkursen eigene Aktien zurückgekauft. Was machen Sie damit?

Howell: Vorerst behalten wir sie. Dann gibt es drei Möglichkeiten: Wir geben über die Zeit Optionen aus, wir verkaufen das Paket am Markt oder wir arbeiten mit einem strategischen Investor zusammen.

Was für ein strategischer Investor?

Howell: Ein Investor, der uns Kundengelder und Sektoren öffnet, die für uns momentan schwer anzugehen sind. Es wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, mit chinesischen Banken zu sprechen. Es laufen momentan aber keine Gespräche.

Sie wollten Ihren Anteil nicht aufstocken?

Howell: Ich selber habe nicht zugekauft. Ich hätte es gerne getan, aber ich habe keine baren Mittel gehabt, da mein Vermögen bereits in EFG-Aktien investiert war. Seit Jahren bezahle ich mehr Steuern, als ich Bareinkommen habe. Aufgrund der Entschädigung in Optionen ist mein Exposure in EFG seit dem IPO noch gestiegen.

Wollen Sie lieber bald Kasse machen?

Howell: Wenn man als CEO Aktien verkauft, ist es ein negatives Signal. Auch ist es als Insider schwierig, einen möglichen Zeitpunkt zu finden. Zudem ist der Preis momentan recht tief.