Die Subprime-Krise war für die meisten an der Wall Street eine Katastrophe. Für die Goldman Sachs Group brachte sie dank einer kleinen Gruppe von Händlern den grössten Gewinn, den die Wertpapierbranche seit Jahren gesehen hat. Der Jahresnettogewinn für das Geschäftsjahr, das am 30. November 2007 endete, stieg auf die Rekordsumme von 11,6 Mrd Dollar. Allein die Wette darauf, dass Papiere, die mit riskanten Hypotheken besichert sind, im Wert fallen würden, erbrachte laut Insidern einen Gewinn von fast 4 Mrd Dollar. Damit wurden die Subprime-Verluste von geschätzten 1,5 bis 2 Mrd Dollar, die in anderen Goldman-Abteilungen angehäuft wurden, mehr als kompensiert.

Der Erfolg kommt aus einer obskuren Ecke der Hypothekenabteilung des Konzerns, einer Gruppe, die mit strukturierten Produkten handelt und etwa 16 Personen umfasst. Zwei von ihnen, Michael Swenson und Josh Birnbaum, brachten Goldman dazu, darauf zu wetten, dass der Subprime-Markt in Schwierigkeiten gerät. Rückendeckung – auch bei der Frage, wie viel riskiert werden sollte – erhielten sie von ihrem Chef Dan Sparks.

Aufgabe der Handelsgruppe für strukturierte Produkte ist es eigentlich, Nachfrage hervorzurufen für Goldman-Klienten, die unterschiedliche Finanzinstrumente handeln, die mit hypothekenbesicherten Papieren in Verbindung stehen. Das heisst, die Gruppe wickelt die Orders der Kunden ab, springt aber auch ein, falls sich kein anderer Käufer oder Verkäufer findet. Die Gruppe hat aber auch noch eine andere Aufgabe: Wenn sie eine Chance sieht, kann sie Goldmans eigenes Geld einsetzen, um Gewinn zu machen.

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Ende 2005 schlugen Swenson und Birnbaum Sparks vor, auf den ersten ABX-Index, der im Januar 2006 veröffentlicht werden sollte, zu handeln. Da Papiere, die mit Subprime-Hypotheken besichert sind, nur privat und eher selten gehandelt werden, ist ihr Wert schwer zu bestimmen. Die Familie der ABX-Indizes wurde konstruiert, um ihren Wert anhand von sogenannten Credit-Default Swaps (CDS), Kreditderivaten zum Handel von Ausfallrisiken von Krediten, abzubilden.

Swenson und Sparks behielten Recht. Am ersten Handelstag des Index machte Goldman Handelsgewinne von 1 Mio Dollar. Im Dezember 2006 soll David Viniar, CFO von Goldman, der Gruppe vorgeschlagen haben, eine kritischere Haltung gegenüber dem Subprime-Markt einzunehmen. Swenson und seine Händler begannen, bei bestimmten Teilen des ABX short zu gehen oder dagegen zu wetten, indem sie CDS kauften. Da das Handelsvolumen nach wie vor gering war, dauerte es Monate, bis die Gruppe genügend Swaps hatte, um Goldmans eigenes Engagement auf dem Subprime-Markt abzusichern. Im Februar 2007 war es dann so weit. Und das Timing war nahezu perfekt.