Die Erstnotiz von Complete-e am 25. Oktober 1999 lag bei 180 Fr. Danach ging es trotz einiger Fragezeichen um den Kotierungsprospekt steil aufwärts bis 456 Fr. Im März 2000 platzte dann an der New Yorker Börse Nasdaq das, was wir heute die Dotcom-Blase nennen. Und kurze Zeit später war auch in der Schweiz die Aktie Complet-e nur noch einige Rappen wert.

Kaum Überlebende

Complet-e, Miracle, Fantastic oder Think Tools standen vor zehn Jahren für die neuen Dotcom-Wachstumswerte. Für sie hatte die Schweizer Börse SWX (heute SIX) damals eigens ein neues «New Market»-Segment geschaffen. Dabei dominierten aber nicht die Internetwerte. BioMarin machte den Auftakt, weitere Life-Science-Titel wie Actelion, Jomed, Modex, Oridion oder SHL Telemedicine folgten sowie mit Swissfirst eine Finanzboutique. Allerdings warf noch im selben Jahr mit Miracle eine Softwarefirma zuerst das Handtuch. Und nach drei Jahren schloss die SWX das neue Marktsegment bereits wieder. Die Aktionäre der Med- und Biotechfirmen sahen zwar oft auch spektakuläre Kurskapriolen, aber sie profitierten meistens von anschliessenden Konsolidierungen. Und Actelion entwickelte sich gar erfolgreich zum Blue Chip.

Zurück geblieben sind im Anlegergedächtnis die spektakulären Pleiten von Technologiefirmen. «Die Blase war eine Folge des NewEconomy-Paradigmas, welches besagte, dass das Internet die damals bekannte Art Geschäfte zu tätigen vollkommen revolutionieren und gänzliche neue Geschäftsmodelle ermöglichen würde», sagt Panagiotis Spiliopoulos, damals ein aufstrebender junger Technologie-Analyst und heute Leiter Research bei der Bank Vontobel in Zürich.

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In der Schweiz haben zwei Softwarehäuser überlebt und arbeiten nach Restrukturierungen erfolgreich: Day stieg nach jahrelanger Durststrecke in den letzten zwölf Monaten um 500%, Crealogix um knapp 20%. «Viele Firmen bauten damals auf ein Versprechen auf die Zukunft ohne nachhaltiges Geschäftsmodell dahinter», erinnert sich Erik Hansen, CEO von Day, «wir hatten uns von Anfang an auf Firmensoftware konzentriert, die einen Mehrwert für die Kunden brachte und auf einem erprobten Geschäftsmodell aufbaut.»

Modelle mit Zukunft

Auch Crealogix war ein Unternehmen, das schon während der Dotcom-Zeit Gewinne schrieb. «Dies wurde uns von den Analysten und teilweise auch von den Journalisten angekreidet», erinnert sich Bruno Richle, CEO von Crealogix. Die Geschäftsmodelle beider Firmen basieren auf dem konventionellen Software-Lizenzmodell, bei dem Kunden zu Vertragsbeginn Lizenzen kaufen und anschliessend regelmässige Gebühren für Updates und Wartungsarbeiten entrichten. Auf diesem Modell beruhen auch die grossen Firmensoftwarehäuser wie SAP und Oracle.

Revolutionäre habens schwer

«Es dauerte bis 2005, bis Investoren das Vertrauen in Technologiewerte wieder fanden» sagt Spiliopoulos. Und seither werden Geschäftsmodelle, die «Revolutionäres» versprechen, von Investorenseite besonders kritisch beurteilt. Auch haben sich exotische Bewertungskriterien wie Preis-per-click oder Preis-per-unique-user als unbrauchbar erwiesen Anleger kommen heute nicht um traditionellen Bewertungsmassstäbe herum.

«Nur dort, wo genügend freie Mittel zur Verfügung stehen, ist ein Unternehmen auch in der Lage, seine Strategien und Taktiken den heutzutage immer schneller wechselnden Marktverhältnissen anzupassen», sagt Richle von Crealogix. «Grundsätzlich bin ich nach wie vor der Meinung, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis sowie eine stabile Bilanz gute Indizes für die Beurteilung liefern.» Crealogix wie Day notieren heute immer noch weit unter den Ständen von 2000. Ihre Aktionäre sind aber zumindest um eine Erfahrung reicher.

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