Das sind ganz neue Töne: Die Aktie des Verschlüsselungsspezialisten Kudelski sonst nicht gerade als Überflieger bekannt hat in den ersten Monaten 2009 den breiten Markt um Längen geschlagen. So legten die Valoren seit Januar um 60% zu, der Swiss Performance Index gewann in derselben Zeit 2%.

Ein krisensicherer Luxus

«Die Kudelski-Aktie hat sich in den letzten drei Monaten analog zum Gesamtmarkt erholt», dämpft Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos die Euphorie. «Zudem profitiert der Wert weiter von einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs.» Und weil der Austausch der Karten beim wichtigen Kunden Echostar nun abgeschlossen ist, werde es im 1. Halbjahr noch einmal rote Zahlen geben (Ergebnis wird Ende August publiziert). Trotzdem spricht derzeit noch einiges für die Kudelski-Aktie.

So gilt der Fernsehkonsum gerade in Krisenzeiten als billiges und erschwingliches Vergnügen. Als Luxus, den man sich auch dann gönnt, gelten die Bezahlfernsehkanäle, deren Zugriff über die Smartcard-Technologie von Kudelski geregelt wird. Beim grossen deutschen Kunden Premiere sind zudem die Smartcards nach einem Hackervorfall im vergangenen Jahr ausgetauscht worden. Und die schwebende Übernahme für die restlichen Anteile an der US-Firma OpenTV, an der Kudelski bereits 27% hält, scheint für Kudelski nicht teurer als geplant zu werden. Kudelski bietet 1.35 Dollar pro Aktie bzw. 127 Mio Dollar für die Firma, die Verkäufer möchten aber 2 bis 2.50 Dollar pro Aktie sehen. Die Analysten von Vontobel halten 1.65 Dollar für einen fairen Preis. Wenn diese Transaktion abgeschlossen ist, würde sich die Anlage innert weniger als dreier Jahre amortisieren, so Kudelski.

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Ebenfalls im nächsten Jahr soll die Umstellung vom Kauf- zum Mietmodell abgeschlossen sein. Damit steigen auch die Margen und der Gewinn und das rechtfertige höhere Kurse. «Das Mietmodell bringt gegenüber dem traditionellen Verkaufsmodell, das in der Vergangenheit immer wieder durch hohe Schwankungen gekennzeichnet war, eine bessere Visibilität über zukünftige Einnahmen- und Gewinnströme», sagt Goldman-Sachs-Analyst Simon Schafer.

Eine Wette gegen die Hacker

Der Wechsel hatte indes im letzten Jahr die Margen auf 2,3% (von 25,5% im Jahr 2007) gedrückt. Schafer erwartet für das kommende Jahr eine Vervielfachung des Reingewinns auf 94 Mio Fr., nach 19 Mio in diesem Jahr. Pro Aktie entspricht das einem Schub von 37 Rp. auf 1.80 Fr. Gewinn. Und dadurch steigt auch das Kurs- Gewinn-Verhältnis von 10 auf 18.

«Fundamental habe sich wenig geändert», sagt Vontobel-Analyst Spiliopoulos. Der Aktienmarkt sieht bei Kudelski auch die Risiken: Hackerattacken auf die jetzt abgegebene 3. Generation von Smartcards könnten für Kudelski kostspielig werden, weil das Unternehmen selber und nicht mehr die Netzbetreiber im Mietmodell das Risiko trägt. «Solche Sicherheitslöcher könnten auch das Vertrauen der Kunden in die Kudelski-Technologie untergraben und die Vorteile des Mietmodells unterminieren», warnt Schafer. Die Kudelski-Aktie ist deshalb auch immer eine Wette, dass die Hackerattacken erfolglos bleiben.