Einige Investmentunternehmen, die beim schnellen Handel mit Wertpapieren auf computergestützte Systeme setzen, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorsprung über einen bevorzugten Zugang zu Marktdaten. Der Vorsprung entsteht dadurch, dass die Unternehmen Daten von Börsenbetreibern kaufen und damit ihre Supercomputer füttern.

Einige Händler zahlen nach Aussagen von Brancheninsidern und Börsenbetreibern Zehntausende Dollar pro Jahr, um bevorzugten Zugang zu den Preisdaten der Börsen zu erhalten. Computersysteme berechnen aus den gekauften Daten dann die landesweit besten Angebots- und Nachfragedaten, die für Kaufentscheidungen der Händler relevant sind - und zwar einen Bruchteil einer Sekunde, bevor andere Marktteilnehmer die Daten sehen können, so eine Studie von Jefferies & Co. Die Hochfrequenzhändler können so zukünftige Preise vorhersagen und auf deren Grundlage ihre Handelsorders anpassen. Daraus entstehen pro Handel einige Pennys Gewinn, die bei Tausenden von Transaktionen zu hohen Profiten führen.

Verfahren ist umstritten

«Das ist ein abgekartetes Spiel», sagt Sal Arnuk, Mitbegründer des Börsenbrokers Themis Trading, während einer von der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) in Washington veranstalteten Diskussion. Mit Bezug auf die Latenzzeit, also die Zeitverzögerung, mit der andere Marktteilnehmer die Börsendaten sehen und einpreisen können, wird das Vorgehen von einigen Experten inzwischen als Latency Arbitrage bezeichnet. Das Verfahren ist legal, wirft aber für Kritiker die Frage auf, ob der computergestützte Hochfrequenzhandel fair ist.

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Seit dem Blitz-Crash vom 6. Mai, als einige Hochfrequenzhändler einen Kurssturz verursachten, widmet die SEC dem Hochgeschwindigkeitshandel erhöhte Aufmerksamkeit. Die US-Börsenaufsicht untersucht derzeit die Praktiken des Hochfrequenzhandels und das Wachstum der sogenannten Dark Pools, in denen Handelsaktivitäten abseits der grossen Börsen abgewickelt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass der Hochfrequenzhandel mittlerweile zwei Drittel des Handelsvolumens an den US-Börsen ausmacht. Die meisten Dark-Pool-Betreiber sagen, sie gehen gegen unsaubere Handelsaktivitäten vor. Der Dark-Pool-Betreiber Liquidnet hat 2009 beispielsweise 125 Händler ausgeschlossen.

Preisbewegungen vor dem Deal

Einige Investoren versuchen sich bereits, vor den Hochfrequenzhändlern zu schützen. Rich Gates, Mitgründer von TFS Capital, begann, sich mit der Abwehr zu beschäftigen, als er Anfang 2009 feststellte, dass eine Wall-Street-Bank sich an seine Aktivitäten heftete und High-Speed- Arbitrage mit seinen Trades machte.

In Hunderten von Tests fand TFS heraus, dass bei einigen seiner Handelsaktivitäten von Dritten systematisch auf den zeitlichen Vorsprung gesetzt wurde - zu seinen Lasten. Gates legte einen Köder aus und konnte beweisen, dass einige Händler offenbar Preisbewegungen seiner Deals kannten, bevor der Handel stattfand. Im März platzierte ein TFS-Händler über einen Broker die Order für Nordson-Aktien bei einem Dark Pool.

Der Broker sollte nicht mehr als exakt den mittleren Preis zwischen aktuellem Angebot und Nachfrage bezahlen. In der Sekunde der Orderabgabe lag dieser bei 70.49 Dollar. Für einige Sekunden änderte sich der Marktpreis nicht. Dann sorgte der TFS-Händler selbst für eine Senkung des Preises, indem er für die Aktie eine Verkaufsorder in den Markt gab, die den mittleren Preis auf 70.47 Dollar drückte. Unverzüglich bekam der Händler die Nordson-Aktie für 70.49 Dollar verkauft. Bruchteile von Sekunden, bevor der neue niedrigere mittlere Marktpreis sichtbar wurde. TFS-Gründer Gates findet solche Handelsbewegungen «ungewöhnlich verdächtig».