Die Uhrenexportzahlen sanken im Mai im Vergleich zum Vorjahr um nominal 27,6% auf 1,1 Mrd Fr. Damit hat sich der Umsatzrückgang seit April sogar minimal gesteigert. Am deutlichsten fiel die Einbusse bei Armbanduhren von mehr als 3000 Fr. mit 30% aus. In den ersten fünf Monaten erlebten die Uhrenhersteller einen Markteinbruch um 25% auf 5 Mrd Fr. Die Aktien von Swatch und Richemont reagierten darauf bereits am Vortag mit Abgaben.

Dabei fanden sich die Titel der Luxushäuser kurz zuvor noch auf den Kauflisten. Am Hexensabbat vom 19. Juni ging Swatch gar als Tagessieger aus dem Handel. Die Aktie schloss 5,4% höher. Richemont avancierte gleichentags um 2,2%. Grund für die steigenden Kurse war Konjunkturoptimismus sowie eine Rating-Erhöhung des Analysten Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Der Analyst hatte Swatch von «Marktgewichten» auf «Übergewichten» und Richemont gar von «Untergewichten» auf «Übergewichten» hochgestuft. Laut Schwendimann habe mit grösserer Wahrscheinlichkeit die negative Umsatzdynamik 2009 den Zenit erreicht. Im 2. Halbjahr seien vermutlich erste Besserungstendenzen erkennbar.

Kursziele werden angehoben

Bereits in den Wochen zuvor waren die Kursziele für Swatch und Richemont von verschiedenen Analysten angehoben worden. So erhöhte Françoise Paumard, Analystin von Exane BNP Paribas, das Kursziel von Swatch von 172 auf 180 Fr.: Obwohl die Fundamentaldaten fragil blieben, seien die Resultate des Sektors im 1. Quartal zufriedenstellend ausgefallen, so die Analystin. Das Anlagerating lautet «outperform». Auch das Aktienresearch von Goldman Sachs erkennt «schwaches Licht am Ende des Tunnels» für die europäische Uhrenbranche und erhöht die Kursziele von Swatch und Richemont.

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Die Kurse der Luxusgüterfirmen sind in den letzten Monaten überdurchschnittlich gestiegen. Swatch kletterte seit März rund 27%, Richemont steigerte sich sogar um 51%. «Typischerweise fällt die Kurserholung im Luxusgütersektor sehr stark aus», kommentiert Schwendimann. Obwohl die Kurse stark angezogen haben: Die News-Lage in der Luxusgüterbranche hat sich nicht verbessert.

Kursrally noch nicht zu Ende

Erst Mitte Juni teilte die Swatch-Tochter Universo in La Chaux-de-Fonds mit, sie führe Kurzarbeit ein. Die Produzentin von Zeigern reduziert die Arbeitszeit für 285 der 350 Beschäftigten um die Hälfte. Die Massnahme dauere drei Monate. Universo musste seit Anfang Jahr einen drastischen Rückgang der Bestellungen hinnehmen.

Für langfristig ausgerichtete Investoren könnten Luxus-Aktien wieder attraktiv sein. Laut ZKB-Analyst Patrik Schwendimann ist die Kursrally noch nicht zu Ende: «Auf Jahressicht sehen wir auch dank der grossen Liquiditätsschwemme an den Finanzmärkten ein Kurserholungspotenzial von über 20%», so der Analyst.

Insgesamt überwiegt Zuversicht: Sowohl bei Swatch wie bei Richemont würden über die Hälfte der Analysten die Titel kaufen.