Die Kreditvergabe bei den grössten US-Banken ist stärker zurückgegangen als angenommen - und das trotz der Anstrengung der Regierung, Milliarden von Dollar in den Finanzsektor zu pumpen. Laut einer Analyse des «Wall Street Journal» (WSJ) auf Grundlage von Daten des Finanzministeriums generierten oder refinanzierten die grössten Empfänger von Staatsgeldern im Februar 23% weniger an Krediten als im Oktober 2008 - dem Monat, als das Finanzministerium das Troubled Asset Relief Program (TARP) startete.

Die gesamte ausgegebene Kreditsumme fiel in drei von vier Monaten, in denen die Regierung entsprechende Daten veröffentlichte. 16 von 19 der grössten TARP-Empfänger, deren Daten vergleichbar sind, vergaben im Februar weniger Kredite als zu der Zeit, als sie erstmals Regierungshilfen bekamen. Die WSJ-Analyse zeichnet ein düstereres Bild des Kreditumfelds als die monatlich von der US-Regierung veröffentlichten Momentaufnahmen.

Die Regierung rechnet anders

Ein Grund für die differierenden Ergebnisse: Das Finanzministerium berechnet die Zahlen nach Aussage einiger Experten so, dass der Rückgang der Kreditvergabe untertrieben wird. Jeglicher Beweis, dass Banken weniger Kredite ausgeben, könnte erneut Kritik am Vorgehen der Regierung wachrufen und die Pläne unter Druck bringen, die das Finanzministerium entworfen hat, um die Kreditmärkte aufzutauen und die Bilanzen der Banken zu stützen.

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Bei Bekanntgabe der Februar-Zahlen sprach das Finanzministerium von relativ stabilen allgemeinen Kreditvergabeleveln. Ohne die staatlichen Geldspritzen wäre die Kreditvergabe noch stärker zurückgegangen, so das Argument. Die Februar-Untersuchung zeigt, dass die Banken nur geringfügig weniger Kredite ausgegeben haben als im Januar. Das Finanzministerium analysiert die monatliche Veränderung bei jedem der 21 Institute, die am meisten Staatshilfe bekommen haben. Dann berechnet es aus diesen Zahlen die durchschnittliche Veränderung. Demnach fiel die Kreditvergabe im Februar um 2,2% niedriger aus als im Vormonat.

Die WSJ-Analyse, die sich auf dasselbe Zahlenmaterial bezieht, betrachtet die Gesamtsumme der von den 21 Banken vergebenen neuen Kredite. Diese fiel im Februar im Vergleich zum Januar um 4,7%.

Das Kreditvergabeniveau ist ein wichtiger Faktor, um bestimmen zu können, wie schnell die Wirtschaft die Wende schafft. Ausserdem ist es substanziell für die Entscheidung der Regierung, ob sie einzelnen Banken erlauben soll, Staatshilfe zurückzuzahlen.

Die grossen Banken verteidigen derweil ihre Kreditvergabepraxis. Sie würden gern neue Kredite ausgeben und existierende refinanzieren, sagen sie. Doch die Nachfrage speziell von Unternehmen sei zurückgegangen. Von Oktober 2008 bis zum Februar 2009 sank die Kreditvergabe an Unternehmen um fast 40%. Verantwortlich dafür ist das partielle Auftauen der Anleihemärkte.

Drastischer Rückgang im Februar

Grosse Unternehmen konnten dort Geld einsammeln, anstatt es von Banken zu leihen. Im Februar wurden Unternehmensanleihen in Höhe von etwa 70 Mrd Dollar begeben - im Oktober 2008 waren es nur 21,4 Mrd Dollar.

Laut WSJ-Analyse refinanzierten oder gaben die 19 betrachteten Finanzinstitute im Oktober Kredite in Höhe von 226,3 Mrd Dollar aus. Im Februar waren es nur noch 174,2 Mrd Dollar. Eine der Banken, die den grössten Rückgang verzeichnete, war JP Morgan Chase. Im Oktober gab sie noch Kredite über 61,2 Mrd Dollar aus, im Februar nur noch über 39,7 Mrd - 35% weniger.