Der Aroma- und Riechstoffkonzern Givaudan hat in einem schwierigen Umfeld solide Ergebnisse fürs Jahr 2009 vorgelegt. Dennoch reagierte der Aktienkurs mit deutlichen Abschlägen: Das Zahlenset vermochte mit den Erwartungen des Marktes nicht Schritt zu halten. Der Umsatz fiel mit 3,959 Mrd Fr. 3,1% tiefer aus, lag damit aber noch knapp in den Erwartungen. Höher waren die Analystenschätzungen aber beim Reingewinn ausgefallen. Er steigerte sich um 79,3% auf 199 Mio Fr.

Givaudan will den Aktionären eine Dividende von 20.60 Fr. ausschütten, leicht mehr als im Vorjahr. Die Investoren hatten eigentlich auf ein Aktienrückkaufprogramm gehofft, davon war allerdings nicht die Rede. «Unser vorrangiges Ziel ist es jetzt, die Bilanz zu stärken und die Verschuldung zurückzufahren», sagt Matthias Währen, CFO bei Givaudan dazu (siehe «Nachgefragt»).

Verschuldung im grünen Bereich

Und das ist Givaudan auch gelungen: Die Reduktion der Nettoverschuldung stiess auf positive Resonanz. Im Juni hatte Givaudan überraschenderweise durch eine Kapitalerhöhung 420 Mio Fr. neues Kapital aufgenommen. Die Nettoverschuldung, welche durch die Quest-Akquisition stark angestiegen war, konnte damit deutlich abgebaut werden. Ende 2009 lag der Verschuldungsgrad noch bei 30%. Auf die Frage, ob mit der verstärkten Bilanz wieder Raum für Akquisitionen bestehe, antwortet Währen: «Es mag sein, dass es in einem Entwicklungsmarkt Möglichkeiten gibt, aber das wären wirklich kleine Akquisitionen.» Man wolle sich im laufenden Jahr auf organisches Wachstum fokussieren.

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Für das laufende Jahr gibt sich der CEO Gilles Andrier «vorsichtig optimistisch» und will stärker als der Markt wachsen. Die Ziele für das Jahr 2010 hat der Konzern bestätigt. Es sollen 200 Mio Fr. eingespart werden und fürs Jahr 2010 eine Ebitda-Marge von 22,7% resultieren.

Givaudan erzielte etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes in der Division Aromen. Diese Sparte zeigte sich konjunkturresistenter als das Riechstoff-Segment. Beide Divisionen verzeichneten jedoch einen leichten Rückgang. Deutlich sanken die Verkäufe in der Luxusparfümerie. Allerdings zeichnete sich bereits im 2. Halbjahr 2009 eine Erholung ab. Was die Aussichten dieses Segments angeht, ist man bei Givaudan noch unsicher. «Aber wir haben eine gute Projektpipeline und sind im stark wachsenden Markt Lateinamerikas gut aufgestellt», so Währen. Die Luxusparfümeriesparte machte 9% des Umsatzes von Givaudan aus. 2009 lagen die Aktien von Givaudan mit einem Minus von 0,5% deutlich unter dem Markt. Und dieses Jahr? «Wir sind zuversichtlich für das Jahr 2010 und gut positioniert, um vom Wirtschaftsaufschwung zu profitieren. Das sollte sich auch auf den Aktienkurs positiv auswirken», sagt Währen.

NACHGEFRAGT

Matthias Währen, CFO Givaudan

«Der Markt wird im Jahr 2010 ein Prozent wachsen»

Ihre Aktionäre hatten 2010 auf ein Aktienrückkaufprogramm gehofft. Wieso verzichten Sie darauf?

Matthias Währen: Unser vorrangiges Ziel ist es jetzt, die Bilanz zu verstärken und die Verschuldung zurückzufahren. Wir wollen den Refinanzierungsbedarf unserer Verbindlichkeiten 2012 möglichst tief halten. Wir konnten dafür unsere Dividende auf 20.60 Fr. erhöhen.

Besteht mit der verstärkten Bilanz wieder Raum für Akquisitionen?

Währen: Wir haben uns in den letzten drei Jahren auf die Integration der Quest-Akquisition konzentriert und wollen von dieser neuen Plattform jetzt profitieren. Wir fokussieren deshalb in absehbarer Zukunft auf organisches Wachstum. Vielleicht gibt es in einem Entwicklungsmarkt Möglichkeiten, aber das wären wirklich kleine Akquisitionen.

Sie wollen 2010 stärker als der Markt wachsen. Welche Raten erwarten Sie vom Markt?

Währen: Wir gehen davon aus, dass der Markt letztes Jahr 2 bis 3% zurückgegangen ist. Voraussichtlich wird der Markt 2010 das normale langfristige Wachstum von 2 bis 3% noch nicht erreichen können. Eine vorsichtige Schätzung besagt, dass 2010 ein Marktwachstum von 1% resultieren könnte.