Aus dem Boommarkt ist ein Trader-Markt geworden: Seit dem Höchststand im März fällt der gleitende Durchschnitt des Goldes stetig. Die Preise oszillieren nach einem einfachen Muster: Zunächst 200 Dollar runter, dann 150 hoch.

Solche Preisschwankungen zwischen Unterstützungs- und Widerstandslinien sind ein ideales Tummelfeld für Trader, die kurzfristig gehebelt einsteigen und dann wieder diszipliniert Gewinne mitnehmen, sobald bestimmte Preisziele erreicht worden sind. Sichtbar ist das in den soliden Umsätzen, die in den letzten Tagen bei Calls wie XAZZF, XAZZX oder XAUQC verzeichnet wurden. Auch bei den Puts XAUJB oder XAUAK mit Ausübungspreisen zwischen 850 und 900 Dollar gab es ansprechende Umsätze. Bei solchen Hebelprodukten ist das Chancen-Risiken-Profil deutlich aggressiver als bei Preistrackern wie PMTAA oder VZXAU, die in den letzten Tagen teilweise Millionenumsätze verzeichneten.

Verschiedene Szenarien abbilden

Aber auch der Reverse Convertible VON8UN sowie die Kapitalschutzprodukte ZKB8B3, VUGOL oder VUTOG fielen mit vergleichsweise hohen Umsätzen auf. Diese defensiven Produkte eignen sich indes weniger für das Ausnutzen kurzfristiger Schwankungen, sondern vielmehr für die Umsetzung eines bestimmten Szenarios. Beispielsweise eines stagnierenden Goldpreises, mit dem eine Seitwärtsrendite eingespielt werden soll. Analysten sind sich allerdings nicht einig, in welche Richtung der Goldpreis in den nächsten Wochen und Monaten tendieren wird. Laut dem World Gold Council (WGC), dem wichtigsten Branchenverband der Edelmetallbranche, stieg die Nachfrage nach Gold im 3. Quartal 2008 auf 1133 t, mit einem Wert von 31,8 Mrd Dollar. Dieser Anstieg um 49% bedeutet einen Rekord.

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Die Nachfrage von Finanzinvestoren stieg gleich um 179% auf 382 t. Am höchsten war die Nachfrage aus der Schweiz, aus Deutschland, Indien und den USA. Die Schweiz taucht aufgrund der Aktivitäten des sehr erfolgreichen Exchange Traded Funds (ETF) der Zürcher Kantonalbank in der Statistik prominent auf, in Deutschland dominierte die Flucht in physisches Gold aufgrund der Anlegerpanik, und Indien ist der wichtigste Schmuckproduzent weltweit. Die höchsten Volumen bei den Goldkäufen erfolgten Ende September, als die Nervosität der Anleger aufgrund der Pleite von Lehman und der De-facto-Verstaatlichung von AIG auf einen neuen Höchststand geklettert war.

Keine Preisexplosion erfolgt

Dennoch explodierten die Goldpreise nicht, wie vielleicht aufgrund der verheerenden Nachrichtenlage zu erwarten gewesen wäre. Ursachen sind laut Michael Slifirski, Edelmetallanalyst bei der Credit Suisse, der stärkere Dollar und die abnehmende Inflation.

Die physische Nachfrage sichert den Goldpreis nach unten ab, die sich abschwächende Inflation und die nachlassende Nervosität an den Finanzmärkten deckelt den Preis nach oben.

Das Analystenkonsensmodell sieht eine kurzfristige Erholung auf 900 Dollar voraus, danach aber bis 2012 fallende Preise bis 725 Dollar. Und nochmal anders sind die Markterwartungen. Die «Forward-Kurve», die sich aus den Future-Preisen ableiten lässt, signalisiert, ausgehend von den aktuellen Notierungen, zunächst um 800 Dollar stagnierende Kurse und dann bis 2012 einen sachten Preisanstieg bis 850/870 Dollar.

Solche unterschiedlichen Prognosen bilden das ideale Umfeld für Trader. Denn die kurzfristigen Schwankungen kann kein Analyst vorhersagen.