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Aktienmarkt
Eine konjunkturelle Delle könnte zu einem Sturm führen

New Yorker Börse Zinsen auf Bildschirm
Börse: Die moderat steigenden Zinsen beeinflussen den Aktienmarkt.Quelle: Keystone

Nach dem Taucher vom Februar scheint die Anlagewelt nun wieder in Ordnung zu sein. Doch Frühindikatoren sprechen eine andere Sprache.

Von Harald Preissler*
am 25.03.2018

Mit einer deutlichen Abkühlung rechnet derzeit kaum jemand, obwohl in den vergangenen Monaten schon mehrere Indikatoren eine abkühlende wirtschaftliche Dynamik angekündigt haben.

Diese positive Sichtweise erscheint uns schon fast ignorant. Sprechen derzeit doch viele Faktoren gegen eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends bei Risikoassets wie Aktien, Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen und Industrierohstoffen.

Probleme im Anzug

Ein wichtiger Belastungsfaktor sind die Zinsen, die seit geraumer Zeit steigen – wenn auch anfänglich nur moderat. Allein die Renditen 2-jähriger US-Treasuries haben sich in den vergangenen 18 Monaten auf 2.30 Prozent vervierfacht! 10-jährige Laufzeiten rentieren immerhin mit 2.90 Prozent auf einem fünfjährigen Höchststand.

Auch in China ist der Zinstrend aufwärtsgerichtet, was Immobilienmarkt und Industrie bereits belastet. In einer Welt rekordhoher Schulden und üppig gehebelter Portfolios reicht dies aus, um der Realwirtschaft und damit den Finanzmärkten wehzutun. Entsprechend kündigen unsere eigenen Frühindikatoren bereits seit geraumer Zeit eine konjunkturelle Delle für die Weltwirtschaft an. Und diese Delle kann an den Finanzmärkten schnell zu einem Sturm führen. 

Steigende Rohstoffpreise belasten die Gewinnmargen

Die Aktienmärkte kommen gleich von mehreren Seiten unter Druck: In den USA dämpfen die steigenden Zinsen die Investitionen und belasten gleichzeitig jene Unternehmen, die sich kurzfristig refinanziert haben. Das schwächere Wachstum der globalen Geldmenge führt dazu, dass weniger Geld für Anlagen in Aktien zur Verfügung steht. Steigende Rohstoffpreise belasten die Gewinnmargen ebenso wie - zumindest bei Unternehmen in der Eurozone -– der stärkere Euro.

Unsere Prognose mit Rückschlägen von -15 Prozent an den Aktienmärkten ist moderat. Lagen doch die Kurstaucher bei konjunkturellen Dellen in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich bei 30 Prozent. Realistische Kursstände im Sommer sind 11.500 Punkte beim DAX, 3125 Punkte beim Eurostoxx50 und 8400 Punkte beim SMI. Auch bei US-Aktien rechnen wir mit einer Korrektur, wenn auch erst im 2. Halbjahr – ein Minus von 15 bis 20 Prozent läge dabei ganz in der historischen Norm.

Bei Kursverlusten fehlt der Puffer

Das Durchschnaufen im Konjunkturzyklus, das unsere Frühindikatoren sowohl für die USA und China als auch für die Eurozone in den nächsten Monaten ankündigen, wird auch Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen treffen. Deren Risikoprämien sind in den vergangenen Monaten auf oder zumindest in die Nähe historischer Tiefstände gesunken, weshalb bei Kursverlusten der Puffer fehlt.

Und trotz solider Finanzkennzahlen sollten Anleger bedenken, dass der Höhepunkt des Ratingzyklus hinter uns liegt. Bei Unternehmensanleihen der Bonitäten Investment Grade und High-Yield ist in den nächsten Monaten gleichermassen damit zu rechnen, dass sich die Ratingdrift verschlechtert. Auch das drückt die Kurse. Die Rohstoffpreise dürften wegen der nachlassenden Nachfrage aus China unter Druck geraten.

Nur Top-Staatsanleihen und Linker sind attraktiv

Damit ist klar, dass wir derzeit weder bei Aktien noch bei Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen und Industrierohstoffen Kaufgelegenheiten sehen. Attraktiv sind für uns derzeit lediglich Linker, also inflationsindexierte Staatsanleihen, die in den nächsten ein bis zwei Jahren von der anziehenden Inflation profitieren sollten.

Und wenn die Konjunktur in den nächsten Monaten abkühlt, sollten auch nominale deutsche Bundesanleihen und Schweizer Eidgenossen mit langen Laufzeiten wieder gefragt sein. Dann können sich Anleger wieder an diesen derzeit hässlichen Entlein im Teich erfreuen, weil ihre Kursgewinne das Portfolio aufhübschen.

* Harald Preissler, Chefanlagestratege der BANTLEON BANK AG, Zug

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