Hacker verschafften sich Zugang zum Twitter-Account der Nachrichtenagentur AP und schickten mit einem Tweet über Explosionen im Weißen Haus die US-Märkte kurzzeitig auf Talfahrt. Innerhalb von drei Minuten verlor der S&P-500-Index nach Reuters-Daten vorübergehend 136,5 Milliarden Dollar an Wert und erholte sich dann wieder. Kurzzeitig legten auch die US-Staatsanleihen deutlich zu. Ein Händler sprach von «Chaos pur». Andere bezeichneten den Einbruch als Zeichen, wie sehr die modernen Medien inzwischen den Handel beeinflussten.

Zunächst war nicht klar, wer für den Cyberangriff verantwortlich war. Der falsche Tweet wurde um etwa 13.00 Uhr abgesetzt. Darin wurde von zwei Explosionen im Weissen Haus berichtet, Präsident Barack Obama sei verletzt. Ein AP-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Nachricht sei falsch. Ein Sprecher des Präsidialamtes erklärte, Obama sei wohlauf. AP teilte weiter mit, zuvor habe es Versuche gegeben, ins Firmennetzwerk einzudringen. Der Twitter-Account von AP wurde gesperrt. Ihm folgen fast zwei Millionen Menschen. Sprecher von Twitter und der US-Börsenaufsicht SEC lehnten Stellungnahmen zu dem Vorfall ab.

Rasche Stornierung

Devisenexperte Charles St-Arnaud vom Brokerhaus Nomura Securities berichtete von großer Verwirrung auf dem Börsenparkett. Während dieser Zeit hätten einige Händler ihre Positionen geschlossen. Bei solchen Nachrichten passiere immer wieder das Gleiche, sagte Dennis Dick von Bright Trading: «Die Hochfrequenz-Händler stornieren ihre Aufträge schon bei einem kleinen Tweet.» Bill Baruch von iiTrader.com verwies auf die zunehmende Abhängigkeit von modernen Kommunikationsmitteln. «Diese Botschaften werden leicht missverstanden und sind einfach zu hacken», sagte er. «Es ist nicht nur, dass die Leute damit falsche Informationen verbreiten können, sie können daraus auch Kapitel schlagen.»

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Am Wochenende waren die Auftritte des US-Senders CBS News in den Sozialen Medien angegriffen worden. In diesem Jahr sind auch die Twitter-Accounts von Chrysler und Burger King gehackt worden. Die US-Börsenaufsicht SEC erlaubt es Unternehmen seit April, auch wichtige Mitteilungen über Twitter oder Facebook zu verbreiten.

(se/Reuters)