Ein ehemaliger Goldman-Sachs-Banker und ein amtsmüder CDU-Politiker sollen es nun richten. Anfang Jahr übernahm Axel Hörger die operative Führung der UBS in Deutschland und der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch stieg auf den Sessel des Aufsichtsratsvorsitzenden. Es ist ein bemerkenswertes Gespann, das die Schweizer Grossbank in Deutschland lenkt.

Und es sind keine einfachen Aufgaben, welche die beiden gefasst haben. Während man in den Schweizer Filialen über die Nachfolge von Konzernchef Oswald Grübel, den hauseigenen Dresscode und die Benotung der Mitarbeitenden debattiert, kämpft man im nördlichen Nachbarland mit Schwierigkeiten. Frustrierte Kunden, die ihr Geld abziehen, Rückschläge im Investment Banking und hastige Personalwechsel auf der Teppichetage haben dazu geführt, dass die grösste Schweizer Bank seit 2009 rote Zahlen in Deutschland schreibt. Als ob dies nicht genügte, steht das Unternehmen zudem fortdauernd in den Schlagzeilen wegen Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Ein grosses Halali

Derweil bläst im grössten Private-Banking-Markt Europas eine ganze Armada von Schweizer Banken zum Halali. Erst vor wenigen Tagen teilte die Zürcher Privatbank Julius Bär mit, dass sie 14 erfahrene Kundenberater abgeworben habe, um ihre diversen Standorte zwischen Hamburg und Stuttgart zu verstärken. Ähnlich die Signale bei anderen Häusern: Die Credit Suisse rüstet inzwischen kleinere Standorte auf, wie beispielsweise den im norddeutschen Bielefeld. Der Wahlschweizer Franz-Josef Lerdo soll am Ort nun ein schlagkräftiges Team zusammenstellen.

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Auch die Bank Vontobel hat letztes Jahr ihre Deutschland-Abteilung mit verschiedenen Spitzenkräften erneuert. Und seit Ende 2010 hat die Basler Bank Sarasin die Gewinnschwelle erreicht, wie sie nicht ohne Stolz vermeldet.

Ganz anders die UBS. Zwar will auch sie ihre Marktstellung in allen Unternehmensbereichen ausbauen, wie Pressesprecher Dominique Gester erklärt. Doch das Geschäft harzt. Im Wealth Management, also in der Paradedisziplin der Bank, klafft eine «Profitabilitätslücke», wie im Halbjahresbericht nachzulesen ist. Diese sei vor allem auf Abflüsse im Ultra-High-Net-Worth-Segment zurückzuführen - also auf unzufriedene Kunden mit Vermögen von mehr als 50 Millionen Franken. Kein gutes Omen.

Ein ganz neuer Klang

So bekommt die UBS, die mit ihren fatalen Eskapaden im amerikanischen Offshore-Geschäft nicht unwesentlich zur Rufkrise im Swiss Banking beigetragen hat, nun selber die Nachbeben zu spüren. Oder wie es Horst Schmidt, Chef der deutschen Privatbank Delbrück Bethmann Maffei, formuliert: «Swissness wird nicht länger nur mit Private-Banking-Kompetenz gleichgesetzt.» Eher habe sich dies ins Gegenteil gedreht, glaubt er, und könne nun eine gewisse Kriminalisierung von Kunden implizieren.

Doch auch im Investment Banking liegt die UBS Deutschland mittlerweile weit hinter ihren früheren Leistungen zurück. Letztes Jahr büsste sie vor allem im lukrativen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen beträchtliche Marktanteile ein. Das zeigt ein Blick auf die neusten Ranglisten des Analyseunternehmens Mergermarket: Mit acht grösseren Transaktionen im Gesamtwert von knapp 12 Milliarden Dollar erzielte die UBS gerade noch die Hälfte dessen, was sie 2009 noch erreicht hatte, nämlich ein Volumen von fast 26 Milliarden Dollar.

Paul Francis-Grey, Finanzexperte bei Mergermarket, stellt fest, dass die letzten zwei Jahre besonders schwierig waren. Eine Entspannung sieht er noch nicht, zumal die Kommissionen tendenziell eher noch weiter sinken. Dass es aber auch anders geht, beweist die Credit Suisse. Sie wickelte im letzten Jahr Fusionen und Übernahmen im Wert von fast 20 Milliarden Dollar in Deutschland ab.

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Viel Aufholpotenzial also für die beiden neuen UBS-Chefs Hörger und Koch in Deutschland. Dabei ist es keine fünf Jahre her, als die Welt der Grossbank noch in Ordnung war. Bloss der Himmel schien dem Höhenflug der Schweizer Grossbank Grenzen zu setzen. Die UBS schrieb schwarze Zahlen, beschäftigte 1500 Personen und suchte weitere 1000 Banker, um mittelfristig bis zu 30 Standorte in Deutschland unterhalten zu können. Dies gab damals Jürg Zeltner zu Protokoll, als er noch Deutschland-Chef war. Heute sitzt er in der Geschäftsleitung.

Von grösster Symbolkraft war indessen der Entscheid im Herbst 2008, die Beteiligung der kollabierten amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am Frankfurter Opernturm zu übernehmen. Dabei handelt es sich um ein imposantes Bürohochhaus an bester Passantenlage gleich neben der Alten Oper. Es ist mindestens so hoch, dass man von der obersten 42. Etage in 168 Meter Höhe auf die nah gelegenen Zwillingstürme der Deutschen Bank hinabschauen kann, wie es in der Branche bald schon spasseshalber hiess. Ende 2009 war der Opernturm fertiggestellt. Vor drei Monaten zog die UBS auf insgesamt 20 Etagen mit 28 000 Quadratmetern Fläche ein.

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Die weitere Geschichte des Frankfurter Opernturms ist symptomatisch für die UBS in Deutschland. Kurz vor Weihnachten 2010 veräusserte sie ihr Renommiergebäude bereits wieder - für 550 Millionen Euro. Käufer war ein Joint Venture zwischen einem Fonds der Bank J.P. Morgan Chase sowie des Staatsfonds von Singapur GIC. Pikant: Der fernöstliche Käufer ist mit einer Beteiligung von 6,5 Prozent bereits der drittgrösste Einzelaktionär der UBS.

Eine schillernde Figur

Offiziell heisst es bei der Schweizer Grossbank, es sei von Anfang an die Absicht gewesen, die Immobilie wieder zu verkaufen. Weshalb das nun aber schon nach so kurzer Zeit und bei einem derart privilegierten Standort geschehen musste, bleibt selbst für Immobilienleute in Frankfurt ein Rätsel. Über die Bücher ging die UBS indessen auch in anderer Hinsicht: Inzwischen beschäftigt sie in Deutschland bloss noch 1100 Personen, und die Zahl der Standorte wurde statt auf 30 erhöht, von 17 auf nur mehr 14 geschrumpft.

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Werden nun kleinere Brötchen gebacken? Die Nachricht, wonach Roland Koch per Anfang 2011 den Aufsichtsratsvorsitz der UBS Deutschland übernehmen werde, sorgte in Deutschland jedenfalls für einiges Aufsehen. Denn mit dem Politiker, der im August 2010 nach elf Jahren von seinem politischen Amt zurücktrat, ist eine schillernde Figur an Bord des Schweizer Tankers gegangen. Aus seiner Nähe zur Wirtschaft, insbesondere zum Finanzplatz und zum Flughafen Frankfurt, hat der 52-jährige Jurist von katholisch-konservativer Prägung kein Geheimnis gemacht.

Allerdings war er es auch, der Ende 2009 mitten in der Krise den «zerfallenden Korpsgeist» in der Finanzbranche beklagte. Nun soll Koch seine Beziehungen spielen lassen und seine «Expertise als Wirtschaftsjurist» einfliessen lassen, wie UBS-Sprecher Gerster präzisiert. Grosse Erwartungen lasten auch auf Hörger, der erst im Sommer 2010 von Goldman Sachs zur UBS stiess und seit diesem Jahr als operativer Chef wirkt.

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Ein Kommen und Gehen

Kochs Ernennung folgt einer Reihe von Personalrochaden, welche die UBS in den letzten Jahren zu verdauen hatte. Auf Deutschland-Chef Jürg Zeltner folgte im März 2008 Jan-Christian Dreesen, der nur bis Ende Juni 2009 blieb. Nachfolger wurde Stephan Zimmermann. Auch er blieb nicht lange. Im Juni 2010 beorderte ihn das Mutterhaus nach Zürich zurück.

Es waren nicht die einzigen Abgänge. 2009 musste die UBS auch ihren Co-Chef für das deutsche Investment Banking, Martin Reitz, ziehen lassen. Er wechselte zu Rothschild. Zudem verlor die UBS Dirk von Velsen, der als Leiter von UBS Sauberborn eine Abteilung für sehr vermögende Kunden geleitet hatte. Er wechselte zum Kölner Vermögensverwalter Flosbach & von Storch.

Kurioserweise wurde kurz nach Zimmermanns Versetzung in die Schweiz bekannt, dass die deutsche Finanzmarktaufsicht (Bafin) gegen die UBS ermittelt. Anlass dafür waren, wie die «Handelszeitung» recherchiert hatte, die Vorwürfe eines deutschen UBS-Kunden. Der behauptete, die Bank habe sein Vermögen fahrlässig verspielt. Zimmermanns Transfer in die Heimat nährte den Verdacht, die UBS entziehe einen ihrer Mitarbeiter dem Zugriff der deutschen Aufsichtsbehörden.

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Die spätere Sonderprüfung der Bafin endete im letzten Sommer, ohne dass jemand belastet wurde. Offen bleibt, ob die Müncher Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen anstrengt. So viel steht fest: Mit ihrem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden hat die UBS ein grosses Los gezogen - gerade was die juristische Position der Grossbank in Deutschland anbelangt. Wenn, so der Tenor in der Frankfurter Finanzszene, Roland Koch mit seiner Reputation seinen Kopf herausstreckt, kann er ein Garant für Kredibilität sein - aber als umstrittener Ex-Politiker auch ein Risiko.