Die Nummer eins im Vermögensverwaltungsgeschäft wollte auch im Investment Banking an die Spitze. Doch nach Abschreibern von bisher rund 40 Mrd Fr. bleibt nur noch der Weg zurück, mit massiven Einschnitten. Nachdem bereits 1500 Stellen im Investment Banking abgebaut wurden, sollen in der gebeutelten Division bis Ende 2008 bis zu 2600 weitere Arbeitsplätze verloren gehen.

Die Investmentbank wird stärker in den Dienst des Vermögensverwaltungsgeschäfts gestellt. Das Wachstum soll aus eigener Kraft vorangetrieben werden, das heisst mit Quersubventionierungen ist Schluss. Der neue Investment-Chef Jerker Johansson formuliert die Ziele für den Bereich: «Die Investmentbank soll jährlich 4 Mrd Fr. zum Vorsteuergewinn beitragen.» Und zwar sobald wieder normale Zeiten herrschen. Vor dem Verlust im letzten Jahr resultierte 2006 in der Investmentbank noch ein Vorsteuergewinn von 5,9 Mrd Fr.

Die Bilanzsumme soll weiter deutlich schrumpfen. «Zudem dürften die kundenunabhängigen Geschäfte erheblich reduziert werden», erwartet Unicredit-Analyst Andreas Weese.

Abfluss von Kundengeldern

Der Imageschaden, den der weltgrösste Vermögensverwalter erlitten hat, zeigt sich deutlich in den Zahlen. Das Global Asset Management verbuchte im 1. Quartal Nettoabflüsse von 16,5 Mrd Fr., im Wealth Management verblieb ein Neugeldzufluss von netto 5,6 Mrd Fr. Im Business Banking Switzerland hat die Bank Abgänge von netto 1,9 Mrd Fr. verzeichnet. Insgesamt sanken die verwalteten Vermögen auf 2759 Mrd von 3189 Mrd Fr. per Ende 2007. «Das Wealth Management wird weiter unter einem Abfluss von Kundengeldern leiden», erwartet Walter Wittmann, emeritierter Wirtschaftsprofessor.

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Die Grossbank will auch ausserhalb des Investment Banking Stellen streichen, bis Mitte nächsten Jahres wird ein Abbau von 2900 Stellen erwartet. Davon nicht betroffen sind jedoch die Kundenberater. Im Gegenteil: Die Grossbank will noch mehr Private Banker einstellen. Es gilt, wieder Vertrauen zu schaffen, um weitere Abflüsse von Kundengeldern zu verhindern. «Vertrauen schafft die UBS aber erst, wenn sie wieder mit den Zahlen überzeugt», sagt Wittmann.

Risikopapiere verkaufen

Seit dem Ausbruch der US-Subprime-Krise konnte die Grossbank erhebliche Risikopositionen abbauen, dafür sind aber auch laufend weitere Positionen neu dazugekommen. Per Ende März weist die UBS deshalb noch immer Positionen im US-Wohnimmobilienmarkt in der Höhe von 57,3 Mrd Dollar aus. Darüber hinaus bestehen weitere risikobehaftete Bestände in der Höhe von 25,3 Mrd Dollar (siehe Tabelle).

«Es wird sicher zu weiteren Abschreibern kommen, in welcher Höhe kann man aber schwierig abschätzen», so Wittmann. Ein Lichtblick ist dagegen die jüngste Vereinbarung, welche die UBS mit BlackRock abgeschlossen hat. Die US-Fondsgesellschaft will der Grossbank Hypothekenverbriefungen in der Höhe von 15 Mrd Dollar abkaufen. Dies zeige, dass der Markt wieder langsam in Schwung komme, sagte CEO Marcel Rohner an der Telefonkonferenz.


UBS-Aktie: Wie weiter nach den satten Kursgewinnen?

Wer die UBS-Aktie am 17. März 2008 mitten in der grössten Panik gekauft hat, kann sich heute über einen Kursgewinn von über 50% freuen. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie aber noch immer mit rund 25% im Minus. Auf den weitgehend erwarteten Stellenabbau und den Abfluss von Kundengeldern im Heimmarkt reagierten die Anleger mit Verkäufen.

Für Unicredit-Analyst Andreas Weese sind die Risiken für die UBS-Aktie noch immer hoch. Es sei unklar, wie stark das Vermögensverwaltungsgeschäft unter dem Imageschaden leide, zudem seien die verbliebenen Risikopositionen in der Bilanz nach wie vor beträchtlich (siehe Tabelle). Und je näher die angekündigte Kapitalerhöhung rücke, desto mehr trete die Gewinnverwässerung wieder in den Vordergrund. Der Prospekt für die Kapitalerhöhung wird voraussichtlich am 23. Mai 2008 veröffentlicht.

Dagegen hat Helvea-Analyst Peter Thorne die Aktie auf «accumulate» hochgestuft, weil die UBS ihre Investmentbank nicht mehr als «integralen Bestandteil» betrachte und die Kosten senken will. Für die Analysten der Bank Vontobel ist der Titel nach den jüngsten Kursgewinnen bereits langsam wieder teuer bewertet. Insgesamt empfehlen 42% der Analysten die UBS-Aktie zum Kauf. (ng)