Hohe oder zumindest kontinuierliche Renditen: Damit werben Dach-Hedge-Fonds um die Gunst der Anleger. Erreichen wollen dies die Finanzvehikel, indem sie das Geld von Investoren auf verschiedene, möglichst erfolgreiche Hedge-Fonds verteilen.

An sich ein interessanter Ansatz doch weit gefehlt, sagen die Autoren einer neuen Studie der Haute Ecole de Gestion (HESGE) in Genf. Ihren Erkenntnissen nach halten die Dachfonds weder, was sie versprechen, noch unterscheiden sie sich wesentlich voneinander. Einheitsbrei also? Man ist geneigt, das zu bejahen, wenn man einen Blick auf die Performance diverser in der Schweiz aufgelegter Dachfonds wirft.

«Flau» und «enttäuschend»

Ausnahmen bestätigen die Regel, doch Letztere lautet klar: Überdurchschnittlich viele Investmentkonstrukte schlagen den Markt nicht (siehe Tabelle) - weder in schlechten Zeiten, wie das beispielsweise 2008 während der Finanzkrise der Fall war, noch 2009, als es im 1. Halbjahr unerwartet rasant wieder nach oben ging. Unter dem Strich, so das Fazit von HESGE-Finanzprofessor und Studienleiter Nils Tuchschmid, sei die Performance mehrheitlich «flau» oder gar «enttäuschend».

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Zu denken gibt Tuchschmid vor allem, dass mehr als die Hälfte der Dachfonds in den letzten fünf Jahren mindestens einen Totalkollaps eines Hedge-Fonds im Portefeuille hinnehmen mussten - sei dies auf Grund von Fehlspekulationen oder wegen Betrügereien wie im Fall Madoff. Das spricht nicht für das angeblich grosse Know-how der Dachfonds-Manager bei der Selektion von Anlagen. Damit bestätigt sich ein weiterer Befund der Genfer Studie: Die existierenden Dachfonds sind wie Lemminge: Sie unterscheiden sich weder operationell noch strategisch oder von der Kostenstruktur her.

Das ist bedauerlich, zumal die Dachfonds-Branche ein essentieller Ertragspfeiler des hiesigen Finanzplatzes ist und noch wichtiger werden könnte. Denn vor dem Hintergrund des sich wandelnden Schweizer Bankgeheimnisses dürften viele Finanzinstitute in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung, also der Königsdisziplin im Swiss Banking, künftig weniger verdienen als bisher. Alternative Geschäftsfelder sind folglich gefragt. Die insgesamt 313 hierzulande bestehenden Fund-of-Hedge-Funds vereinigen bereits ein Anlagevolumen von 160 Mrd Dollar. Das ist ein Drittel aller Mittel, die weltweit in Dach-Hedge-Fonds investiert sind. Mit diesem Anteil ist die Schweiz hinter den USA der zweitwichtigste Dachfonds-Markt der Welt.

Weiteres Wachstum ist aber nur möglich, wenn die Branche es schafft, ihre Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Vorderhand ist das aber kaum der Fall, wie der Studie zu entnehmen ist. Den massivsten Makel ortet Finanzprofessor Tuchschmid in den Interessenkonflikten, denen sich zahlreiche Dach-Hedge-Fonds aussetzen: Denn neben ihrer Tätigkeit als Investoren in Einzel-Hedge-Fonds betätigen sich viele Dachfonds-Manager auch noch als Berater individueller Grosskunden, oder sie entwickeln für einzelne Mandanten individuelle Anlageprodukte im Hedge-Fonds-Sektor.

«Darunter leidet die Unabhängigkeit, sobald der Dachfonds-Manager ihm anvertraute Kundengelder auf die verschiedenen Hedge-Fonds-Vehikel verteilen muss», stellen die Autoren fest. Streng genommen müsste sich ein Dachfonds, so Tuchschmid, voll auf seine angestammte Investment-Tätigkeit beschränken, bar jeder Interessenkonflikte.

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Mehr Kostentransparenz

Dass die Kritik an den Dachfonds in der Studie so harsch ausfiel, hat auch Tuchschmid überrascht. Als Totengräber einer Industrie will er deswegen aber nicht gelten, sondern dazu beitragen, diese Disziplin auf dem Schweizer Finanzplatz zu stärken. Denn, soviel steht fest: Hedge-Fonds werden künftig eine noch wichtigere Rolle in den Anlegerportefeuilles spielen.

Und unter diesen Prämissen verfügt die Schweiz, selbst als vergleichsweise kleines Land, über ein enormes Know-how im Bereich der Finanzintermediation, will heissen in der Auswahl und im Umgang mit Anlageprodukten und -strategien. Auch dies zeigt die Studie klar: Gut 80% der befragten Dachfonds erklärten, keinerlei Schwierigkeiten zu bekunden, ausgewiesenes Personal zu finden. Damit hat der hiesige Finanzplatz intakte Chancen, sich als Kompetenzzentrum für Finanzgeschäfte von morgen zu profilieren.

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Allerdings wird es mehr Transparenz in den Kostenstrukturen der einzelnen Dach-Hedge-Fonds brauchen, wie Tuchschmid betont. Dadurch dürften gleichzeitig die Löhne und Anreizsysteme erheblich sinken. Zudem ist eine grössere Vielfalt in der Dachfonds-Szene erforderlich, und die Manager werden sich darauf einstellen müssen, ohne latente Interessenskonflikte zu arbeiten.