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Argentinien
El tango te espera! Der Tango wartet auf Dich!

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Tanzendes Paar: Der argentinische Tango gehört zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.Quelle: Keystone

Den «Gauchos» war in letzter Zeit nicht zum Tanzen zumute. Erneut wurde das Land von einem wirtschaftlichen Erdbeben erschüttert.

Von Matthias Jenzer*
am 06.07.2018

Am 5. Mai kam der Hammerschlag! Die Zentralbank Argentiniens erhöhte den Referenzzins auf 40 Prozent, welcher noch Tage zuvor bei 27,25 Prozent notierte. Dies war nötig, um den Zerfall des Argentinischen Peso aufzuhalten. Argentinien zurück am Boden so scheint es, betrachtet man die Kurse der Währung und des Aktienmarkts. Dabei setzte das Land auf Mauricio Macri, ein vielversprechender Präsident, der die zuletzt kontroverse Kirchner-Ära beendete und mit seinem neoliberalen Ansatz die Hoffnung auf bessere Zeiten wiederbelebte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) zurück im Land

Ohne Munition gewinnt man keine Schlacht. So geschehen mit der Zentralbank Argentiniens, die mit bescheidenen Geldreserven versuchte, die Talfahrt des Pesos zu stoppen. Da kommt die gewährte Kreditlinie des IWF doch gerade recht, wäre da nicht die Geschichte um die Jahrtausendwende, als der IWF weitere Finanzhilfen auf Eis legte und somit eine der grössten Krisen im Land verursachte. Dieses Gremium ist nun wieder im Land und hat, wie gewohnt, diverse fiskalpolitische Bedingungen aufgelistet. Ein Spiel mit dem Feuer für Macri, dessen politische Koalition im Herbst des nächsten Jahres wieder auf dem Prüfstand steht.

Auf Euphorie folgt die Kapitulation

Eine Inflation, die weit über dem Zielwert liegt, und ausweitende Defizite, die hauptsächlich durch eine Erhöhung der externen Verschuldung in Dollar finanziert wird, sind allesamt schlechte Vorboten in Zeiten eines steigenden Dollars und dessen Zinsen. Hinzu kommt eine historische Dürre im Land und Befürchtungen einer Verlangsamung der globalen Handelstätigkeit durch den verschärften Ton aus Washington. Zu guter Letzt hat sich auch der amtierende Notenbankchef verabschiedet und wurde postwendend ersetzt.

Morgenröte in Sicht?

Die Glaubwürdigkeit einer Notenbank ist nicht unwichtig in solchen Zeiten. Die zahlreichen geldpolitischen Massnahmen sollten allmählich Früchte tragen, um dem Währungszerfall Einhalt zu gebieten. Eine Normalisierung des Handelsbilanzdefizits, das auch durch die Dürre stark beeinflusst wurde, ist in Sicht. Fiskalpolitische Massnahmen, wie die Reduktion von Subventionen im Energiebereich, sind geplant. Eine Finanzierungslücke ist dank dem IWF nicht in Sicht.

Die Aktienpreise der in den USA gehandelten argentinischer Unternehmen haben sich seit den Höchstständen im Januar zum Teil mehr als halbiert und bieten Chancen. Staatsanleihen oder Anleihen mit kürzeren Laufzeiten etablierter Unternehmen zeigen wieder attraktive Renditen. Wer weiss, vielleicht ist der «Tango argentino» doch nicht so traurig, wie er sich im Moment zeigt.

* Matthias Jenzer, CIO, Quilvest (Switzerland) Ltd

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