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Börseninterview
«Elon Musk wird auch künftig Investoren begeistern»

Elon_Musk
Elon Musk: Der Aktie seines Unternehmens Tesla ist unter Druck.Quelle: Diego Donamaria/Getty Images

Philipp Grüebler glaubt an den Erfolg von Tesla. Bei den US-Techaktien rechnet der Börsenexperte mit einem Ende der Talfahrt.

Von Marc Bürgi
am 09.04.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Philipp Grüebler*: Einerseits kamen die Technologie-Riesen in den USA unter Druck. Amazon weil es via Twitter von Präsident Trump angegriffen wurde und Facebook wegen ihrem Umgang mit persönlichen Benutzerdaten. Andererseits wurden die Märkte durch die Ankündigung von Strafzöllen und Gegenmassanahmen ihrer Handelspartner belastet.
 
Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?

Schweizer Werte haben dieses Jahr stark an Wert eingebüsst. Ich rechne kurzfristig mit einer Trendumkehr, da die defensiven Qualitäten in diesem volatilen Marktumfeld von den Anlegern vermehrt geschätzt werden sollten.

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Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Nach dem Minus im ersten Quartal rechne ich aufgrund des gesunden Wirtschaftswachstums in zwölf Monaten mit höheren Kursen. Eine Hausse wie letztes Jahr ist aber unwahrscheinlich, da die Bewertungen zu hoch sind. Einen Indexstand von 9300 schätze ich daher als realistisch ein, wobei grösserer Schwankungen zu erwarten sind.
 
Amazon, Apple und die anderen grossen US-Techkonzerne sind an der Börse unter Druck. Rechnen Sie mit weiteren Kursverlusten bei den sogenannten «FANG»-Aktien?
Die Technologiewerte dürften nun den Boden gefunden haben. Während bei Amazon Trump mit Jeff Bezos eine persönliche Fehde austrägt, sind die Probleme von Facebook betreffend Benutzerdaten schwerwiegend und berühren auch andere Konzerne wie z.B. Google. Diese Probleme sind aber lösbar und schränken ihr Geschäftsmodell nicht grundsätzlich ein. Ich rechne daher mit stabileren Kursen auf heutigem Niveau.
 

Philipp_Grüebler_Börseninterview
*Philipp Grüebler ist Portfolio Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung AG. Bevor er im Jahr 2000 zur Grüebler Vermögensverwaltung AG stiess, arbeitete er bei UBS und Credit Suisse. 1995 schloss er das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Lizenziat ab und 2000 den Chartered Finanicial Analyst (CFA).
Quelle: zvg

Der einstige Börsenliebling Tesla hat innert wenigen Wochen massiv an Wert verloren. Wird Konzernchef Elon Musk beim E-Auto-Hersteller das Steuer herumreissen können?
Der Rückruf von 123‘000 älteren Wagen und ein tödlicher Unfall mit dem Autopilot haben der Reputation geschadet. Schwerer wiegt, dass Tesla mit jedem verkauften Auto einen Verlust schreibt und die Kosten der Produktion durch Aufnahme von Kapital finanzieren muss. Ich bin aber zuversichtlich, dass Tesla es schafft, die Produktion zu steigern und die Kosten zu senken. Der charismatische Elon Musk wird auch künftig Investoren begeistern und Tesla die Mittel zur Verfügung stellen.
 
Spotify hat vergangene Woche beim IPO in New York auf Unterstützung von Banken verzichtet. Könnte das Beispiel des Onlinestreaming-Diensts Schule machen?
Das direkte Listing von Spotify und die Order-Abwicklung haben gut geklappt. Die künftige Entwicklung wird zeigen ob sich dieses Verfahren gegenüber dem traditionellen Book Building durchsetzt. Ich bin auf weitere IPOs mittels direktem Listing gespannt, die in den kommenden Monaten folgen werden.
 
Die US-Steuerreform ist nun seit einer Weile in Kraft. Wie stark haben US-Konzerne von den Steuersenkungen profitiert?
Die Steuerlast für Unternehmen ist erheblich gesenkt worden. Die Gewinnerwartungen und die Gewinnrevisionen der laufenden Periode sind deshalb nach oben geschnellt. Genaue Zahlen sind heute jedoch noch nicht verfügbar.