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Emerging Markets: Ein Hauch Exotik fürs Depot

chinesischer renminbi

Die Aussichten für Schwellenländer sind rosig. Privatanleger können sich mit Fonds ein Stück vom Renditekuchen abschneiden. Aber: Ohne Risiko kein Gewinn.

Von Christian Ingerl
am 30.01.2013

Ein turbulentes Jahr liegt hinter den Emerging Markets (EM). Auch wenn die Volkswirtschaften der Schwellenländer deutlich schneller gewachsen sind als die der Industrieländer, zeigte sich, dass sie sich nicht von der Schuldenkrise in Europa und den USA gänzlich ­abkoppeln konnten. Wachstumsdellen in vielen grossen Staaten wie Brasilien, China oder auch Indien stimmten Markt­teil­nehmer zwischenzeitlich bedenklich. Vor allem im 1. Semester 2012 tauchten die Kurse an den Emerging Marktes ab.

Allerdings blieben Regierungen und Notenbanken nicht untätig und stemmten sich mit vereinten Kräften gegen eine weitere Abkühlung. Beispiel Brasilien: Neben milliardenschweren Infrastrukturprogrammen senkten die Währungshüter den Leitzins seit Herbst 2011 in insgesamt zehn Schritten auf rekordtiefe 7,25 Prozent. Auch China und zahlreiche andere wachstumsstarke asiatische Länder wie Südkorea oder Indonesien rüsteten sich mit einer lockeren Geldpolitik gegen einen drohenden Abschwung.

Top-Renditen im Jahr 2012

An den Börsen zeigte sich ein gemischtes Bild. Während es für den brasilianischen Leitindex nur zu einer Nullrunde reichte, machten die Kurse in China und Indien prozentual zweistellige Gewinne. Insgesamt legte der breite MSCI Emerging Markets Index 2012 um knapp ein Fünftel zu. Noch besser schlugen sich ­einige aktiv gemanagte Fonds. Die Top 3 der EM-Fonds schafften sogar einen ­Anstieg von mehr als 30 Prozent. Einen besonders guten Job machten in den vergangenen Jahren der Danske Invest Global EM Small Cap sowie der Aberdeen Global EM Smaller Co A2, die sich auch auf Drei- und auf Fünf-Jahres-Sicht klar vor der Konkurrenz etablieren können. Anleger sollten bei ihrer Fondsauswahl stets einen längeren Zeitraum betrachten; nur wer sich über mehrere Jahre und verschiedene Marktphasen hinweg behaupten kann, sollte in die engere Fondsauswahl einbezogen werden.

Fondsmanager Toke Hjortshøj von Sparinvest mahnt zudem: «Obwohl vielfach angeführt wird, dass inzwischen ein neues Zeitalter angebrochen ist, in welchem die Schwellenländervolkswirtschaf­ten wesentlich unabhängiger geworden sind, mussten wir in den Krisenphasen schmerzlich erfahren, dass die Schwellenländer ohne die Industriestaaten nicht überlebensfähig sind – und umgekehrt.»

Brasilien gibt positive Impulse

Für das Gros der Analysten steht fest, dass die Weltkonjunktur stark an China gekoppelt ist. «Nach einem eher schwerfälligen Jahr 2012, gemessen an Chinas Massstäben, zeigt die Wirtschaft Zeichen einer Beschleunigung, was gut für Aktien sein sollte», sagt Fondsmanager Morgan Harting von AllianceBernstein. Auch die Experten von ING Investment Management teilen diese Meinung: «Die aktuelle Konjunkturerholung in China dürfte interessante Chancen für die Aktienmärkte der Emerging Markets bieten. Am besten sind derzeit China, Korea und Taiwan aufgestellt.» Als positiver Impulsgeber für die Schwellenländer könnte auch Brasi­lien bald wieder auftauchen, denn die ­Regierung am Zuckerhut hat weitere Massnahmen wie Steuerbegünstigungen für Exportunternehmen oder auch die Senkung der Produktionskosten zur Ankurbelung der Wirtschaft ver­abschiedet. Deka-Ökonom Mauro Toldo rechnet «mit einer signifikanten Wiederbelebung der Wirtschaft». Zwar wird für 2012 nur ein BIP-Anstieg von 1 Prozent erwartet, allerdings soll sich das Tempo im laufenden Jahr wieder auf 3,8 Prozent beschleu­nigen.

Als eine Art «Geheimtipp» gilt Mexiko. Obwohl die Wirtschaft im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich gewachsen ist, ist das Lohnniveau immer noch nied­-­rig – und das sogar im Vergleich zum Reich der Mitte. Daher lagern immer mehr US-Unternehmen ihre Produktionen in das mittelamerikanische Land aus. «Auch europäische Firmen errichten mittlerweile Fabriken in Mexiko, um von dort aus ihr US-Geschäft zu betreiben, anstatt ihre Produkte über den Pazifik aus China einzuführen», erklärt Portfoliostratege Hjortshøj. Von einer Konjunktur­erholung der grössten Volkswirtschaft der Welt würde Mexiko also besonders profitieren.

Eines aber ist klar: Das Reich der Mitte dürfte noch auf Jahre hinaus der wichtigste Treiber der Weltwirtschaft bleiben. Angesichts des guten Ausblicks – es wird mit einem BIP-Wachstum jenseits der 8-Prozent-Marke gerechnet –, der moderaten Verschuldung sowie der hohen Devisenreserven sollte keine Enttäuschung drohen. EM-Experte Harting von AllianceBernstein warnt jedoch: «Emerging Markets neigen dazu, sich in den meisten Marktphasen rund 50 Prozent volatiler zu verhalten als die meisten entwickelten Märkte.» Anleger sollten sich also auch der Tücken einer EM-Anlage bewusst sein. «Die Risikostreuung ist ein wichtiger Aspekt, um das Risiko, durch eine plötzliche Veränderung des politischen Umfelds in Mitleidenschaft gezogen zu werden, zu begrenzen», sagt Spar­invest-Experte Hjortshøj.

Die langfristigen Aussichten für die Schwellenländer bleiben nach wie vor ­rosig. Als Dynamo des Wachstums gilt der technische Fortschritt, welcher durch die ­Globalisierung beschleunigt wird. Das schnelle Wachstum der EM wird dafür sorgen, dass sich die Gewichte der Wirtschaftsregionen deutlich verschieben werden. Gemessen am BIP gehen Ökonomen davon aus, dass China im Jahr 2030 zur grössten Volkswirtschaft der Welt aufsteigt.

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