Die Perspektiven für Aktien aus Schwellenländern (Emerging Markets) sind aussichtsreich. Branchenexperten gehen in den nächsten Jahren von einem Wachstum von jährlich 6 bis 7% aus. Der Infrastruktursektor in China etwa sieht im aktuellen Fünfjahresplan ein Ausgabenplus von über 60% vor. Das entspricht einem Total von über einer Billion Dollar in den nächsten fünf Jahren.

Kurzfristig zeichnet sich jedoch ein anderes Bild. Die Börsen Chinas und Indiens sind aufgrund der Marktkorrekturen dieses Jahres mit Einbussen bis zu 30% bei Fondsmanagern nicht mehr sehr gefragt. Zusätzlich treibt die hohe Inflation, in China wird sie von Fachleuten auf bis zu 15% geschätzt, viele Fonds aus den Emerging Markets.

Kurzfristig schwieriges Umfeld

Christoph Schmid, Fondsmanager des Global Emerging Markets Fonds von Hyposwiss (Valor: 2706701/Performance im laufenden Jahr: –15,82%), macht dieses Szenario ebenfalls Sorgen: «Ein Überschwappen der Nahrungsmittelkrise auf andere Bereiche könnte die Inflation weiter verschärfen.» Kurzfristige Chancen sieht Schmid aber in Taiwan: «Der freundlichere Kurs der neuen Regierung gegenüber China macht das Land für Anleger interessant.» Deshalb ist zurzeit auch die grösste Einzelposition des Hyposwiss-Fonds in Taiwan.

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Der Fonds liegt mit seiner Performance aber deutlich unter dem des Welt-Aktienindex MSCI. Als Grund nennt Christoph Schmid die Underperformance von den im Fonds übergewichteten Small Caps gegenüber grossen Unternehmen, wie etwa letztes Jahr Mobilfunkanbieter China Mobile oder auch Mineralölunternehmen Petrobras. Small Caps leiden zudem schwerer unter der Finanzkrise, da es momentan schwieriger sei, an liquide Mittel zu kommen. Das sorgt aber auch dafür, dass Small Caps günstiger sind und Investoren so von zukunftsträchtigen Unternehmen profitieren können.

Ein Sonderfall ist Vietnam. Dort ist der Markt nach einer heissen Phase vorsichtiger geworden. Langfristig könne Taiwan China als Billigproduzenten ablösen und bleibt deshalb im Fokus der Investoren. Für Hyposwiss ist daher in den nächsten Monaten ein Einstieg in Vietnam wieder vorstellbar.

Urs Oberer, Head Fund Products bei den Sarasin Investmentfonds, ist zufrieden mit der Performance seines EmergingSar Global Fonds (Valor: 456294/Performance im laufenden Jahr: –11,39%). Die Anlagestrategie des Sarasin-Fonds soll deshalb nicht angepasst werden. Sie baut auf Diversifikation, quantitative Ländergewichtung und das systematische Rebalancing. Sarasin begegnet so einer anderen Schwierigkeit in Emerging Markets. Oberer: «Die hohe Volatilität ist ein Problem, deshalb sollte man breit diversifizieren und Geduld in die Investition haben.» Der Anlagehorizont sollte über 10 Jahre betragen, da es bei Schwellenland-Fonds Jahre mit einer negativen Rendite geben kann.

Langfristig lohnende Aussichten

Eine kurzfristige Zukunftsprognose für Schwellenländer ist schwierig. «In den nächsten drei bis sechs Monaten ist das Risiko, dass die Schwellenländer underperformen, am grössten», erklärt Christoph Schmid. Diese Entwicklung kann aufgrund der unsicheren Inflationsentwicklung und restriktiverer Geldpolitik erfolgen.