Mit einem Paukenschlag hat Julius Bär am 8. Januar gleich 24 neue Edelmetall-ETF auf den Markt gebracht. Gleichentags liess auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) vier neue Produkte kotieren. Und keine zwei Wochen vorher hatte die UBS ihren ersten Gold-ETF emittiert.

Dass Edelmetallprodukte zuhauf auf den Markt geworfen werden, kommt derweil nicht von ungefähr. Wer letztes Jahr in Gold investiert war, konnte eine ansehnliche Rendite erzielen: Der Goldpreis kletterte über 25%. Mittlerweile handelt das Edelmetall zu 1140 Dollar pro Unze. Noch lohnender war 2009 ein Investment in Silber mit 50% Performance, in Platin (57%) und in Palladium (121%).

Vier Anbieter im Wettbewerb

«Wir haben letztes Jahr rund 30% des ETF-Umsatzes mit Rohwaren-Fonds erzielt», sagt Alain Picard, ETF-Produktmanager der SIX Swiss Exchange. «Davon gehen schätzungsweise 90 bis 95% auf das Konto von physisch hinterlegten Edelmetall-Fonds.» Die Produkte haben also in der Vergangenheit bei Anlegern regen Absatz gefunden. Auf die Frage, welche Nachfrage bei den neuen Produkten zu erwarten ist, antwortet Picard: «In Europa gibt es keine vergleichbaren Produkte, die als Fonds reguliert werden.» Es sei deshalb denkbar, dass auch Anleger ausserhalb der Schweiz diese Produkte nachfragten.

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Vier Anbieter im Wettbewerb

Mittlerweile buhlen bei den Gold-ETF vier Anbieter um die Anlegergunst. Neben dem Platzhirsch ZKB ist seit über einem Jahr auch Julius Bär im Rennen. Pikant: Stephan Müller, der ETF-Produktmanager bei Julius Bär/GAM, war massgeblich an der Lancierung der ZKB-Produkte beteiligt. Nachzügler bei Gold-ETF sind die beiden Grossbanken. Im Oktober 2009 ist die Credit Suisse ins Geschäft eingestiegen, die UBS bietet seit Ende Dezember einen Gold-ETF an.

Durch ihre grosse Platzierungskraft dürften UBS und CS jedoch rasch beachtliche Vermögen in ihren Produkten vorfinden. Einen Bonus hat jedoch die Kantonalbank: «Für die ZKB bietet ihre Staatsgarantie einen grossen Werbeeffekt, wenn es um die Gold-Fonds geht», sagt Jakob Baur, Geschäftsführer von etfexplorer.com. Denn Sicherheit und Vertrauen spielen bei den Investoren, gerade weil es um Gold geht, eine grosse Rolle. Obwohl Julius Bär nicht die gleiche Marktmacht wie die Grossbanken vorweisen kann, setzt die Privatbank auf Innovation: Sie lancierte im November 2008 als erste Bank weltweit Gold-ETF mit einer Währungsabsicherung. Der Vorteil: Auch bei einem tiefen Dollar nimmt der Anleger am Goldpreisanstieg teil. Dieser Pluspunkt hat sich 2009 erheblich auf die Performance ausgewirkt. Wohl auch deshalb konnten die Julius-Bär-Vehikel 2009 mehr Zuflüsse generieren als die ZKB. Das will diese nicht auf sich sitzen lassen: Die jüngsten ZKB-ETF sind gehedgte Goldprodukte.

Julius Bär versus ZKB

Der Zweikampf geht damit in die nächste Runde: «In den kommenden Jahren setzen wir alles daran, dass wir die ZKB nicht nur bei den Wachstumsraten, sondern auch bei den verwalteten Vermögen überholen», so Müller. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Laut etfexplorer.com verwaltete die ZKB Ende 2009 60% aller in Gold-ETF investierten Vermögen. Julius Bär machte 25% für sich aus, während sich die CS mit 15% zufriedengeben musste.

NACHGEFRAGT

Stephan Müller, Produktmanager bei Swiss & Global Asset Management

«Bei Gold sind Anleger sehr emotional»

Der Produktmanager bei der GAM-Tochter Swiss & Global Asset Management sieht keine erhöhte Volatilität beim Gold wegen der hohen Zukäufe seitens von Index- fonds. Welches Expertenwissen müssen Anbieter von Edelmetall-ETF mitbringen?

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Stephan Müller: Bei physisch hinterlegten Rohstoffen ist ein grosses logistisches Know-how über Lagerung, Lieferung und Sicherheitsbestimmungen gefragt. Bei uns sind die Vermögen zu 100% physisch gedeckt. Anleger begrüssen das: Bei Gold sind sie sehr emotional. Ausserdem fällt bei Silber, Platin und Palladium Mehrwertsteuer an. Deren Handling ist komplex.

Ohne die Zukäufe der ETF wäre der Goldpreis nicht so stark gestiegen. Ist diese Korrelation nicht gefährlich?

Müller: Der Edelmetall-ETF-Markt ist sehr stabil. Ich glaube sogar, dass ETF eine gegen unten stabilisierende Wirkung bei Marktverwerfungen haben. Wenn man etwa die Preisentwicklung von Gold, Silber oder Palladium mit den ETF-Beständen vergleicht, bestätigt sich dieses Bild.

Was spricht für Investments in Silber, Platin und Palladium? Müller: Diese Edelmetalle werden vor allem industriell verwendet und damit von der Erholung der Weltwirtschaft besonders profitieren.

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