Der schweizerische Markt für strukturierte Produkte gilt als der grösste weltweit. Dies entdecken je länger, je mehr auch ausländische Anbieter und wollen den hiesigen Platzhirschen ihre Marktanteile streitig machen. So sind in den letzten Monaten verschiedene neue Player in den Schweizer Derivatemarkt eingetreten, so Morgan Stanley, Barclays Bank oder die Commerzbank. Die Anbieter müssen also den Kuchen mit immer mehr Konkurrenten teilen.

Vontobel will unter die Top Ten

Grosse Schweizer Derivateanbieter drehen deshalb jetzt den Spiess um, wie Recherchen zeigen: Sie strecken ihre Fühler ins Ausland aus. Zuoberst auf der Prioritätenliste steht der Derivatemarkt im nördlichen Nachbarland: Deutschland. So will etwa die hiesige Marktführerin Vontobel ihre Position dort weiter ausbauen. «Deutschland ist unser zweiter Heimmarkt, demnach ist dieses Geschäft für uns wichtig», sagt Georg von Wattenwyl, Leiter Advisory & Distribution Financial Products bei Vontobel.

Laut Vontobel ist man im deutschen Derivategeschäft derzeit mit einem Marktanteil von rund 1% der Handelsumsätze vertreten. «Das Ziel ist es, unter die Top Ten zu kommen», sagt von Wattenwyl. Dazu gehört auch der Ausbau des Personals im Bereich strukturierte Produkte: «Wir vergrössern das Team in Deutschland laufend», so von Wattenwyl weiter. Auch die Entwicklung auf anderen Märkten werde mit Interesse verfolgt.

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Die Zürcher Kantonalbank, aktuelle Nummer zwei im hiesigen Derivategeschäft, ist bislang im Ausland nicht präsent. Auf Anfrage heisst es jedoch: «Die ZKB plant die Börseneinführung von strukturierten Produkten an der Börse Stuttgart.» Die Vorbereitungen befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Bereits in naher Zukunft sollen die Expansionspläne von EFG Financial Products umgesetzt werden: «Wir planen, in den nächsten Monaten nach Deutschland zu expandieren», sagt Jan Schoch, CEO von EFG FP. «Derzeit bauen wir eine Plattform in Deutschland, von der aus der Vertrieb in den deutschen Markt erfolgen wird.»

Der deutsche Derivatemarkt ist im Gegensatz zum schweizerischen Pendant sehr viel stärker auf den Retailkunden ausgerichtet. Wegen der tiefen Listing-Gebühren ist auch der Sekundärmarkt viel grösser, und entsprechend höher ist die Anzahl kotierter strukturierter Produkte. Die grössten Anbieter von strukturierten Produkten in Deutschland sind Deutsche Bank, DZ Bank und Commerzbank. In der Schweiz gelten Vontobel, die Zürcher Kantonalbank, UBS und Deutsche Bank als tonangebend. Allerdings werden in der Schweiz bis zu 90% aller Derivategeschäfte «over the counter» (OTC) gehandelt und sind damit in keiner Statistik erfasst.

Asien ist auch Wachstumsmarkt

Das Interesse der hiesigen Anbieter von strukturierten Produkten beschränkt sich nicht nur auf Deutschland. So sagt etwa Schoch von EFG FP: «2010 stehen noch weitere europäische Länder und ausgewählte asiatische Märkte auf der Agenda.»

Auch die UBS möchte ihr Geschäft mit strukturierten Produkten im Ausland ausbauen. Im Fokus scheint dabei vor allem der asiatische Markt zu stehen «Wir planen, das Geschäft mit den strukturierten Produkten im Ausland weiterhin zu verstärken», sagt Vittorio Schiro, Head Equities Schweiz bei der UBS. Wichtige Märkte für öffentlich aufgelegte Produkte der UBS sind in Europa vor allem die Schweiz und Deutschland, in Asien Hongkong, Singapur und Südkorea. Das Geschäft mit strukturierten Produkten im Ausland sei wichtig, «da ein grosser Anteil der Erträge im Ausland erwirtschaftet wird», so Schiro. Er gehe davon aus, dass die strukturierten Produkte in einigen Märkten, vor allem in Asien, viel Aufwärtspotenzial böten. Die Credit Suisse sah sich ausserstande, die Fragen zu diesem Thema zu beantworten.

Julius Bär bleibt in der Schweiz

Julius Bär hingegen will sich vorerst auf den Schweizer Markt fokussieren. «Unsere externen Vertriebsaktivitäten im Bereich strukturierte Produkte sind auf den Schweizer Markt ausgerichtet», sagt Philipp Rickenbacher, Leiter Strukturierte Produkte. Zurzeit bestünden keine konkreten Pläne zur Errichtung externer Verkaufskanäle in anderen Ländern.