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Emmanuel Macron könnte die Börse antreiben

Emmanuel Macron
Emmanuel Macron: Sein Reformkurs könnte die Pariser Börse beflügeln.Quelle: Keystone .

Frankreichs Präsident plant eine Steuerreform. Der Börse hat das bisher kaum geholfen. Dabei hat der Leitindex CAC 40 sogar kurzfristig Potential.

Von Georg Pröbstl
am 15.04.2018

Er wurde gefeiert und in Medien hochgejubelt. Man hatte den Eindruck, da komme ein neuer Heilsbringer. Die Wahl von Emmanuel Macron im Mai vor einem Jahr sorgte nicht nur für eine Euphoriewelle unter den Politikern der EU, sondern brachte auch dem französischen Aktienmarkt schöne Kursgewinne. Innerhalb weniger Wochen zog es den Pariser Leitindex CAC 40 um fast 10 Prozent nach oben. Das ist nicht lange her. Doch die Euphorie ist in vielen Teilen gewichen – und jetzt gibt es Streiks.

Etwa bei Air France. Die Mitarbeiter der Fluggesellschaft fordern mehr Geld und legen die Arbeit nieder. 170 Millionen Euro durch Flugausfälle soll das Air France in den letzten Wochen schon gekostet haben. Auch bei der französischen Bahn wird gestreikt. Dort geht es vor allem um uralte Privilegien der Belegschaft wie hohe Pensionen und frühen Eintritt in die Rente. Die Arbeitsausstände kosten die staatliche Bahngesellschaft SNFC pro Tag etwa 20 Millionen Euro. Werden alle angekündigten Streiks auch umgesetzt, könnte die Rechnung am Ende bei etwa 700 Millionen Euro stehen. Aber auch in Frankreichs Supermärkten oder bei der Müllabfuhr rumort es im Personal: Die Gewerkschaften des Landes üben die Machtprobe mit Staatspräsident Emmanuel Macron: Es geht gegen die Reformen des Politikers am Arbeitsmarkt und im Sozialstaat.

Steuersenkungen und mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt

Zumindest hat Macron seit seinem Amtsantritt im Mai vor einem Jahr schon ein paar Dinge erreicht. Dazu zählen im Arbeitsrecht etwa mehr Flexibilität der Unternehmen beim Aushandeln der Löhne oder im Kündigungsschutz und bei Abfindungen im Falle einer Entlassung.

Neben den geplanten Kürzungen im Sozialbereich etwa bei der Bahn, hat Frankreichs Staatschef weitere Dinge auf der Agenda wie etwa die Senkung der Unternehmenssteuern von 33,3 auf 25 Prozent bis 2022 und Steuerentlastungen für Investoren, um Geld im Land zu halten und Investitionen anzukurbeln.

Zwar sind viele Punkte noch nicht umgesetzt und selbst die umgesetzten Reformen brauchen ihre Zeit, bis sie sich voll entfalten, aber das unternehmerfreundlichere Politikklima zeigt schon jetzt erste Folgen. «Die Auslastung der Produktionskapazitäten ist so hoch, wie zuletzt 2010 und auch der Konsum springt an und hat ein Zehnjahreshoch erreicht», berichtet Antoine Deix, Analyst bei BNP Paribas.

Die Arbeitslosenquote fällt, das Wachstum steigt…

Laut Angaben der Bank liegt die Beschäftigungsquote im Land inzwischen wieder mit etwa 55 Prozent auf dem höchsten Level seit 2002 und die Arbeitslosenquote ist im Rückwärtsgang und ist mit etwa 9 Prozent so tief wie seit 2009 nicht mehr. Zudem kommt auch die Konjunktur wieder in Schwung. Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandprodukt um 1,9 Prozent und für 2018 rechnet BNP Paribas mit einer Beschleunigung des Wachstums auf 2,4 Prozent.

Und die Börse? Seit den Mai-Hochs 2017 treten die 40 Titel im CAC 40 per Saldo auf der Stelle. Immerhin: Im Vergleich zum europäischen Aktienmarkt mit dem EuroStoxx 50 ist das doch noch eine kleine Outperformance. Denn die Blue Chips im Euro-Raum verloren seit Mai vor einem Jahr rund 5 Prozent an Wert. Da könnte aber noch deutliches Potential im CAC 40 bestehen.

… die Stimmung an der Börse ist derzeit wenig euphorisch

«Die Stimmung für die Börse in Frankreich ist derzeit weniger euphorisch als vor einem Jahr. Aktuell wurden die Gewinnschätzungen für die Unternehmen des Landes sogar nach unten revidiert. Da aber aktionärsfreundliche Reformen gemacht wurden, sollte sich das eigentlich eher positiv auf die Gewinnerwartungen auswirken», kommentiert BNP-Experte Deix.

Der Analyst erwartet von der Flexibilisierung am Arbeitsmarkt schnelleres Lohnwachstum, tiefere Arbeitslosenquoten und eine Schubwirkung auf den Konsum. «Wir können auch nicht erkennen, dass die erwarteten Steuersenkungen schon in den Kursen drin sind, der Markt hat das bisher möglicherweise noch übersehen», sagt der Aktienexperte.

Behält der Analyst recht und erkennen Anleger die Vorteile einer Steuersenkung für französische Unternehmen, dann könnte an der Börse Paris bald die Post abgehen. Denn auf der anderen Seite des Atlantiks brachte die Ankündigung von Steuersenkungen durch Präsident Trump an den US-Börsen einen enormen Kursaufschwung. Seit der Wahl von Trump und mit der Ankündigung von Steuersenkungen für Firmen in den USA Ende 2016 gingen die Aktie der Wall Street um 30 Prozent nach oben, seit vergangenem Mai steht immerhin ein Plus von 20 Prozent zu Buche.

Geplante Steuerreform – die Kurse an der Börse sollten deutlich steigen

Kann Macron seine Steuerreform wie gewünscht umsetzen, dürfte das die Gewinne von Frankreichs Unternehmen um geschätzt knapp 15 Prozent nach oben ziehen. Bei gleichbleibender KGV-Bewertung sollten die Kurse entsprechend zulegen. Gewinnsteigerungen auf Grund weiterer Reformschritte sind da noch gar nicht drin.

Anleger, die auf einen breiten Kursanstieg an der Börse Paris setzen wollen, greifen zu einem Indexprodukt auf den CAC 40. Mit einem Faktorzertifikat (ISIN: CH0353671727, Laufzeit endlos) profitieren sie dabei mit konstantem 8er-Hebel von Kurssteigerungen des Index. Möglicherweise kommt es dort sogar schon kurzfristig zu einem Aufschwung. Denn der Chart des CAC 40 notiert an der 100- und 200-Tage-Linie. Fallen diese Marken, könnte das für charttechnisch orientierte Anleger ein Kaufsignal sein und schnell schöne Kurssteigerungen im Index auslösen.

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