Die Untergangspropheten haben ein leichtes Spiel. Spätestens seit dem fatalen Ende der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin Anfang Jahr weiss man, wie verwundbar die hiesige Finanzbranche ist. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass nicht neue Analysen und Projektionen den weiteren Niedergang vorwegnehmen. Selbst Bankchefs prophezeien ihrer Zunft eine düstere Zukunft, wie unlängst Zeno Staub. In den nächsten fünf Jahren würden 100 Banken verschwinden, sagte der Chef des Zürcher Traditionshauses Vontobel im Interview mit der «Handelszeitung».

Vor diesem Hintergrund fragt sich manch besorgter Beobachter: Sind es 10'000, 20'000 oder gar 100'000 Stellen, die im Schweizer Banking in nächster Zeit verschwinden? Werden 50, 100 oder 1000 Milliarden Franken an Kundengeldern abfliessen? Haben die Grossbanken bereits Dimensionen erlangt, die sie unkontrollierbar machen? Die Meinungen sind gemacht – vielleicht allzu überhastet, wie die zwölf Thesen der Serie auf «Handelszeitung Online» zeigen.

7. These: Das Outsourcing stärkt den Schweizer Bankenplatz

Arbeitsplatzverlagerungen nach Osteuropa oder nach Asien sind unpopulär. Dabei ist die Bankbranche wahrscheinlich einer der letzten Wirtschaftszweige, bei denen Unternehmen meinen, die ganze Wertschöpfungskette ihres Angebots selber unterhalten zu müssen.

Wenn die Schweizer Banken weiterhin wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und alles andere delegieren.

Fazit: Outsourcing im weitesten Sinne, also auch über Kooperationen innerhalb der Schweiz, wird zum Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Schweizer Bankbranche. Dadurch entstehen sogar neue Arbeitsplätze.

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8. These: Erst der nächsten Chef-Generation wird man wieder vertrauen

Im Zuge der epochalen Veränderungen im Swiss Banking sind bereits viele Chefetagen umgepflügt worden. Trotzdem sucht man neue Lichtgestalten der Branche vergebens. Das kommt nicht von ungefähr.

Die derzeitigen Chefs sind immer noch Teil des alten Systems, das seine Glaubwürdigkeit verspielte. Ihr Aufstieg an die Spitze erfolgte in den goldenen Zeiten des Schweizer Bankwesens und unter jenen Führungsgestalten, die für die Exzesse hauptverantwortlich sind.

Fazit: Erst die nächste Generation, die sich jetzt in der zweithöchsten Hierarchiestufe bewährt, wird in einigen Jahren das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder erlangen – dann wird auch die Politik wieder auf Schmusekurs mit den Banken gehen.

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Morgen auf «Handelszeitung Online»: Die Thesen zu branchenfremden Akteuren und totgesagten Bankfilialen.

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