KREDITKRISE. Das 4. Quartal 2007 dürfte einige Überraschungen bereithalten. «Je länger die Verwerfungen an den Kreditmärkten anhalten, desto mehr geraten die Hauptakteure ins Trudeln», sagt Roger Kunz, Chefstratege der Privatbank Clariden Leu.

Durchblick erst Ende Jahr

Einigen Investmentbanken drohen schon heute weitere Abschreiber. Entsprechend verunsichert sind die Anleger, denn viele haben vermutet, die Banken hätten bereits im 3. Quartal reinen Tisch gemacht. «Sicher haben die zusätzlichen Abschreibungen überrascht», sagt Thomas Steinemann, Chefstratege der Vontobel-Gruppe, «doch die Zahlen, die derzeit herumgeboten werden, sollten ausreichen.» Er erwartet, dass dieses Kapitel nach dem 4. Quartal endgültig abgeschlossen werden kann. Skeptischer ist Philipp Bärtschi, Equity Strategist bei der Bank Sarasin. Bei Ausbruch der Kreditkrise hat die US-Notenbank Fed wegen der Subprime-Krise mit einem Verlust von 100 bis 200 Mrd Fr. gerechnet. «Bislang haben wir erst einen Drittel davon gesehen», so Bärtschi. Auch die Bank Wegelin erwartet, dass die Investmentbanken noch bis ins Jahr 2008 hinein mit der Krise zu kämpfen haben werden. In den nächsten Quartalen wird sich herauskristallisieren, welche Banken in welchem Ausmass betroffen sind. «Einzelne Banken können bankrott gehen, insgesamt ist das Bankensystem aber gut kapitalisiert», meint Anastassios Frangulidis, Leiter Volkswirtschaft und Anlagestrategie International bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Und falls notwendig, würden die Notenbanken Liquidität bereitstellen. In der Schweiz sind die betroffenen Grossbanken ohnehin solide finanziert (siehe Geldfrage). Die Krise beschränkt sich bisher auf den Finanzsektor. Dieses Szenario steht für Steinemann von der Vontobel-Gruppe weiterhin im Vordergrund. Auch Roger Kunz von Clariden Leu ist optimistisch, dass sich die Verwerfungen bald legen. «Bisher gibt es kaum Hinweise, dass die Krise stark auf die Gesamtwirtschaft durchschlägt.»

Robuste Aktienmärkte

Die Aktienmärkte haben sich seit Ausbruch der Kreditkrise zwar insgesamt gut gehalten, wurden in den letzten Tagen aber erneut von den Finanztiteln gedrückt. Die Sorge der Investoren, dass die Krise noch weitere Kreise zieht, lastet auf den Aktien der Banken. Im Gegensatz zum Beginn der Krise wurde zuletzt aber vor allem der Finanzsektor abgestraft. «Die Finanzbranche muss auch als einziger Sektor 10 bis 20% tiefere Gewinne hinnehmen», so Frangulidis von der ZKB. Die übrigen Sektoren zeigten unterdessen eine starke Widerstandskraft. Dies liegt laut Bärtschi von Sarasin daran, dass an den Aktienmärkten noch immer genügend Liquidität vorhanden ist. Anleger suchten weiterhin nach lukrativen Anlagen und investierten daher vermehrt in andere Sektoren. Die Aussichten für die Aktienmärkte schätzt er deshalb wie die meisten anderen Experten weiterhin positiv ein. Die Bankaktien hätten extrem nach unten korrigiert, so Kunz von Clariden Leu. Dagegen sieht Thomas Lips, Chief Investment Officer von der AIG Private Bank, den Boden noch nicht erreicht. Wegen des starken Gewichts der Banktitel dürfte deshalb auch der Schweizer Markt noch einigem Druck ausgesetzt sein.

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