Die US-Internationale Handelskommission (USITC) stellte sich im Streit zwischen chinesischen und US-Stahlerzeugern auf die Seite der Amerikaner. Die USITC urteilte, dass die US-Industrie durch eine Flut von subventioniertem Stahl aus China geschädigt worden sei.

Dieser Beschluss, der wahrscheinlich Zölle zwischen 10 und 16% auf künftige Importe chinesischer Stahlrohre für Erdgas- und Ölbohrungen nach sich zieht, ist der letzte in einer Kette von Handelsentscheidungen gegen China und verschärft die Spannungen im Handel zwischen den beiden Nationen. Letzte Woche führten die USA vorläufige Anti-Dumping-Zölle auf Stahlgitterimporte aus China ein. Bereits zuvor hatte die Obama-Regierung 35% Zoll auf chinesische Autoreifen erhoben. An der Dollarsumme gemessen ist der Stahlrohrfall der grösste der USITC. Wegen des Nachfragerückgangs für Stahlprodukte und der Rezession müssen Stahlerzeuger nun um einen kleineren Kundenkreis kämpfen.

Weiterzug in der Schwebe

Die chinesische Regierung kann den Beschluss bei der Welthandelsorganisation anfechten. Die chinesischen Stahlhersteller können dies beim Bundesgericht in New York tun, das Handelsfälle bearbeitet. Daniel Porter vertritt als Washingtoner Anwalt die chinesischen Exporteure. Ob überhaupt angefochten werden kann, wird seiner Meinung nach erst in einigen Wochen entschieden. Die Chinesen führen an, dass die US-Stahlindustrie besonders 2008 Rekordgewinne eingefahren habe. Ausserdem behaupten sie, dass chinesische Importe stiegen, um der Nachfrage in den USA gerecht zu werden. «Schwer zu glauben, dass diese Importe schädigend sein sollten», sagt Porter. Laut den amerikanischen Stahlherstellern wurden so viele Importe aus China ins Land gepumpt, dass die Preise schliesslich um die Hälfte fielen und die Lager überquollen. Die Importe aus China seien der Grund, warum fast die Hälfte der 6000 in der inländischen Rohrindustrie Beschäftigten entlassen wurde.

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Käufer von chinesischen Stahlrohren, die diese an Bohrfirmen weiterverkaufen, sind nunmehr in einer schwierigen Lage. «Durch den Ausschluss des chinesischen Stahls wird ein enormer Druck auf die Rohrindustrie ausgeübt», meint Mike Jordan, Chef der Mike Jordan Co. in Fort Smith, Arkansas. Seine Firma, die in den vergangenen drei Jahren jährlich 250 Mio t an Stahlrohren verkauft hatte, sei auf der Suche nach Produkten aus anderen Ländern als China. Es gebe allerdings nicht genügend Stahlwerke auf der Welt, die den Stahltyp, der für die Bohrungen in den USA gebraucht werde, in entsprechender Qualität herstellten.

Höhere Stahlpreise

Er prognostizierte, dass die heimischen Stahlhersteller deshalb die Preise erhöhen werden. Die Steigerung werde vermutlich in der Folge an die Erdgasnutzer weitergegeben.