Die globale Wirtschaftskrise hat den Unternehmen des Transportsektors doppelt hart zugesetzt. Doch jetzt zeigt sich, dass in der Globalisierung auch die Rettung liegen dürfte. Während nämlich der Landverkehr in Europa immer noch darniederliegt, gibt es im Bereich Seefracht bereits Zeichen einer Erholung.

Gefragte Kontraktlogistik

Dies belegen nicht zuletzt die Zahlen, welche die in der Seefracht führende Schweizer Firma Kühne+ Nagel (K+N) für die letzten neun Monate vorlegten. Die Volumen im mit 56% Prozent Ertragsanteil wichtigsten Standbein des Logistikers lagen in den letzten neun Monaten noch 8,5% im Minus, nachdem sie während des 3. Quartals 11% zugelegt hatten. «Ein Minus von 5% erscheint realistisch für das ganze Jahr», sagt CEO Reinhard Lange auf Anfrage (siehe Seite 2). Leicht besser zeigte sich auch das Segment Luftfracht. Der Reingewinn des Konzerns lag indessen mit 387 Mio Fr. in den letzten neun Monaten über 14% tiefer als im Vorjahr. Trotzdem: Die Zahlen bestätigen den Vertrauensvorschuss, mit dem die Anleger die Wachstumsbranche Logistik bedacht haben. 2009 kletterte der Bloomberg EMEA Transportation Index um 30%, die Aktie von K + N legte um 40%, jene der Schweizer Konkurrentin Panalpina gar um 50% zu.Eine interessante Wende zeigt sich auch im Bereich Kontraktlogistik. Die Auslagerung der Warenlagerung und -Verteilung an spezialisierte Unternehmen stand während den Boomjahren hart in der Kritik - Firmen gäben damit einen Teil ihres Handlungsspielraums preis, lautete das Verdikt. Jetzt, wo der Handlungsspielraum so eng ist wie selten zuvor, zeigt sich, dass Unternehmen über die Kontraktlogistik ihre Kostenbasis nochmals herunterfahren können. Das hat einen kleinen Run auf die Anbieter ausgelöst und damit die Beharrlichkeit von K + N und anderen Mitbewerbern belohnt, die viel Geld in den Bereich investiert haben. So konnte K+N jüngst Kontraktlogistik-Verträge mit Hilti, BMW und Magna abschliessen und erzielte in dieser Sparte im 3. Quartal eine Betriebsgewinnmarge von knapp 5%. Konkurrentin Panalpina zog derweil Verträge mit Kones, KCA Deutag und Thomson an Land. Marktführer bleiben aber vorläufig DHL und Ceva.Wer im Rennen um Marktanteile die Nase vorn behält, darauf werden auch die Investoren in Zukunft noch stärker achten. Der zersplitterte Logistikmarkt steht vor einer weiteren Konsolidierungswelle - und grosse, globale Spieler wie K+N sind in der Lage, davon zu profitieren. Aktionäre des in Schindellegi SZ beheimateten Konzerns können deshalb mit Akquisitionen rechnen.

Fragezeichen bei Panalpina

Ein besseres Umfeld würde auch dem Aktienkurs von Panalpina helfen. Allerdings belasten diesen immer noch die Rechtskosten wegen mutmasslicher Schmiergeldzahlungen in Nigeria, ausserdem strengen die Kartellrechtwächter in den USA, der EU und Schweiz Untersuchungen gegen Panalpina an. Für Anleger noch schwerer wiegt jedoch, dass das Management auch diesen Oktober noch keinen Morgenröte für das Geschäft sieht. Für Klärung sorgen muss jetzt der 3.-Quartals-Bericht vom 5. November.

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