Kaum eine Branche hat von der Globalisierung mehr profitiert als Spediteure und Logistiker. Dank dem weltweiten Fluss von Waren, Rohstoffen und Energieträgern zur See, in der Luft, auf der Strasse und Schiene sind international tätige Transportunternehmen nach Expertenschätzungen bis 2008 doppelt so schnell gewachsen wie die Weltwirtschaft. Anleger profitierten: Die Aktie von Kühne + Nagel etwa bescherte den Aktionären zwischen 1998 und dem Höhepunkt Ende 2007 einen Kursgewinn von über 1000%.

Seit der 2.Jahreshälfte 2008 schlägt der erfolgsverwöhnten Branche jedoch ein kalter Wind entgegen. In der Krise haben Unternehmen ihre Lager abgebaut, anstatt die Transportvolumen zu steigern. In der Folge ging das Luftfrachtvolumen nach Angaben der Luftfahrtvereinigung IATA im Jahr 2009 um 10% zurück, der Seetransport nahm um 12% ab.

Zunehmender Preisdruck

Seitdem herrscht zwischen den Spediteuren ein Preiskampf. Seine Spuren sind den Umsätzen anzusehen. So sanken die Umsatzerlöse von Kühne+Nagel im vergangenen Jahr um beinahe 20%. Den Mitbewerber Panalpina hat es noch schlimmer erwischt: Nach Analystenschätzungen dürfte hier der Umsatzrückgang 34% betragen, gepaart mit einem Verlust von Marktanteilen. «Panalpina scheint nicht zu gleichen Preiszugeständnissen wie die Mitbewerber bereit gewesen zu sein», erklärt Marco Strittmatter von der ZKB.

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Zeitweise profitiert haben die Logistiker von niedrigen Frachtraten der Beförderer, etwa von Reedereien, welche dadurch, wie die deutsche Hapag-Lloyd, in arge Bedrängnis gerieten. Mittlerweile zieht der Welthandel wieder an. Die Frachtraten steigen, was nach Einschätzung von Chris Burger von Helvea in diesem Quartal weiter auf die Margen von Logistikern drücken wird: «Die Frachtraten können nicht ohne zeitliche Verzögerung auf die Kunden überwälzt werden», erklärt der Analyst.In die Zukunft der Logistikbranche blicken Experten optimistisch. Das Outsourcing-Geschäft gewinnt wieder an Fahrt. Das Transportvolumen von Kühne+Nagel hat in den ersten beiden Monaten 2010 20 bis 30% zugelegt.

Das stabilere Umfeld und stabile Preise dürften aber vor allem Panalpina in die Hände spielen, schätzt Burger. Für weitere Erleichterung dürfte der Vergleich mit dem US-Justizdepartement sorgen, der für die 1. Jahreshälfte 2010 erwartet wird. Kunden von Panalpina werden verdächtigt, im ölreichen Nigeria Bestechungsgelder bezahlt zu haben, um bei der Zollabfertigung bevorzugt behandelt zu werden.

Mittlerweile hat sich Panalpina, die im lukrativen Öl- und Erdgastransportgeschäft noch vor Kühne +Nagel weltweit führend ist, aus Nigeria vollständig zurückgezogen. Kartellrechtliche Untersuchungen der amerikanischen, europäischen und schweizerischen Wettbewerbsbehörden, von denen auch Kühne+Nagel betroffen ist, sind dagegen noch nicht vom Tisch.

Operativ setzt Panalpina, die ihr Jahresergebnis am 11. März publiziert, zunehmend auf integrierte Lösungen «von Tür zu Tür», wie es Kühne+Nagel bereits seit Längerem tut. Ausserdem bemüht sich das Management darum, die Abhängigkeit von Grosskunden aus der Automobil- und Hightech-Industrie zu verringern, weil deren Frachtvolumen einerseits hochgradig konjunkturabhängig sind und sich Preiserhöhungen nur schwer durchsetzen lassen.

Der Aktie von Panalpina trauen Analysten von Helvea mittelfristig weiteres Kurspotenzial zu. Unsicherheiten bestünden aber bezüglich der Höhe der Vergleichszahlung an die USA.

Die Aktie von Kühne+Nagel dagegen hält Helvea für zu hoch bewertet und rät zum «Halten» des Titels.