Am Donnerstag, 4. Juni, präsentiert die Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg (EGL) das Ergebnis des 1. Halbjahres. Die vor wenigen Tagen angekündigte Expansion des Energiehändlers nach Grossbritannien wurde von den Anlegern nicht goutiert, was leichte Kursabschläge zur Folge hatte. Dennoch kann die Aktie seit Ende März mit einem Plus von rund 15% eine respektable Performance aufweisen.

Wundertüte Handelsergebnis

Vergleichsweise enttäuschend präsentiert sich der Kursverlauf (-5%) von Energiedienst. Dies, obwohl die zuletzt vermeldeten Resultate die Erwartungen übertrafen. Die Mehrheitsbeteiligung des Energieriesen Energie Baden-Württemberg (EnBW) wirkt sich negativ auf den Valor des Energiehändlers aus. Das süddeutsche Unternehmen ist mit 81,7% an Energiedienst beteiligt. Durch den geringen Free Float der Aktie droht der Ausschluss aus dem Swiss Performance Index (SPI) und damit der Verlust der Nachfrage von institutionellen Anlegern mit Anlageuniversum SPI. Mit Gegenmassnahmen, also Verkäufen von EnBW, ist jedoch demnächst zu rechnen, das könnte der Energiedienst-Aktie wieder Auftrieb verleihen.

EGL übertraf im letzten Jahr das Handelsergebnis des Vorjahres um 200%. Doch sind Prognosen im Energiehandel schwierig und die schwache Konjunktur drückt auf die Energiepreise. «Wir erwarten, dass die Liquidität im Stromhandel durch eine geringere Anzahl von Counterparts beeinträchtigt wurde, was auch EGL im abgelaufenen Halbjahr zu spüren bekommen hat», so Andreas Escher, Analyst der Bank Vontobel. Gegenparteien in der Energiebranche gehören neben Grosshandelskunden zu den wichtigsten Handelspartnern der Laufenburger.

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Dennoch rechnet man bei Vontobel mit einem soliden Halbjahresresultat von EGL. «Wir gehen davon aus, dass die modernen, italienischen Gaskombi-Kraftwerke im Regelbetrieb eingesetzt wurden», so Escher. Dieser Bereich sei etwas weniger konjunkturabhängig als die reine Versorgung. Die Terminstrompreise hätten sich von den Tiefstständen erholt und EGL dürfte durch die freie Energie aus günsti-ger Schweizer Produktion von einem weiteren Anstieg profitieren.

Stromtarife legen zu

Der Strompreis in der Schweiz setzt sich zu 55 bis 60% aus Netzkosten, 35% aus den eigentlichen Energiekosten sowie weiteren 5% bis 10% für Steuern und Abgaben zusammen. «Es ist davon auszugehen, dass vor allem der Preis für den weniger regulierten Energieteil weiter steigen wird», sagt Escher von der Bank Vontobel, «aber die Sachlage ist intransparent und die Gesetzgebung wohl noch zu wenig ausgereift.»

Die zusätzlichen gesetzlichen Abgaben für Systemdienstleistungen und die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) sowie die Bewertung der Netze sind politisch umstritten. Das Pipelineprojekt Trans Adriatic Pipeline (TAP) ist politisch ebenfalls etwas heikel. Die mit anderen Unternehmen geplante Rohrleitung soll dereinst den Iran mit Europa verbinden und für EGL eine lukrative Beschaffungsmöglichkeit für die italienischen Kraftwerke darstellen. Die Experten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) rechnen jedoch erst zum Ende dieses Jahres mit einem Investitionsentscheid.

Auch wenn mit der Anfälligkeit auf politische Einflussnahme ein weitgehend unberechenbarer Faktor bleibt, ist die Branche für Anleger interessant. Die Titel verfügen über defensive Qualitäten.

Aus dem Sektor der Versorger empfehlen die Experten der Bank Vontobel überdies Romande Energie, Energiedienst, den Partizipationsschein der Rätia Energie sowie Valoren der neu gegründeten Alpiq Holding.

Alpiq Liebling der Analysten

Bei der Bank Vontobel ist man überzeugt, dass die Inbetriebnahme vom neuen 1200-MW-Speicherkraftwerk im Wallis sowie die Synergien von EOS und der ehemaligen Atel noch nicht im Kurs reflektiert sind, und empfiehlt die Alpiq-Aktien zum Kauf. Durch die indirekte Beteiligung an Alpiq Holding wird auch Romande Energie vom Kraftwerk profitieren.