Mit Alcoa ist die Berichtssaison in den USA bereits richtig gestartet, in der Schweiz eröffnet der Genfer Warenprüfer SGS am 15. Januar den Blue-Chip-Reigen. «Es wird viele Enttäuschungen geben, aber auch ein paar positive Überraschungen», erwartet Alfred Roelli, Leiter Finanzanalyse bei der Privatbank Pictet. Enttäuschen könnten vor allem Industriefirmen, die bis anhin «Durchhalteparolen» ausgegeben haben.

Eher besser abschneiden als erwartet dürften dagegen Finanzunternehmen: «Die Erwartungen sind nach den zahlreichen Hiobsbotschaften sehr tief, da können bereits kleine positive Überraschungen zu grossen Kursgewinnen führen.» Anleger warten gespannt auf die weiteren Jahresresultate der Firmen. «Im September und Oktober hat sich die Welt völlig verändert, dies wird sich jetzt in den Jahresergebnissen zeigen», sagt Anastassios Frangulidis, Leiter Volkswirtschaft und Anlagestrategie International bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Ein Augenmerk liegt auch auf dem Gewinnausblick, den die Unternehmen für das Geschäftsjahr 2009 geben werden. Angesichts der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten dürfte der Ausblick bei den allermeisten Firmen sehr vage und vorsichtig ausfallen.

Zu hohe Gewinnschätzungen

Die Prognoseunsicherheit zeigt sich auch daran, dass die Gewinnerwartungen der Analysten für das 4. Quartal 2008 sehr weit auseinander liegen. Bereits seit einem Jahr passen die Experten ihre Gewinnschätzungen nach unten an, historisch einmalig waren die Reduktionen aber erst in den letzten Monaten.

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Im Dezember sind die Gewinnschätzungen 2008 gemäss Institutional Brokers Estimate System (IBES) für die am Schweizer Markt kotierten Unternehmen nochmals um rund 9% gesunken. Zurzeit rechnen die amerikanischen und die europäischen Analysten für 2008 mit einer Schrumpfung der Gewinne von 9 bzw. 5,5%. 2009 soll es hingegen bereits wieder zu einem Gewinnwachstum von 11 bzw. 6% kommen.

«Doch die Analystenschätzungen sind immer noch zu hoch», ist Frangulidis von der ZKB überzeugt. «Höchstwahrscheinlich wird das Gewinnwachstum auch 2009 negativ.» Dies wäre dann ein weiteres Jahr, in dem die Unternehmensgewinne zusammenschrumpfen.

Herausforderung für Märkte

Auch die Analysten der US-Grossbank Citigroup vermuten, dass angesichts der düsteren konjunkturellen Grosswetterlage die Gewinnschätzungen weiter gesenkt werden müssen. Da die weltweite Nachfrage im 4. Quartal 2008 regelrecht eingebrochen ist, erwarten sie, dass sich die Gewinne in der aktuellen Rezessionsphase halbieren werden.

Citigroup erwartet für 2009 den deutlichsten Ergebnisrückgang in den letzten 40 Jahren, was sich als starker Gegenwind für die weltweiten Aktienmärkte entpuppen könnte. Die angelaufene Berichtssaison stelle dabei eine besondere Herausforderung für die Aktienmärkte dar.

 

 


Tiefe Erwartungen an US-Banken bei UBS wird hoher Verlust befürchtet

Die Erwartungen an die Abschlüsse der US-Banken, die in den nächsten Wochen vorgelegt werden, sind bereits tief. JP Morgan hat die Publikation zum 4. Quartal auf den 15. Januar vorverlegt. Bank of America, die Merrill Lynch übernommen hat, wird am 20. Januar das Ergebnis präsentieren und Citigroup folgt am 22. Januar. Die für ihre kritischen Bankkommentare bekannte Oppenheimer-Analystin Meredith Whitney erwartet, dass die amerikanischen Banken im 4. Quartal 2008 nochmals über 40 Mrd Dollar abschreiben oder zurückstellen müssen und deshalb 2009 weitere Kapitalerhöhungen notwendig sein werden.

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Aus den Abschlüssen der US-Banken können Analysten auch einige Rückschlüsse auf die Schweizer Grossbanken ziehen. Die UBS muss zumindest auf den Risikopositionen, die sie an die Schweizerische Nationalbank (SNB) ausgelagert hat, nichts mehr abschreiben. Jetzt sitzt die Bank noch auf Beständen von 4,3 Mrd Fr. bei Kreditversicherern und 4,7 Mrd Fr. bei Übernahmefinanzierungen. In letzterer Position ist auch der Kredit an ein konkursites Petrochemieunternehmen enthalten. Der Kredit an LyondellBasell dürfte das Ergebnis mit 0,5 Mrd bis 1 Mrd Fr. belasten, sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Javier Lodeiro. Für 2008 erwartet er insgesamt einen Vorsteuerverlust in der Höhe von 20 Mrd Fr. Allein für das 4. Quartal 2008 schätzen Analysten den Verlust auf durchschnittlich 4 bis 6 Mrd Fr. Es gibt auch Spekulationen, wonach die UBS noch eine Gewinnwarnung publizieren muss. Dies wäre der Fall, wenn der Verlust deutlich höher ausfällt als am Markt erwartet. Lodeiro rechnet allerdings nicht damit: «Normalerweise hat die UBS kurz nach Quartalsende gewarnt.»

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Die Credit Suisse musste Anfang Dezember für das 4. Quartal 2008 eine Gewinnwarnung aussprechen. Die Bank rechnet per Ende November mit einem Reinverlust von 3 Mrd Fr. (ng)