Was die Anleger in den letzten Tagen erlebt haben, ist eine schallende Ohrfeige. Die Aktien der Versicherer galten mit Ausnahme von AIG und Swiss Re bis anhin als krisensicherer als die Wertpapiere der Grossbanken, die im Gefolge der Subprime-Krise enorme Wertverluste hinnehmen mussten. Nun haben aber Swiss Life und Bâloise Halbjahreszahlen vorgelegt, die Analysten wie Anleger schwer enttäuschten. Die Folge sind enorme Kursverluste und, was noch schwerer wiegt, ein Vertrauensverlust, der die Attraktivität der Titel in den nächsten Monaten schwer beeinträchtigen dürfte.

«Verkauf» lautet die Empfehlung

Swiss Life musste eine ganze Reihe von Rückstufungen hinnehmen. Die Analysten der Société Générale haben ihre Gewinnprognosen für die Jahre 2008 bis 2010 deutlich nach unten korrigiert: Für das laufende Jahr wurde die Gewinn-pro-Aktie-Schätzung von 20.13 Fr. auf 11.56 Fr. gesenkt, entsprechend wurde das Kursziel von 284 Fr. auf 178 Fr. korrigiert. Auch die UBS hat das Kursziel drastisch auf 180 von 225 Fr. gekürzt mit der Einstufung «sell».

Bei Merrill Lynch lautet die neue 12-Monats-Zielgrösse 190 Fr. Selbst die sonst eher zuversichtlichen Morgan-Stanley-Analysten senken das Rating für Swiss Life auf «Equalweight» von «Overweight» (Kursziel: 250 Fr.)

Die Abstrafung der Swiss-Life-Aktien hat zwei Ursachen. Zum einen ist im 1. Halbjahr das Anlageergebnis eingebrochen, was von den Analysten in diesem Ausmass fast unisono als desaströs bezeichnet wird. So resultierte ein Kapitalrealisierungsverlust von total 1,2 Mrd Fr. Ausserdem erschreckte die Gewinnwarnung die Finanzgemeinde. Zum anderen besteht nach wie vor viel Unklarheit über die Strategie der Swiss Life bei ihrer Beteiligung am deutschen Finanzvertrieb MLP. Diese Unsicherheiten rissen die Aktien des Lebensversicherers in den letzten drei Wochen 30% in die Tiefe, mit einem neuen Drei-Jahres-Tiefststand von 192 Fr.

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Frustrierend für die Anleger ist ferner, dass das Aktienrückkaufprogramm für die MLP-Beteiligung abrupt reduziert wurde von 2,5 Mrd auf 1 Mrd Fr. Überdies erwartet René Locher, Analyst bei Sal. Oppenheim, der Swiss Life mit «Neutral» einstuft, für 2009 eine Dividende von 12 Fr., das sind 40% unter den 20 Fr. für dieses Jahr. Einen Hoffnungsschimmer sieht hingegen Viktor Damman, Analyst bei der Bank Vontobel («Hold»): Er geht davon aus, dass Swiss Life das Gröbste überstanden haben dürfte und die Kursrückschläge nun für Käufe genutzt werden könnten.

Rückläufige Gewinne belasten

Nicht ganz so drastisch wie bei Swiss Life sieht es bei der Bâloise aus, obgleich die Finanzmärkte die Halbjahreszahlen ebenfalls versalzen haben. Zwar sind laut Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank, der die Bâloise mit «Marktgewichten» einstuft, alle wichtigen Kennzahlen mit der Ausnahme der Combined Ratio, des Kosten-Schaden-Satzes, tiefer als geschätzt. Die Anlageverluste hatten rückläufige Gewinne im Leben- wie im Nichtleben-Bereich zur Folge. Martis Prognose, die Kurschancen seien «nur noch durchschnittlich», widerspiegelt mit Ausnahme der Aktien von Zurich Financial Services, die mehrheitlich auf Grund guter Zahlen und intakter Wachstumsaussichten zum «Kauf» empfohlen werden, die Stimmung bei den übrigen Schweizer Versicherern.

Laut Locher von Sal. Oppenheim haben die Konzerne überdies ihre Aktienquoten als Folge der Kapitalverluste auf unter 5% reduziert, sodass diese bei einem Aufschwung wenig von den positiven Börsen profitierten. Die Folge sind eine tiefere Neubewertung der Versicherer, zu denen auch Helvetia und Nationale Suisse gehören, sowie die Einsicht, dass die Branche für Anleger nicht mehr so attraktiv ist, wie noch vor einem halben Jahr angenommen.