Die Aktien der britischen Royal Bank of Scotland (RBS) haben nach einem Riesenverlust an einem Tag fast 70% verloren, der US-Gigant Citigroup wird trotz Staatshilfe zerschlagen und «Musterschüler» wie die Deutsche Bank rutschen tief in die Verlustzone.

In den Resultaten zeigt sich, dass amerikanische und britische Banken im 4. Quartal massive Wertberichtigungen bei regulären Krediten vornehmen mussten. Auch die Schweizer Grossbanken werden deutlich höhere Kreditverluste hinnehmen müssen, ihnen kommt aber die starke Ausrichtung auf den Heimmarkt zugute. «UBS und Credit Suisse haben 40 bis 50% ihres Kreditportefeuilles in der Schweiz, wo die Ausfälle nicht so gross sind wie in anderen Ländern», sagt Vontobel-Analystin Teresa Nielsen. Der wirtschaftliche Abschwung ist hierzulande noch nicht so weit fortgeschritten und die Zahlungsmoral ist hoch.

Private Banking als Stütze

Sarasin-Analyst Rainer Skierka weist auf einen weiteren Vorteil der Schweizer Grossbanken gegenüber einer Royal Bank of Scotland oder einer Deutschen Bank hin. «Die beiden Institute sind stark im relativ stabilen Private Banking vertreten und in dieser Disziplin weltweit führend.» Das Vermögensverwaltungsgeschäft schafft einen gewissen Ausgleich, auch wenn bei der UBS die massiven Verluste hohe Abflüsse an Kundengeldern nach sich ziehen.

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UBS und Citigroup gehören mit bisherigen Abschreibern von rund 50 Mrd Fr. und gegen 70 Mrd Fr. zu den weltweit grössten «Subprime-Sündern». Die Citigroup muss jetzt in eine «gute» und in eine «schlechte» Bank aufgespaltet werden. In den USA greift der Staat den Banken direkt mit frischem Kapital unter die Arme, kauft ihnen die faulen Papiere aber nicht ab. Die UBS konnte dagegen die problematischen Positionen auslagern und sitzt heute mit rund 11 Mrd Fr. nur noch auf etwa einem Zehntel des ursprünglichen Bestands (siehe Graphik).

Doch die Bilanzen der beiden Schweizer Grossbanken sind nach wie vor riesig und stellen allein aufgrund ihrer Grösse ein Risiko dar. «Keiner weiss mit Sicherheit, welche Positionen künftig noch riskant werden», sagt Helvea-Analyst Peter Thorne.

Verschiedene Problemfelder

Bei der Credit Suisse stehen zwei Problemfelder im Vordergrund. «Die CS wird auf Geschäftshypotheken hohe Abschreibungen tätigen müssen», erwartet Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Zudem gebe es Unsicherheiten bezüglich der angekündigten Risikoreduktion im Handelsgeschäft, das schon im 3. Quartal massiv gelitten hat und hauptsächlich für die Gewinnwarnung im 4. Quartal verantwortlich war.

Auch bei der UBS werden im 4. Quartal Milliardenabschreiber erwartet, die aber tiefer ausfallen dürften. Zudem kämpft die Bank mit Spezialsituationen. Im Steuerstreit mit den USA wird mit einer Einigung gerechnet, welche die Bank 1 bis 2 Mrd Fr. kosten könnte. Ein weniger prominenter Fall in den USA verspricht ebenfalls teuer zu werden. Die UBS kauft die lange als sicher geltenden Auction-Rate-Securities (ARS) von Kunden zurück, was das 1. Quartal mit 0,5 Mrd Fr. belasten könnte.

«Das Wichtigste ist, dass die UBS ohne Kapitalerhöhung durch das Quartal kommt», sagt Dirk Becker, Analyst von Kepler Capital Markets. Er erwartet, dass keine der beiden Grossbanken frisches Kapital braucht. Da 2009 weitere Verluste drohen, liegt der Fokus der Banken auf ihren Kapitalpuffern.