Bei Nachahmermedikamenten wird sich in nächster Zeit einiges bewegen. Der anstehende Verkauf der deutschen Generika-Produzentin Ratiopharm nach dem Drama um Besitzer Adolf Merckle ist dazu nur der Auftakt.

So könnte eine Übernahme von Ratiopharm auch Veränderungen für Mepha mit sich bringen. Die nicht an der Börse gehandelte Schweizer Marktführerin gehört zu über 50% Ratiopharm. Mepha wurde versichert, dass die Merckle-Familie am Aktienanteil festhalte und keine Verkaufsabsicht des Anteils geäussert habe. Auch bei Mepha weiss man auf Anfrage nicht, was mit Ratiopharm, mit der bisher eng zusammengearbeitet wurde, geschieht.

Wachstumsmarkt Deutschland

Deutschland, der Heimmarkt von Ratiopharm, gilt als äusserst lukrativer Markt. Laut Branchenkennern handelt es sich mit einem Volumen von 5 Mrd Euro um den zweitgrössten Absatzmarkt für Nachahmerprodukte. Der weltweit grösste Anbieter von Generika, die israelische Teva, wird aber trotzdem als potenzieller Käufer von Ratiopharm vermutlich wegfallen: Teva ist noch immer damit beschäftigt, die Übernahme des US-Generikaherstellers Barr Labs zu verdauen.

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Hingegen könnten klassische Pharmakonzerne wie Sanofi-Aventis, GlaxoSmithKline oder Pfizer mit einer Übernahme von Ratiopharm liebäugeln. Diese Unternehmen würden mit einem Kauf zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der Einstieg in den lukrativen Markt würde für ein Umsatzplus sorgen und die Pharmahersteller könnten in den zukunftsträchtigen Generikamarkt einsteigen. Was übrigens der grösste Schweizer Pharmakonzern schon lange tut. «Novartis ist bisher der einzige Konzern, der eine klare duale Strategie fährt», so Oliver Kubli vom Vermögensverwalter Adamant Biomedical Investments.

Der Ertrag der im Generikabereich tätigen Novartis-Tochter Sandoz sei im Verhältnis zum Gruppenumsatz aber zu klein, um bei Novartis von einem generikagetriebenen Titel zu sprechen. Aus kartellrechtlichen Gründen wird Sandoz zudem auf eine Übernahme von Ratiopharm verzichten müssen.

Staaten treiben Nachfrage an

Viel flotter auf der Generika-Welle schwimmt da ein anderer Schweizer Konzern: Acino konnte im letzten Jahr mit einem Plus von 40% die beste Performance aller SMI-Titel verzeichnen. «Das Jahr von Acino war aussergewöhnlich», sagt Kubli. Der Erfolg von Acino ist eng mit dem Hype um den erfolgreichen Blutverdünner Plavix verknüpft und war daher nicht vorhersehbar. Die Branche kann jedoch von einer zunehmenden Nachfrage profitieren. «Ein Investment in Generikahersteller ist langfristig interessant», so Oliver Kubli. Er ist überzeugt, dass es sich beim Wachstum bei Generikaprodukten um einen strukturellen Trend handelt.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit sich verengenden Staatshaushalten nehmen Ausgaben für Nachahmerpräparate zu. Für Hersteller von Generika ist es elementar, in die Distributionskanäle von Versicherern zu gelangen. Zudem müssen die Ärzte mitziehen und die Medikamente auch verschreiben. «Das Generikageschäft braucht Zeit, da Hersteller teilweise Jahrzehnte benötigen, bis sie von den Versicherern akzeptiert sind», so Oliver Kubli von Adamant Investment.

Die Kosten von Generikapräparaten liegen zwischen 30 und 70% unter den Preisen von Originalprodukten. Die Durchdringungsrate soll in den nächsten Jahren auf 50% ausgebaut werden, schätzen Marktkenner heute.

Objekte in unreifen Märkten

Die Bäume wachsen jedoch nicht in den Himmel. Da in reifen Märkten die Konkurrenz relativ hart ist, empfiehlt Adamant Investment Unternehmen aus aufstrebenden Märkten, wie etwa den ungarischen Generika-Hersteller Gedeon Richter. Das Unternehmen bietet Gesundheitsprodukte für Frauen an, vor allem aus dem Bereich Verhütungsmittel.

Das an der Londoner Börse kotierte jordanische Unternehmen Hikma Pharmaceuticals kann aus politischen Gründen in andere Märkte eintreten als die israelische Teva oder europäische Unternehmen. Die starke Position in diesen Wachstumsmärkten macht die Anlage interessant.

Mittel- bis langfristig könnte sich auch ein Investment in Lonza lohnen. «Lonza könnte durch eine Vorwärtsintegration der eigenen Biotechprodukte zukünftig auch Generika anbieten», so Oliver Kubli von Adamant Investment.