Sie sind die ersten, die eine Erholung zu spüren bekommen: Die Frühzykliker. Denn sie stehen am Anfang der Produktionskette, profitieren von höheren Investitionen und Ausrüstungskäufen der Unternehmen oder stellen Rohwaren her. Entsprechend sind ihre Aktien früh im Konjunkturzyklus gefragt.

Derzeit geht es gar so weit, dass die Frühzykliker bereits eine Rally erlebten, noch bevor überhaupt klar ist, wohin sich die Weltwirtschaft bewegt. Zwar zeigen mehrere vorauslaufende Indikatoren ein Ende der Talfahrt der Weltwirtschaft an, doch dürfte die Krise nach wie vor nicht überstanden sein. «Wir erwarten in der Schweiz nochmals ein schwaches 2. Quartal und erst ab 2010 ein leichtes Wachstum, wenn sich die wichtigsten Exportmärkte wieder verbessern», bestätigt Thomas Herrmann, Analyst Swiss Economy bei der Credit Suisse.

Frühzykliker mit Kurssprüngen

Trotz dieser unsicheren Aussichten haben der Schweizer Aktienmarkt und insbesondere die Frühzykliker seit den Tiefstwerten vom März bereits wieder deutlich zugelegt. Börsenschwergewichte wie der Technologiekonzern ABB, der Personaldienstleister Adecco oder der Zementkonzern Holcim konnten seither den Gesamtmarkt übertreffen, der gemessen am SMI in dieser Periode um 25% zulegte. Während ABB eine Performance von 32% erzielte, schossen die Titel von Adecco und Holcim um 50 respektive 96% in die Höhe. Am breiten Markt gelang dem Produzenten von Edelstahl, Schmolz+ Bickenbach, mit einem Plus von 170% gar fast eine Verdreifachung seines Wertes.

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In Anbetracht dieser Kursexplosionen stellt sich für die Investoren die Frage, ob der Zeitpunkt für den Einstieg in frühzyklische Werte nicht bereits verpasst wurde. «Die Bewertung von Adecco nimmt momentan schon sehr früh eine Erholung der Arbeitsmärkte vorweg», schreibt beispielsweise Marco Strittmatter, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Von dieser Erholung sei bisher allerdings wenig bis nichts sichtbar.

Übergewicht wieder abbauen

«Nach ihrer starken Performance dürften die Frühzykliker in einem breit diversifizierten Portefeuille mittlerweile ein Übergewicht erhalten haben», ist Alfons Cortes, Leiter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Unifinanz, überzeugt. Er empfiehlt den Anlegern deshalb, ein allfälliges Übergewicht zu reduzieren, um eine neutrale Gewichtung zu erreichen, zumal sich der Markt derzeit seitwärts bewegt und die Aussichten nach wie vor unsicher seien. «Die Verbesserung, die vom Markt vorweggenommen wurde, müssen die Firmen nun mit ihren fundamentalen Daten bestätigen», erklärt Cortes. Er rät daher zur Vorsicht, um auf mögliche Korrekturen vorbereitet zu sein. Wie Cortes erwartet auch Clariden-Leu-Aktienstratege Gregor Mast eine Konsolidierung bei den Frühzyklikern. Gleichzeitig warnt er die Investoren vor schwierigen Sommermonaten. «Kurzfristig kann es nochmals zu Korrekturen kommen, auf Jahresfrist sind wir aber positiv gestimmt, dass die Märkte im Zuge der erwarteten Konjunkturerholung höher notieren», so Mast.

Blickwinkel für Rohstoffe öffnen

Statt in frühzyklische Werte zu investieren, die bereits stark zulegen konnten, empfiehlt er daher, den Blickwinkel zu öffnen und Titel ins Visier zu nehmen, die in einer späteren Phase des Aufschwungs die Führungsrolle übernehmen werden. «Zu denken ist dabei an Rohstoffwerte, die bisher vor allem dann gestiegen sind, wenn die Wirtschaft auf vollen Touren lief», erklärt Mast. Da die derzeitige Krise die Rohstoffpreise unter die marginalen Produktionskosten gedrückt hat und als Folge davon viele Projekte gestoppt wurden, könnte es bei einer Erholung der Nachfrage früher als in vergangenen Zyklen üblich zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Rohstoffen kommen und damit auch deren Preise schneller wieder anziehen. Davon profitieren wiederum Rohstoffunternehmen wie beispielsweise Xstrata.

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Für Beat Füglistaller, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim, ist die Zeit der Frühzykliker dagegen noch lange nicht abgelaufen. Bei Aktien, wo die Gewinn- beziehungsweise Verlusterwartungen bereits tief seien und das Halbjahresresultat einen Tiefpunkt respektive Wendepunkt markieren könnte, seien Investitionen durchaus zu empfehlen. «Obwohl die Frühindikatoren einen Aufwärtstrend zeigen, ist das Risiko bei einigen Werten noch zu hoch», sagt Füglistaller. Zu denken ist dabei an die hohe Verschuldung von Schmolz+Bickenbach oder Uster Technologies, die den beiden Firmen noch zu schaffen machen könnte. «Skeptisch bin ich zudem gegenüber der Textilindustrie», so der Sal. Oppenheim-Analyst. Bei Georg Fischer ist er dagegen zuversichtlich, dass das Unternehmen dank der Restrukturierung und den dadurch erzielten Kosteneinsparungen gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.

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