Zwar erfüllte die Fed die Erwartungen der Börsianer und kappte den Leitzins abermals kräftig. Doch trotz der Senkung auf nunmehr 3% herrscht auf dem Parkett weiter Weltuntergangsstimmung.

Zu düster sind die Szenarien, auf die sich die Akteure derzeit konzentrieren: Allerorten herrscht Angst vor einem Domino-Effekt bei den Kreditinstituten, einem Übergreifen der US-Konjunkturschwäche auf Europa sowie Asien, vor Stagflation und Margenschwund.

Japan hat sich nie ganz erholt

Gerade in Asien sind die Märkte in Bewegung: Aktienindizes wie der Hongkonger Hang Seng notierten tief im roten Bereich. Asiens Aktienmärkte haben im Januar so stark verloren wie zuletzt im September 2001, nach den Al-Qaida-Anschlägen auf New York und Washington. Manche Beobachter erinnert das Verpuffen der Fed-Leitzinssenkungen denn bereits auch an eine asiatische Parallele nämlich das Versagen der Bank von Japan (BoJ) in den 90er Jahren.

Denn nach dem Platzen der dortigen Immobilienblase hatten Nippons Geldhüter versucht, den auf die Katastrophe zusteuernden Bankensektor durch laxere Geldpolitik zu retten. Ohne Erfolg. Die japanische Wirtschaft rutschte immer mehr in eine Deflation ab, von der sie sich bis heute nicht richtig erholt hat.

Anzeige

Die Leitindizes Nikkei und Topix verloren innerhalb eines Jahres mehr als ein Drittel an Wert. Die grössten Institute des Landes Ende der 80er Jahre hatte das Kaiserreich noch zwölf der 20 grössten Banken der Welt gestellt konnten nur durch staatliches Eingreifen und Notfusionen vor dem Bankrott gerettet werden. Heute weisen die Charts grosser US-Häuser frappierende Ähnlichkeit mit der Kursentwicklung der damaligen Finanzriesen aus Fernost aus.

Bessere Karten für die Fed

Doch es gibt auch markante Unterschiede. So hatte die BoJ auf die Krise erst spät mit Zinssenkungen reagiert. Manche sagen: Zu spät. So gesehen könnte die Federal Reserve jetzt bessere Karten haben, eine jahrelange Börsen- und Wirtschaftsflaute wie im Japan der 90er Jahre abzuwenden. «Die Fed versucht, angemessen und schnell auf die Krise zu reagieren», sagt Rolf Schneider, Ökonom bei der Allianz. Schon jetzt zeige das Finanzsystem Stabilisierungstendenzen, und auch in der Industrie und anderen Teilen der Realwirtschaft dürfte es dank der Geldpolitik zu einer baldigen Erholung kommen.

Bereits in der 2. Jahreshälfte rechnet Schneider mit einem deutlichen Anziehen der US-Konjunktur. In der Regel brauchen Zinssenkungen 12 bis 18 Monate, um zu wirken.

Gegenbewegung erwartet

Auch andere Experten warnen davor, sich von der Weltuntergangsstimmung anstecken zu lassen. «Der Pessimismus ist bei Investoren so stark wie seit Jahren nicht», sagt Andreas Hörkamp von der Commerzbank. Das deute eher auf eine Gegenbewegung nach oben hin. Auch seien die Bewertungen so niedrig wie zuletzt mitten in der Irak-Krise 2002/2003. Dax-Aktien weisen nach aktuellen Schätzungen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 11 aus, US-Standardwerte im S&P 500 eine von 13. Der langjährige Mittelwert liegt 20% höher.

Japan-Titel waren im Bubble-Jahr 1989 oft mit dem 40-Fachen des geschätzten Jahresgewinns bewertet was die Werte deutlich anfälliger auf Kurseinbrüche machte.